IS „vom Erdboden auslöschen“: So kann jeder Anonymous helfen

Die Hackerorganisation Anonymous zeigt, wie selbst Amateure beim Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) helfen können. Ein so genannter "NoobGuide" führt in die Grundlagen ihrer technischen Werkzeuge ein. So können Laien am achtstufigen Plan des Kollektivs mitwirken, um gegen die Terroristen vorzugehen.

Das Hacker-Kollektiv Anonymous führt Laien in ihre Methoden ein. (Foto: Flickr/ gaelx)

Das Hacker-Kollektiv Anonymous führt Laien in ihre Methoden ein. (Foto: Flickr/ gaelx)

Anonymous setzt bei seinem Krieg gegen den IS auf die Mithilfe möglichst vieler User. In einfachen Schritten erklären sie, wie diese bei der gezielten Störung der Terroristen mitwirken können. Bei den bislang üblichen DDoS-Angriffen soll es diesmal nicht bleiben.

„Nach den Terrorangriffen in Paris hat das Hacker-Kollektiv Anonymous einen achtstufigen Plan im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ausgearbeitet. Über Chats und sogenannte Pads, Online-Dokumente, an denen viele Nutzer gleichzeitig arbeiten können, werden derzeit Angriffsziele wie Propaganda-Webseiten des IS, Facebook- und Telegram-Gruppen sowie Twitter-Konten von angeblichen IS-Sympathisanten verbreitet. Die Webseiten werden mit Anfragen überflutet, die Accounts den Betreibern gemeldet“, berichtet n24.de.

Mitmachen könnten demnach auch jene, die technisch nicht versiert sind. Hilfestellung bietet ein so genannter „NoobGuide“. Der führe in die Grundlagen der technischen Werkzeuge des Kollektivs ein – beispielsweise die Anonymisierung. Ein „Reporter“ genanntes Dokument erkläre, wie „Twitter Reporter“, ein automatisches Programm zum Melden von Twitter-Accounts, genutzt werden könne. Ein weiteres Dokument erkläre, wie Web-Seiten mit IS-Inhalten automatisiert aufgespürt werden könnten, die dann auf der Liste der Ziele eingetragen würden.

Bei den bislang üblichen DDoS-Angriffen wolle es das Kollektiv künftig aber nicht belassen. Diesmal sollten die Seiten gehackt werden, um mehr Informationen über den IS zu erhalten. „Das Fernziel: Den IS „vom Erdboden auslöschen“, heißt es in dem Dokument, so das Blatt weiter.

Den aktuellen Plänen könnte allerdings eine US-Firma im im Weg stehen – zumindest, beim Thema Überlastung. Wer einschlägige Seiten mit islamistischen Inhalten aufruft, bekommt derzeit häufig zunächst eine Seite des US-Unternehmens Cloudflare zu Gesicht, so n24.de an anderer Stelle. Das Unternehmen prüfe, ob die Seite von einem normalen Webbrowser aufgerufen wurde oder von einem Skript, das allein den Zweck habe, die Server in die Knie zu zwingen. „Erst wenn die Cloudflare-Software festgestellt hat, dass es sich um einen legitimen Seitenaufruf handelt, wird der Nutzer auf die eigentliche Seite weitergeleitet.“

Die Hackerorganisation Anonymous hat bereits damit begonnen, persönliche Informationen über angebliche IS-Terroristen zu veröffentlichen. Darunter soll zumindest eine Adresse eines IS-Rekrutierers sein. Die Hacktivisten organisieren sich unter dem Hashtag #opISIS und #opParis und versuchen, die Webseiten und Social-Media-Kanäle der Terroristen zu hacken und ihre Accounts vom Netz zu nehmen, berichtet der britische Independent.

IS-Sympathisanten haben schon auf die Drohung reagiert, berichtet der Business Insider.  Über den Nachrichtendienst Messenger Telegram verbreiten sie Tipps an ihre Anhänger: „Öffnet keine unbekannten Links, ändert immer wieder eure IP-Adresse und redet nicht mit Usern, die ihr auf Instagram nicht kennt“, so die Hinweise.

Anonymous sammelt seit Monaten Twitter-Accounts und Webseiten von Extremisten und meldet diese, teils versuchen die Hacker auch selbst, die Webseiten lahmzulegen. Nach eigenen Angaben seien so bereits 55000 Accounts vom Netz genommen worden.

Die Hacker hatten in einem Video den Terroristen den Krieg erklärt und angekündigt, sie weltweit im Netz zu jagen und ihre Kommunikation zu stören.  „Diese Attentate können nicht ungestraft bleiben“, hieß es in einem bereits am Samstag veröffentlichten Video. Darin ist eine Person im schwarzen Kapuzenpulli und mit der typischen Guy-Fawkes-Maske zu sehen. Gesprochen wird die Botschaft von einer Computerstimme: „Wir werden euch finden und wir werden nicht nachlassen. Wir werden die wichtigste Operation gegen euch starten, die je gegen euch geführt wurde. Der Krieg hat begonnen.“

Sicherheitsbehörden sehen das Engagement kritisch, da in der Vergangenheit bereits Seiten fälschlicherweise ins Visier der Hacker gerieten, so ein Bericht des Independent. Bereits im Februar hatte Anonymous den IS zum Ziel erklärt. Die Hacker griffen Hunderte Social-Media-Konten mit einer Cyber-Attacke an, viele verschwanden vom Netz. Anonymous ist ein lose organisiertes Hacker-Netzwerk, dessen Aktivitäten nur schwer zu verfolgen sind.

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