Mölln-Anschlag: Christen veranstalten Gottesdienst für muslimische Opfer

Der Brandanschlag von Mölln jährt sich an diesem 23. November zum 23. Mal. Drei Menschen kamen damals ums Leben, neun wurden schwer verletzt. Mit einem interreligiösen Gottesdienst wurde am Montag der Opfer gedacht.

Gedenken an die Opfer von Mölln. (Foto: Flickr/ Candles by L.C. Nøttaasen CC BY 2.0)

Gedenken an die Opfer von Mölln. (Foto: Flickr/ Candles by L.C. Nøttaasen CC BY 2.0)

In der Nacht zum 23. November 1992 zündeten Neonazis in der Möllner Innenstadt zwei Häuser an. Die dort lebenden türkisch-stämmigen Familien verloren dabei drei Familienmitglieder. 25 Jahre später gedenken Christen und Muslime gemeinsam den Toten und neun teils schwer Verletzten in der St. Nicolai-Kirche. Anschließend wurde ein Kranz niedergelegt.

Wie die Stadt Mölln bekannt gab, verlief das Gedenken wie folgt:

16 Uhr: Gottesdienst (inter-religiös) in der St. Nicolai Kirche, Am Markt anschließender gemeinsamer Gang zur Mühlenstraße

17 Uhr: Kranzniederlegung und kurzes Gedenken am Brandhaus, Mühlenstraße 9, anschließend gemeinsamer Gang zum Gedenkstein gegenüber dem ehemaligen Brandhaus in der Ratzeburger Straße mit kurzem Gedenken

18 Uhr Ausklang – Ansprachen und Austausch in der St. Nicolai Kirche, Am Markt
Redner:
Meral Akbilek Koray, Vizekonsulin der Republik Türkei, und Bürgermeister Jan Wiegels

Wie bereits in den Jahren zuvor gab es außerdem eine weitere Veranstaltung unter dem Motto „Reclaim and Remember“. Der „Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992“ (Mitgliedern und Freunde der Familie Arslan sowie Einzelpersonen verschiedener anti-faschistischer und anti-rassistischer Gruppen) lud von 15 bis 19 Uhr zu einem offenen Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yilmaz vor dem Bahide-Arslan-Haus, Mühlenstraße 9.

In der Nacht auf den 23. November 1992 ist in Mölln auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser ein Brandanschlag verübt worden. 23 Jahre sind die Ereignisse in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt nun her. Neun Menschen wurden damals verletzt, die beiden Mädchen Yeliz Arslan (10) , Ayse Yilmaz (14) sowie ihre Großmutter Bahide Arslan starben. Die Brandstifter von damals, die beiden Neonazis Michael Peters und Lars Christiansen, sind heute wieder auf freiem Fuß. Die Geschehnisse von damals sind unvergessen – und das Morden auf Grund rassistischer Motive ging weiter.

„Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit dürfen in Deutschland keinen Platz haben“, mahnt Aydan Özoğuz, stellvertretende Vorsitzende der SPD, anlässlich des 20. Jahrestag. Nach Rostock/Hoyerswerda, Solingen und Mölln reihten sich nun die Morde und Anschläge der NSU in die schrecklichen Geschehnisse ein. Was sich daneben im Dunkelfeld bewege, wüsste man heute noch nicht. Aber was man wüsste, wäre, dass es mit einer „nicht hinzunehmenden Regelmäßigkeit“ Brandanschläge etwa auf Moscheen und Projekte gegen Rechtsextremismus, tägliche Diskriminierungen und Ausgrenzungen gebe. Mit einem Gedenktag allein, so die Politikerin ist es hier nicht getan. Sie sollten „nicht nur dazu dienen, freundlich begangen, aber letztendlich abgehakt zu werden“. Sie müssten Mahnung sein und zur Wachsamkeit beitragen. Jede Art von gesellschaftlicher Ausgrenzung müsse solidarisch bekämpft werden (mehr hier).

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