AfD will Moscheen von Hasspredigern dichtmachen

Der Vorschlag aus Frankeich, bestimmte Moscheen und radikale Vereinigungen zu schließen, stößt bei der AfD auf offene Ohren. Hierzulande müsste für muslimische Gotteshäuser dasselbe gelten wie beim Verbot von Vereinen. Praktisch ist eine Umsetzung allerdings schwierig.

Ein Mann betet in einer Moschee. (Foto: Flickr/ Muslim at prayer by Vince Millett CC BY 2.0)

Ein Mann betet in einer Moschee. (Foto: Flickr/ Muslim at prayer by Vince Millett CC BY 2.0)

Der Landessprecher der AfD Thüringen, Stefan Möller, hat den Vorstoß der französischen Regierung nach den Terroranschlägen von Paris begrüßt. Präsident Holland plant eine Gesetzesverschärfungen, um künftig fundamentalistische Moscheen zu schließen und Hassprediger aus dem Ausland ausweisen zu können.

„Die Forderung, Moscheen zu schließen, in denen Hassprediger aktiv sind, ist aus Sicht der AfD Thüringen zu unterstützen“, zitiert die Huffington Post Stefan Möller. Letzten Endes müsse für die muslimischen Gotteshäuser dasselbe gelten wie beim Verbot von Vereinen. Ein Grund hierfür sei „die gegen die verfassungsmäßige Ordnung gerichtete Tätigkeit“. „Das Auftreten und die Unterstützung von Hasspredigern in Moscheen dürfte darunter fallen.“

Der CSU-Rechtspolitiker Hans-Peter Uhl teilt diese Einschätzung nicht. Die bisherigen Gesetze reichten durchaus aus. Er verweist im Gespräch mit dem Blatt jedoch auf die praktischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des geltenden Rechts. Neben zu wenig Personal führte er auch unzureichende Sprachkenntnisse der Behörden an.

In Frankreich sollen Moscheen und radikale Vereinigungen geschlossen werden, in denen «gegen die Werte der Republik verstoßen» wird. Das kündigte Premierminister Manuel Valls am Montagmorgen im Sender RTL an.

«Wir handeln an allen Fronten mit der größten Entschlossenheit», sagte Valls nach den Attentaten von Paris und Saint-Denis, bei denen am Freitagabend 129 Menschen getötet wurden.

Eine wachsende Szene, gefährlich, sehr aktiv. Radikale Salafisten sprechen Jugendliche als «potenzielle Rekruten» für den Dschihad an. Auch in vielen deutschen Städten werden junge Leute «tagtäglich mit salafistischem Gedankengut infiltriert. Erfolgreich. Nachhaltig». Das schreibt die Islamwissenschaftlerin und Religionslehrerin Lamya Kaddor in ihrem neuen Buch «Zum Töten bereit – Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen». Auch fünf ihrer eigenen Schüler reisten nach Syrien, um für islamistische Terrorgruppen zu kämpfen. Als eine persönliche Niederlage habe sie das empfunden, räumt die Autorin ein – auch wenn vier zurückkehrten.

Kaddor kennt die Problematik, die Hintergründe von Radikalisierung, das Vorgehen der «Menschenfänger» – zum Teil aus nächster Nähe. Wie die dpa berichtet, unterrichtet die Tochter syrischer Eltern in Dinslaken am Rande des Ruhrgebiets seit 2003 muslimische Schüler in Islamkunde, später in islamischer Religion. Ausgerechnet Dinslaken-Lohberg ist als Hochburg gewaltbereiter Salafisten inzwischen zu unerfreulicher Bekanntheit gelangt. Bei zwei jungen Männern aus Dinslaken geht man davon aus, dass sie im Dschihad starben.

Nicht nur junge männliche Muslime werden gezielt und altersgerecht gelockt – etwa über Sport oder Vereine – und danach in Gemeinde oder Moschee gelotst. «Gefährdet sind alle jungen Leute, auch junge Frauen, auch Andersglaubende», sagt Kaddor der Deutschen Presse-Agentur. Was macht sie offen für die «Verführer» und deren Gehirnwäsche? Frust über die Verhältnisse zu Hause, über die «sie ausgrenzende Mehrheitsgesellschaft», auch «Wut über die eigene unklare Identität» und Lust auf Rebellion. «Salafismus ist für die meisten Anhänger (…) auch eine Jugendprotestbewegung», liest man.

Wer sich auf religiöse Indoktrinierung eingelassen habe, werde eingeschüchtert und gegenüber der nicht-salafistischen Welt isoliert, schreibt die 36-Jährige. Besorgniserregend auch: Nicht nur die Salafistenszene insgesamt wächst, laut Bundesverfassungsschutz Ende 2014 auf 7000 Mitglieder. Die Zahl derer, die bis zum Äußersten gehen, scheint ebenfalls zuzunehmen. «Immer mehr junge Menschen sind bereit, in den Dschihad zu ziehen», sagt die Autorin.

Ihre Analyse: Wer sich ungerecht behandelt fühle, dürfe nun unter der Flagge des Dschihad erstmals mit «legitimierter» Gewalt für vermeintliche Gerechtigkeit sorgen. Aus den Aussagen junger Rekrutierter wisse man, dass es sie gereizt habe, «den eigenen Gewaltfantasien, der eigenen Wut und den eigenen Rachegelüsten freien Lauf lassen zu können». Aus dem Buch geht hervor, dass rekrutierte Neuzugänge oft als Kanonenfutter missbraucht oder als Selbstmordattentäter in den schnellen Tod geschickt werden. Zugleich werde ein geschöntes Bild vom Krieg vermittelt, in Verbindung mit «Märtyrerromantik».

Nach Angaben des Verfassungsschutzes schließen sich sogar Kinder dem Dschihad in Syrien und im Irak an. Der jüngste aus Deutschland ausgereiste Minderjährige sei erst 13 Jahre alt gewesen. Bei der vergangenen Innenministerkonferenz im Dezember in Köln hatten die Ressortchefs verstärkte Prävention in den Fokus gerückt. Auch Kaddor betont, wer einmal in den Fängen der militanten Salafisten sei, dem sei ein Ausstieg fast unmöglich. Prävention sei umso bedeutender.

«Ein typisches Merkmal für radikalisierte junge Leute, die in die Salafistenszene geraten, ist ein sehr mangelhaftes Islamwissen», sagt Kaddor der dpa. «Deshalb ist islamischer Religionsunterricht als ein Baustein zum Aufbau einer gesunden muslimischen Identität sehr wichtig.» Und man brauche viel intensivere Aufklärung in Schulen, Jugendzentren, Vereinen, Moscheegemeinden. Die muslimische Community sei gefragt, vor dem menschenverachtenden Salafismus zu warnen und Prediger zu stoppen, meint Kaddor. «Es muss auch als Aufgabe der Muslime selbst gesehen werden, ihren Beitrag zu leisten, damit sie ihre eigenen Kinder nicht verlieren.»

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