Galatasarays Weg aus den Schulden

Durch das Financial Fairplay haben im Laufe der Jahre schon sehr viele Vereine Probleme mit der UEFA bekommen. Teilweise haben Klubs Geldstrafen bekommen, teilweise Transfersperren. Manche Vereine wurden sogar aus den Organisationen der UEFA für bestimme Zeiten ausgeschlossen. Galatasaray steht hierbei schon lange im Fokus. Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen in einer Höhe, welche die UEFA auf Dauer nicht mehr tolerieren wird.

Wie konnte es soweit kommen? Für die Ursachen müsste man mindestens in die Ünal Aysal-Ära zurückblicken.

Als Özhan Canaydin 2008 sein Amt des Präsidenten an Adnan Polat übergab, hatte Galatasaray Schulden in Höhe von 50 Millionen Türkische Lira (ca. 17 Mio EUR). Heute sind es 959 Millionen Türkische Lira (ca. 330 Mio EUR). Das ist ein enormer Anstieg für den sich letztendlich keiner mehr verantworten möchte. Als Aysal 2011 das vielleicht schlechteste Galatasaray der letzten zwanzig  Jahre übernahm, hatte er ganz klare Vorstellungen. Er wollte hoch hinaus, gab als Zielvorrichtung den Triumph in der Champions League aus. Die Meisterschaft im ersten Jahr und die darauffolgende Teilnahme an der Champions League machten Aysal noch zielstrebiger, ein Team zu Formen, welches zu den zehn besten Teams in Europa zählen sollte.

Kapitalerhöhung bringt Liquidität

Grund genug, um die erste Kapitalerhöhung bei der Börsenaufsicht zu beantragen. 2011 wurden Vereinsanteile an der Börse für 50 Millionen TL verkauft. Dies bedeutete, dass der Verein nur noch 68 Prozent der Anteile besaß. Als Galatasaray die Kapitalerhöhung vollzogen hatte, wurden als Sicherung und Garantien vereinsinterne Einnahmen bis 2030 mit angezeigt. Infolge dessen hatte Galatasaray insgesamt 75-80 Millionen TL an Eigenmitteln zu Verfügung bekommen. Dazu kamen noch Einnahmen aus der Champions League (25 Millionen EUR).

Also fing Aysal an, im großen Stil einzukaufen. Ambrabat und Burak Yilmaz waren die ersten Neuzugänge, welche zusammen 14 Millionen EUR kosteten. Wesley Sneijder und anschließend Didier Drogba waren im wahrsten Sinne des Wortes das Sahnehäubchen auf der Torte. Die Erfolge im sportlichen Bereich waren beeindruckend. Das Team erreichte zwei Mal hintereinander die Endrunde in der Champions League.

Aysal verzockt sich gewaltig

Jedoch hatte das Börsenspiel von Aysal viele Probleme mit sich gebracht. Viele Anleger verklagten den Verein, dass Sie durch die Kapitalerhöhung den Wert ihrer Aktie verloren hätten. Es folgten Klagen über Klagen. Die Börsenaufsicht (SPK) hatte ebenfalls ein Auge auf den Verein geworfen. Eine weitere Kapitalerhöhung im Jahre 2013 wurde von der Börsenaufsicht dann abgelehnt. Man hatte nicht mehr genügend Eigenmittel zu Verfügung, da man schon viele Anteile des Vereins verkauft und Einnahmen bis 2030 schon als Hypothek angegeben hatte. Ünal Aysal hatte sich verzockt, hat quasi Meisterschaften finanziert. Anstatt vorhandene Schulden zu tilgen, hat er diese in eine für türkische Verhältnisse unglaubliche Höhe katapultiert. Der Verein hat heute keine nennenswerten Einnahmequellen mehr. Das Stadion ist nur zur Hälfte besetzt, Trikotverkäufe schlagen nicht ein. Hinzu kommt das sämtliche Schulden in EUR sind, das bedeutet immer, dass der Umrechnungskurs der Währung den Wert der Schulden verdreifacht.

Galatasaray in der Schuldenfalle – was ist jetzt zu tun?

Im Grunde genommen macht der jetzige Präsident Dursun Özbek nicht viel falsch. Er weiß um die finanzielle Situation des Vereins und hat zu mindestens für diese Saison zur Sparpolitik ausgerufen. Dass sich Fans darüber aufregen ist verständlich, denn ein Ünal Aysal ist nicht wegen des Hinterlassens eines Schuldenberges in Erinnerung, sondern eher wegen seinen grandiosen Erfolgen als Präsident (zwei Meisterschaften, zwei Super-Cup-Siege, einmal Achtel- sowie Viertelfinale in der Champions League, ein Türkischen Pokal).

Lösungsansätze

1 – Der Verein hat sehr wertvolle Grundstücke in seinem Besitz (Riva, Galatasaray Adasi, Mecidiyeköy, Metin Oktay Tesisleri). Vereinsinterne Machtkämpfe jedoch verhindern es immer wieder, Kapital daraus zu schlagen. Da müsste es zu einer Einigung der Mitglieder kommen.

2 – Bei fast allen Transfers in den letzten fünf Jahren ist es immer wieder zu überteuerten Provisionen für „Unbekannte“ (Berater, Vermitter, etc.) gekommen. Vor allem bei den Wintertransfers der Saison 2013/2014 haben diese große Dimensionen erreicht. Es dürfen keine drei Personen mehr an Transfers beteiligt werden.

3 – Es muss auf Dauer mehr in die Jugendarbeit des Vereins investiert werden. Für einen Spieler aus den eigenen Reihen ist keine Ablösesumme nötig. Im Falle von Arda Turan bringt ein Eigengewächs sogar 14 Millionen Euro ein. Das muss sich häufen, damit der Verein eigenständiger handeln kann.

4 – Reiche Galatasaray-Mitglieder müssen endlich zum Geldbeutel greifen. Geschäftsmänner wie Ferit Sahenk, Ali Koc, Murat Ülker oder Aziz Yildirim halten Rivale Fenerbahce mit ihren finanziellen Beiträgen am Leben. Für das Ziel, ein Weltverein zu werden, ist dies von Nöten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.