Wie in Paris: Britischer Islamist hat wohl in Istanbul Anschläge geplant

Der Bosporus-Metropole Istanbul sollte offenbar das gleiche Schicksal wie Paris widerfahren. Wie jetzt bekannt wurde, habe ein britischer Islamist vermutlich zeitgleich Anschläge in der Türkei geplant. Die Ermittlungen laufen.

Paris steht unter Schock. Istanbul sollte der gleiche Terror ereilen. (Foto: Flickr/Paris Traces by fotologic CC BY 2.0)

Paris steht unter Schock. Istanbul sollte der gleiche Terror ereilen. (Foto: Flickr/Paris Traces by fotologic CC BY 2.0)

Ein britischer Islamist hat nach Einschätzung von Insidern zeitgleich mit den Anschlägen von Paris ähnliche Attentate in der türkischen Metropole Istanbul geplant. Der Mann, der vergangene Woche verhaftet worden sei, habe Komplizen gehabt, hieß es am Sonntag aus türkischen Sicherheitskreisen. Er sei ein Mitglied der Extremistenorganisation Islamischer Staat. Derzeit werde ermittelt, was genau die Gruppe plante. „Wir vermuten, dass es einen parallelen Angriff zu Paris, am gleichen Tag, geben sollte“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider. Istanbul ist ein bei Touristen beliebtes Reiseziel. Jährlich kommen mehr als zehn Millionen Menschen in die Stadt.

Objektiv können diese Informationen allerdings nicht verifiziert werden.

Am Freitag seien in Istanbul fünf Verdächtige festgenommen worden, darunter auch ein enger Vertrauter des britischen IS-Kämpfers „Jihadi John“, teilte ein Regierungsvertreter am Sonntagabend in Ankara mit. Die Ermittler gehen demnach davon aus, „dass sie einen Anschlag in Istanbul am selben Tag wie die Anschläge in Paris planten“. Das berichtet die AFP.

Erste Ermittlungen deuteten darauf hin, dass ein „großer Anschlag“ vereitelt worden sei, sagte der Regierungsvertreter. Die Türkei fahndet seit dem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in der Hauptstadt Ankara am 10. Oktober verstärkt nach Dschihadisten. Bei dem Attentat, zu dem sich wie in Paris die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte, waren 102 Menschen getötet worden – es war der folgenschwerste Anschlag in der Geschichte des Landes.

Die Festnahme des „Jihadi-John“-Gefährten Aine Lesley Davis, ebenfalls ein Brite, war bereits am Freitag vermeldet worden. Er war nach Angaben aus Regierungskreisen einer der „engsten Gefährten“ von „Jihadi John“ und wurde mit mehreren anderen Islamisten bei einer Razzia in Istanbul aufgegriffen. Die fünf Verdächtigen seien in dieser Woche aus Syrien in das Nachbarland gekommen, „um einen Anschlag in der Türkei zu begehen“, sagte der Regierungsvertreter am Sonntag.

Die türkischen Behörden versuchen nun herauszufinden, ob es eine Verbindung zu den Anschlägen in Paris gibt. „Alle Möglichkeiten werden geprüft“, sagte der Regierungsvertreter. Es sei auch denkbar, dass die Verdächtigen auch einen Anschlag in Europa geplant hätten. Die türkische Polizei habe daher bereits Kontakt zur französischen Polizei aufgenommen.

Der türkischen Regierung war lange Untätigkeit gegenüber den IS-Dschihadisten vorgeworfen worden. Kritiker beschuldigten Ankara unter anderem, die Dschihadisten mit Waffen zu versorgen und nichts zu unternehmen, um IS-Kämpfer am Grenzübertritt zu hindern. Auch die französische Terrorverdächtige Hayat Boumeddiene setzte sich über die Türkei nach Syrien ab. Die Freundin des IS-Anhängers Amédy Coulibaly, der nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ im Januar fünf weitere Menschen erschossen hatte, war schon vor den Anschlägen in die Türkei und von dort nach Syrien gereist.

Nach dem Blutbad in Ankara hatte die türkische Polizei ihr Vorgehen gegen die Dschihadisten jedoch sichtlich verstärkt. Der IS wird auch für Anschläge auf prokurdische Veranstaltungen in Diyarbakir und in der Stadt Suruc an der syrischen Grenze verantwortlich gemacht, bei denen im Juni und im Juli insgesamt fast 40 Menschen getötet worden waren.

„Jihadi John“, der mit wirklichem Namen Mohammed Emwazi heißt, war nach US-Angaben vor wenigen Tagen höchstwahrscheinlich bei einem US-Luftangriff in Syrien getötet worden. Der Extremist, der mehrere westliche Geiseln hinrichtete, wurde in der Nacht zum Freitag in der Dschihadisten-Hochburg Raka ins Visier genommen, wie das Pentagon mitteilte. Sein Tod wurde offiziell zunächst nicht bestätigt. Das US-Militär hält diesen aber für sehr wahrscheinlich.

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