Zwangsaufsicht unter Polizeischutz: Türkische Polizei geht gegen Firmen des Predigers Gülen vor

Die türkische Polizei hat am Mittwoch ein Unternehmen des Predigers Fethullah Gülen vereinnahmt. Unter Polizeischutz wurden neue Konzernverwalter eingesetzt. Die Ermittler haben den Verdacht, dass das Unternehmen die Finanzangelegenheiten Gülens regelt.

Die türkischen Sicherheitskräfte sind am Mittwoch nach Informationen der Nachrichtenagentur Dogan erneut gegen Unternehmen des Predigers Fethullah Gülen vorgegangen, dem Ambitionen auf einen Umsturzversuch nachgesagt werden. Die Kaynak-Holding im Istanbuler Stadtviertel Üsküdar wurde dem Bericht zufolge unter Zwangsaufsicht gestellt, unter Polizeischutz wurden neue Konzernverwalter eingesetzt.

Die Ermittler hegen den Verdacht, die Kaynak-Holding regele die Finanzangelegenheiten Gülens, der seit 1999 in den USA im Exil lebt. Gülen und seine Anhänger in der Türkei zählten lange zu den Unterstützern von Präsident Recep Tayyip Erdogan und dessen islamisch-konservativer Regierungspartei AKP. Nach einem Zerwürfnis im Jahr 2013 ließ Erdogan mit Massenversetzungen und Entlassungen vor allem im Justiz- und Polizeiapparat tausende Gülen-Anhänger aus staatlichen Institutionen entfernen. Dabei ging es vor allem um Korruptionsvorwürfe gegen Regierungsvertreter. Das berichtet die AFP.

Gülen, der ein großes Netz an Schulen, Unternehmen und Hilfsorganisationen leitet, wies die Beschuldigungen stets zurück. Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass die USA ihn an die Türkei ausliefern, obwohl inzwischen ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde. Wegen versuchten Staatsstreichs soll daher im Januar in Abwesenheit gegen Gülen verhandelt werden.

In den vergangenen Wochen waren die Behörden wiederholt gegen Erdogan-kritische Medien vorgegangen. So wurde vor laufender Kamera der Sitz eines Medienkonzerns gestürmt und die Kontrolle über zwei Fernsehsender übernommen. Die Polizei setzte dabei Tränengas und Wasserwerfer ein.

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