Erdoğan: Russland soll sich wegen Luftraum-Verletzung entschuldigen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan lässt sich nicht von Putins Drohungen beeindrucken. Die Türkei werde sich keinesfalls für den Jet-Abschuss entschuldigen. Das müssten diejenigen tun, die auch den türkischen Luftraum verletzt hätten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. (Screenshot YouTube)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. (Screenshot YouTube)

Zwei Tage nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets über Syrien geht das verbale Säbelrasseln zwischen der Türkei und Russland weiter. Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin bereits am Dienstag Folgen für die Türkei ankündigte,  zeigt sich Präsident Erdoğan jedoch völlig unbeeindruckt. Er untermauert am Donnerstag noch einmal die Position der Türkei. Sein Land sei nicht dasjenige, das nun eine Entschuldigung abzuliefern hätte.

„Ich denke, wenn es eine Seite gibt, die sich entschuldigen muss, dann ist es nicht unsere“, so Erdoğan in einem Interview mit CNN. „Diejenigen, die unseren Luftraum verletzt haben, sind diejenigen, die sich entschuldigen müssen.“ Sowohl die türkischen Piloten als auch die Streitkräfte hätten hier schlicht ihren Job gemacht und auf einen Regelverstoß reagiert. „Ich denke, darum geht es“, so Erdoğan weiter.

Seit dem Vorfall am Dienstag sind die türkisch-russischen Beziehungen extrem angespannt. Russland stufte das Vorgehen der Türkei als feindselige Handlung ein und ließ schnell durchblicken, dass man den Abschuss eines Kampfjets durch die Türkei nicht ungestraft lassen werde (mehr hier).

Erdoğan wiederum bot Putin die Stirn und stellte klar: Die Türkei habe das Recht, ihre Grenzen zu verteidigen (mehr hier). Er besteht auf dem Recht der Türkei, ihre Grenzen zu schützen. Die Nato stützte die türkische Darstellung, dass die russische Maschine türkischen Luftraum verletzt habe. Auch US-Präsident Obama sagte, die Türkei müsse ihre Grenzen schützen dürfen. Allerdings haben US-Untersuchungen ergeben, dass die türkische Luftwaffe den russischen Jet über Syrien abgeschossen hat.

Die russische Su-24 sei binnen fünf Minuten zehn Mal gewarnt worden, dass sie Kurs auf die türkische Grenze nehme, sagte Erdoğan in Ankara. Die Maschine habe ihren Kurs aber nicht geändert und sei dann von F-16-Abfangjägern abgeschossen worden. „Niemand soll daran zweifeln, dass wir alles unternommen haben, um diesen jüngsten Vorfall zu vermeiden“, sagte der türkische Präsident.

Mittlerweile spielt Russland offenbar die ökonomische Karte. Russland hat am Donnerstag verschärfte Kontrollen für türkische Lebensmittel angeordnet. Künftig sollen diese bei der Einfuhr stärker überprüft werden (mehr hier). In Zukunft werden wohl auch größere Touristenströme aus Russland ausbleiben. Grund ist die Entscheidung von Pegas Touristik, Natalie Tours, Biblio Globus und Tez Tour die Türkei aus ihrem Programm zu nehmen (mehr hier).

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, Russland bleibe zwar offen für Kontakte mit der Türkei. Ein Treffen Putins mit seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan am Rande der UN-Klimakonferenz in Paris sei aber nicht geplant. Ein für den 15. Dezember geplanter Besuch von Erdoğan in St. Petersburg sei zumindest fraglich, sagte Peskow.

Die US-Botschaft in Moskau kritisierte unterdessen die von Putin verfügte Stationierung des modernen Flugabwehrsystems S-400 in Syrien, so die dpa. Dies erschwere eher den Anti-Terror-Kampf, da der IS keine Flugzeuge besitze, sagte ein namentlich nicht genannter Diplomat. Moskauer Medien zufolge befinden sich die Raketen bereits auf einem russischen Stützpunkt unweit der Grenze zur Türkei.

 

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