Vermutlich Anschlag auf Demirtas: HDP-Parteichef bleibt unverletzt

Der Chef der türkischen Oppositionspartei HDP ist am Sonntag vermutlich Opfer eines Attentats geworden. In Diyarbakir soll das Auto von Selahattin Demirtas beschossen worden sein. Der Politiker überlebte unverletzt.

Der Chef der prokurdischen HDP, Selahattin Demirtas, hat nach Parteiangaben einen Anschlag im südosttürkischen Diyarbakir unverletzt überstanden. Bei der Fahrt durch die Stadt sei die Heckscheibe seines gepanzerten Autos einmal getroffen worden, erklärte ein Parteisprecher am Sonntag. Demirtas sagte der Nachrichtenagentur Firat, sein Fahrzeug sei von der Polizei sichergestellt worden. Das berichtet Reuters.

Auf Twitter äußerte sich der Politiker später wie folgt: Gott allein entscheide, wann er sterbe.

Das Gouverneursbüro der Region wies die Darstellung aber zurück, Demirtas‘ Wagen sei beschossen worden, so die Nachrichtenagentur AFP. Die prokurdische Nachrichtenagentur Firat berichtete, weder Demirtas noch seine Leibwächter hätten einen Schuss gehört. Sie hätten aber nach der Ankunft den Abdruck einer Kugel gesehen. Ein Projektil wurde nicht gefunden.

Das Gouverneursbüro teilte mit, die Limousine sei offiziell untersucht worden, dabei sei ein drei Zentimeter breiter Abdruck auf der linken Seite der Heckscheibe festgestellt worden. Dieser stamme aber nicht von einer Schusswaffe, sondern von einem „sehr harten Objekt“.

Die Heckscheibe seines gepanzerten Fahrzeugs sei am Sonntagabend auf Kopfhöhe getroffen worden, sagte ein HDP-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Die Leibwächter von Demirtas hätten den mutmaßlichen Einschuss später entdeckt. Die HDP gehe von einem Anschlag aus.

Demirtas ist einer der charismatischsten Politiker der Türkei und wird auch von Nicht-Kurden unterstützt. Er ist einer der wichtigsten Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Demirtas hatte für seine Demokratische Partei der Völker (HDP) im Juni einen erfolgreichen Wahlkampf geführt, so dass sie die Zehn-Prozent-Marke überwand und ins Parlament einzog. Die regierende AK-Partei verlor deswegen die absolute Mehrheit. Nach einer Neuwahl in diesem Monat kann sie zwar wieder allein regieren. Die HDP schaffte aber erneut den Sprung ins Parlament.

Sie macht sich für die Rechte der Kurden stark. Das Thema ist aktuell, weil in diesem Jahr ein Waffenstillstand zwischen der Regierung in Ankara und der Kurdischen Arbeiterpartei PKK scheiterte. Bei Kämpfen zwischen beiden Seiten sind seit 1984 etwa 40.000 Menschen ums Leben gekommen.

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