Türkei zieht Rüstungsauftrag an China zurück

Die Türkei hat seinen Rüstungsdeal mit China gestrichen. Die Chinesen sollten ein Raketenabwehrsystem liefern. Ankara will sich lieber auf die Entwicklung eines eigenen Systems zu konzentrieren

Die Türkei hat einen an China vergebenen Auftrag zur Lieferung eines Raketenabwehrsystems zurückgenommen. Das Verteidigungsministerium bestätigte am Dienstag, dass der 2013 vorläufig vergebene Auftrag mit einem Volumen von 3,4 Milliarden Dollar gestrichen sei. Die damalige Entscheidung hatte bei den Nato-Partnern der Türkei für Verärgerung gesorgt. Die türkische Regierung habe nunmehr entschieden, sich auf die Entwicklung eines eigenen Systems zu konzentrieren, teilte das Verteidigungsministerium weiter mit.

Die türkische Regierung hat sich bis zum 100-jährigen Jubiläum der Republik große Ziele gesetzt: Sie will die Türkei zu einer der führenden Export- und Wirtschaftsnationen machen. Trotz eines bemerkenswerten Wachstums wird der Türkei dieses Vorhaben aber nicht gelingen. Zukünftig soll der türkische Markt für technologisch höher entwickelte Länder attraktiver gemacht werden. Eine große Rolle soll hierbei auch die Rüstungsindustrie spielen. Sie soll das Wachstum ankurbeln.

Das Ziel bis 2023 unter den führenden zehn Wirtschaftsnationen zu sein, sei aus heutiger Sicht unerreichbar. Das gab der türkische Untersekretär für die Verteidigungsindustrie, Ismail Demir, bekannt. Um weiterhin für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen, sieht er Chancen in der türkischen Rüstungsindustrie. Immerhin die Hälfte der nationalen Nachfrage auf dem Rüstungsmarkt könne durch heimische Produkte gedeckt werden. Ein Ziel sei es, längerfristige Rüstungsprojekte durch türkische Produkte zu bedienen.

Waffenindustrie vom Staat abhängig

Ein Großprojekt der Branche ist derzeit die Entwicklung eines neuen Infanteriegewehrs. Eine Testversion sei bereits an verschiedene Truppenteile ausgegeben worden. Man warte nun auf Rückmeldung, um in die Serienproduktion einsteigen zu können, so Demir in der Sabah.

Neben Handfeuerwaffen hat die Türkei auch mit der Planung und Forschung eigener Kampfflugzeuge begonnen (mehr hier). Als Prestigeprojekt gilt der Kampfpanzer “Altay”, der zu den modernsten und teuersten Kampffahrzeugen seiner Art gehören wird.

Das Rüstungsbudget könnte sich bis 2018 verdoppeln, berichtet die Hurriyet. Aber auch die türkischen Streitkräfte kaufen munter ein. Die Türkei sondiert gerade Angebote für ein eigenes Raketenabwehrsystem, so das Blatt.

Im Laufe der Pressekonferenz stellte der Untersekretär die Abhängigkeit der Waffenindustrie vom Staat heraus. „Beziehungen zwischen Staaten und zwischen Staatsmännern können eine aktive Rolle bei den Exporten spielen. Manche Vereinbarungen oder Verkäufe müssen zwischen Staaten geschlossen werden“, so Demir. In einem Interview mit dem Online-Fachmagazin „Defence-Turkey“ bekräftigte dieser erneut seine Absicht, Produkte für den internationalen Markt zu bauen. Die Türkei ist mittlerweile der viertgrößte Exporteur von leichten Waffen in die USA (mehr hier).

Großes Wachstum seit 2008

Türkische Rüstungsunternehmen konnten im Jahr 2013 Rüstungsgüter mit einem Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar im Ausland absetzten. Diese Entwicklung ist beträchtlich. Noch im Jahr 2008 konnten dieselben Unternehmen Waren in einem Wert von nur 600 Millionen Dollar im Ausland verkaufen. „Der Export des Sektors steigert sich jedes Jahr. Momentan wird ein Drittel der Produktion ins Ausland expotiert“, sagte Latif Aral Aliş, Vorsitzende des Interessenverbandesdes für Verteidigungsexporteure  (SSI).
Was den Export von Waffen angehe, wolle man sich an die Auflagen der Vereinten Nationen halten, so Aliş.

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