Schuldirektor warnt: „Der Islam ist ein echter Jugendkult“

Ein Wiener Schuldirektor blickt mit Sorge auf das Verhalten einiger seiner Schüler. Der Pädagoge beobachtet muslimisches Mobbing, Burka in der Klasse und Selfies mit IS-Symbolen. Einige Jugendliche hätten ein "konservatives, fast rassistisches Islamverständnis".

Anwerber auf dem Schulhof sind leicht in den Griff zu kriegen. Die Gedanken der Kinder weniger. (Foto: Flickr/ Eingangsbereich by Kimba Reimer CC BY 2.0)

Anwerber auf dem Schulhof sind leicht in den Griff zu kriegen. Die Gedanken der Kinder weniger. (Foto: Flickr/ Eingangsbereich by Kimba Reimer CC BY 2.0)

Christian Klar, Direktor an der Franz-Jonas-Schule in Floridsdorf, ist derzeit nicht nur mit dem Erreichen der Lernziele seiner Schüler beschäftigt. in jüngster Zeit kokettieren manche der jungen Leute mit extremem Gedankengut. Der Pädagoge hat sich Hilfe geholt. Von der Politik kommt jedoch nicht viel.

Klar hat seine Situation gegenüber dem Standard geschildert. So würden etwa mutmaßliche Anwerber aus radikalislamischen Kreisen, die sich mit weißen Häkelmützen langen Kleidern dem Schulhof näherten, umringt wie Popstars. Während er diese vertreiben konnte, gelinge ihm das mit dem Gedankengut der Kinder und Jugendlichen nicht. Seit einigen Jahren mache sich in der neuen Mittelschule „ein konservatives, fast rassistisches Islamverständnis“ breit, erzählt er dem Blatt. „Durchgesetzt wird es zum Teil mit massivem Druck bis hin zu Mobbing“, sagt Klar.

So sei eine Schülerin aufgrund einer Aussage in einem Referat zu den Anschlägen auf Charlie Hebdo danach massiv bedrängt worden. Der Vorwurf der Mitschüler: Sie habe den Islam beleidigt. Klar beobachtet aber auch einen immer wieder schlagartigen Wechsel „vom Minirock zum Kopftuch, eine Schülerin sei eines Tages sogar mit einer Burka aufgetaucht“, heißt es weiter.

Mittlerweile ist für den Schuldirektor klar: „Das Elternhaus ist nicht die treibende Kraft. (…) Der Islam ist ein echter Jugendkult geworden, da eifert einer dem anderen nach.“ Dass es sich dabei allerdings nur um oberflächliches Posen handelt, mag er nicht für alle unterschreiben. Hierzu schreibt das Blatt:

„Von rund 300 Schülern stammen 30 bis 40 aus Tschetschenien – eine Gruppe, die nach der Erfahrung des Direktors zwei Extreme berge. Während der eine Teil äußerst ‚bildungshungrig‘ sei, tendiere der andere nicht nur dazu, Probleme mit der Faust zu lösen. Tschetschenische Kids seien es auch, die islamistisches Gehabe am offensivsten in die Klassen trügen.“

Mit den Kindern der Franz-Jonas-Schule habe das Deradikalisierungsnetzwerk bereits einen Workshop abgehalten. Direktor Klar beteilige sich überdies am Dialog der Glaubensgemeinschaften im Bezirk. „Ich will auch nicht dramatisieren“, sagt er, „wir sind noch lange keine Hochburg des Islamismus und kriegen das in der Schule schon hin.“ Von der Schulbehörde fühle sich Klar dabei gut unterstützt, von der Politik weniger. Religiöser Extremismus müsse ebenso entschlossen bekämpft werden wie Rechtsradikalismus, so eine Forderung. Überdies wünsche er sich mehr Durchgriffsrechte. Die Burka sei nach einem forsch ausgesprochenen Verbot eingemottet worden, doch eigentlich habe das Kopftuch in den Klassen genauso wenig verloren, fasst der Standard sein Ansinnen zusammen. „Ich will die Religion aus der Schule draußen halten“, sagt Klar. „Und ich habe kein Problem, wenn das auch den katholischen Religionsunterricht trifft.“

Viele Lehrer sind verunsichert, wenn Schüler plötzlich Sympathien für radikal-islamische Ideen zeigen. Wann droht ein Jugendlicher in Salafistenkreise abzugleiten? Wie können Pädagogen das verhindern? Antworten darauf zu finden, ist nicht einfach: Wer Salafist ist und wer nicht, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. «Ich warne davor, anhand von Kleidung vorschnelle Schlüsse zu ziehen», sagt der Islamwissenschaftler Hazim Fouad, der für den Bremer Verfassungsschutz arbeitet.

Viele junge Salafisten ziehen statt traditioneller Kleidung Militärhosen an und setzen Baseballkappen auf. Auch beim Anwerben neuer Anhänger gehen Islamisten subtil vor. Dass sie auf dem Schulhof Koranausgaben oder Broschüren verteilen, kommt nur vereinzelt vor (mehr hier).

«Es gibt kaum klassische Rekrutierung», erklärt der Bremer Religionspädagoge André Taubert. Er hilft beim bundesweiten Beratungsnetzwerk «Kitab» Eltern, deren Kinder sich Islamisten angeschlossen haben. Die Rekrutierung verlaufe oft unterschwellig, über Gespräche mit Freunden oder Mitschülern.

Welche Schüler gefährdet sind, lässt sich schwer vorhersagen, so die dpa. «Die betroffenen Jugendlichen kommen aus allen Gesellschafts- und Bildungsschichten», sagt Taubert. Viele von ihnen wollen die Welt verbessern, suchen nach Anerkennung, Macht oder Zugehörigkeit. All das finden sie bei den Salafisten, die einen rückwärtsgewandten Islam vertreten und teils gewaltbereit und demokratiefeindlich sind.

«Ich sehe eine Radikalisierung im gesamten Wohngebiet», sagt Friedrich Marotzke, Leiter einer Grundschule in einem Problem-Stadtteil im Bremer Norden. Hinter den Kulissen gebe es Spannungen zwischen Kurden und Muslimen, die die Kinder verinnerlichten. «Es kommen teilweise sehr unbedachte Äußerungen von Schülern, die sie Zuhause aufschnappen.» Marotzke will lernen, wie er mit solchen Situationen umgehen soll – und wie er demokratische Werte im Schulalltag besser vermitteln kann.

Ähnlich geht es einer Lehrerin von einem Schulzentrum in der Neustadt, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte. Zwei ihrer Schülerinnen in der Oberstufe haben Verwandte, die als Dschihadisten nach Syrien gegangen sind. Auch von Rekrutierungsversuchen haben ihr Schüler berichtet.

«Wie kann man auf die Gefahren des Islamismus aufmerksam machen, ohne selbst zum Feindbild zu werden?», fragt sie sich. Dass das eine Gratwanderung ist, bestätigt auch Taubert. Ein Hauptargument vieler islamistischer Prediger sei, dass Muslime in der westlichen Gesellschaft diskriminiert werden.

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