Erdoğan sauer auf Fußballfans: Wir sind keine intolerante Nation

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat auf das Verhalten türkischer Fußballfans am 17. November mit Bestürzung reagiert. Während der Schweigeminute für die Terror-Opfer von Paris waren lautstarke Buhrufe und Pfiffe zu hören. Die Täter bezeichnete er als respektlos.

Den Vorfall im Istanbuler Fatih Terium Stadion hat nun auch den türkischen Präsidenten auf den Plan gerufen. Mit deutlichen Worten brachte er seine Missbilligung des Verhaltens einiger türkischer Fußballfans zum Ausdruck. Die Nationalhymne der Gäste zu verspotten, entspräche nicht dem türkischen Geist.

„Es ist unglaublich. Wir sind keine intolerante Nation, die nicht in der Lage ist, der Nationalhymne eines Landes Respekt zu erweisen. Es gibt nichts derartiges in den Genen dieser Nation. Wie würden wir reagieren, wenn andere dasselbe mit uns getan hätten?“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan aus einem Interview auf ATV und A Haber am späten 18. November.

Erdoğan sei nicht auf die Schweigeminute selbst eingegangen, vielmehr  konzentrierte er sich stattdessen auf Wahrung der Nationalhymnen anderer Länder, so das Blatt weiter. „Die türkische Nation würde sich gegenüber ihren Gästen nicht so verhalten, egal, wer sie sind“, so der Präsident weiter.

Während des Freundschaftsspiels der Türkei gegen Griechenland war es am Dienstagabend zu einem Eklat gekommen. Die Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge von Paris wurde von türkischen Fußballfans gestört. Statt Stille waren im Fatih-Terim-Stadion Buhrufe und Pfiffe zu hören.

Die Schweigeminute für die Toten von Paris vor dem Anpfiff des Spiels Türkei-Griechenland geriet am Dienstagabend zu einem Desaster. Während in London und Wien Geschlossenheit demonstriert wurde, spielten sich in der Türkei andere Szenen ab.

Die türkischen Fußballfans legten ein Verhalten an den Tag, „das Sportkommentatoren auf der ganzen Welt schockierte“, berichtet die Huffington Post. „Schweigen war nicht zu hören. Ganz im Gegenteil. Die Fans buhten und pfiffen. Es waren Sprechchöre zu hören. Einige riefen eine gegen die kurdische PKK gerichtete Parole der Nationalisten: ‚Die Märtyrer sind unsterblich, das Vaterland unteilbar!’“

Davor hätten die Stadionbesucher auch schon in Anwesenheit des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras während der griechischen Nationalhymne gepfiffen. Irgendwann sei es dem türkischen Kapitän dann aber doch zu bunt geworden. Arda Turhan vom FC Barcelona habe die Zuschauer mit einer entschiedenen Geste zum Schweigen aufgefordert. Danach sei es etwas stiller geworden.

Dem Blatt zufolge haben sich türkische Fußballfans übrigens nicht zum ersten Mal derart daneben genommen. Die Redaktion schreibt:

„Schon bei einem anderen Länderspiel war es zu einem ähnlichen Eklat gekommen. Bei einem Spiel gegen Island im Oktober sollte den Opfern des Terroranschlags von Ankara gedacht werden, die vor allem Kurden waren. Stattdessen buhten viel Fans und riefen ‚Allahu akbar‘.“

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