Nach Terror von Paris: US-Satanisten wollen Muslime vor Übergriffen schützen

Muslime in den USA erfahren derzeit Solidarität von unerwarteter Seite: Die Religionsgemeinschaft der US-Satanisten bietet ihnen an, sie auf der Straße zu begleiten, um sie vor anti-muslimischen Übergriffen zu schützen. Seit den Anschlägen in Paris am 13. November hat sich die anti-muslimische Stimmung in den USA deutlich verschärft.

Den Initiatoren ginge es dabei um echtes Mitgefühl für ihre Mitmenschen und nicht darum, selbst bekannter zu werden. (Foto: Flickr/ I'm surrounded by Beth Rankin CC BY 2.0)

Den Initiatoren ginge es dabei um echtes Mitgefühl für ihre Mitmenschen und nicht darum, selbst bekannter zu werden. (Foto: Flickr/ I’m surrounded by Beth Rankin CC BY 2.0)

Der Satanische Tempel San Jose hat angesichts der anti-muslimischen Stimmung wegen der Anschläge in Paris in einer Facebook-Mitteilung Partei für die US-Muslime ergriffen, berichtet die Washington Times. In der Mitteilung bieten sie Muslimen, die aus Angst vor Übergriffen ihre Häuser nicht verlassen können, Schutz an. Sie seien bereit, Muslime auf der Straße zu begleiten und sie bei Wunsch auch mit Lebensmitteln zu beliefern. Nur kurz später zog der Tempel von Minneapolis nach. Den Initiatoren ginge es dabei um echtes Mitgefühl für ihre Mitmenschen und nicht darum, selbst bekannter zu werden.

Der US-Muslim Abu-Saleh Nafees zeigt sich erfreut über das Angebot und schreibt in einer Facebook-Mitteilung: „Ich wohne nicht in Minneapolis. Doch als US-Muslim bin sehr froh darüber, dass ihr euch gegen die Ausgrenzung von Randgruppen einsetzt. Wir danken ihnen dafür, dass sie Brücken zwischen den Gemeinden bauen wollen.“

Der Gründer des Tempels, John Wreisner, sagte zuvor in einem Interview mit City Pages, dass ein grundsätzlich falscher Eindruck über seine Religionsgemeinschaft vorherrsche. „Wenn die Leute Satanismus hören, kommen den Leuten sofort diese alten und müden Hollywood-Streifen, (…) in denen Katzen getötet werden, in den Sinn“, so Wreisner.

Die ungewöhnliche Unterstützung steht damit konträr zur Grundstimmung in den USA. Das Public Religion Research Institute brachte kürzlich seinen aktuellen Religious Landscape Survey heraus. Dieser stellt fest, dass die Wahrnehmungen des Islam in den USA sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert habe.

Wie sich die Stimmung zuletzt verschärft hat, zeigt auch der unerhörte Vorschlag von US-Geschäftsmann Donald Trump. Dieser hat sich kürzlich für eine landesweite Registrierung der Muslime in den USA ausgesprochen. Seiner Ansicht nach sei das lediglich eine Frage guten Managements. Muslime könnten ihm zufolge an verschiedenen Orten erfasst werden, „nicht nur in Moscheen“(mehr hier).

Trump hatte am Donnerstag bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Iowa auf die Frage, ob er eine Registrierung von Muslimen unterstütze, geantwortet: „Ich würde das sicherlich umsetzen. Absolut.“ Muslime könnten an verschiedenen Orten erfasst werden, „nicht nur in Moscheen“. Das wäre „einfach nur gutes Management“, sagte der Geschäftsmann. Das berichtet die AFP.

Nach den islamistischen Anschlägen von Paris verschärften einflussreiche Republikaner ihren Ton gegenüber Muslimen und Flüchtlingen aus Syrien deutlich. Der Präsidentschaftsanwärter Ben Carson etwa verglich Flüchtlinge mit tollwütigen Hunden. „Wir müssen Sicherheit und eine humanitäre Einstellung gegeneinander abwägen“, sagte Carson am Donnerstag. „Wenn ein tollwütiger Hund durch deine Nachbarschaft streift, wirst du vermutlich nichts Gutes über diesen Hund denken. Und du wirst wahrscheinlich deine Kinder auf Distanz halten.“ Trump und Carson führen in Umfragen das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber an.

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