Türkischer Minister bittet russische Urlauber: Tourismus hat nichts mit Politik zu tun

Der türkische Kultur- und Tourismusminister hat die russischen Bürger aufgefordert, sein Land trotz der Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu besuchen. Seiner Ansicht nach habe der politische Konflikt nichts mit seiner Branche zu tun. In der Türkei werden die Folgen der jüngst verhängten Sanktionen gefürchtet.

Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mahir Unal. (Screenshot YouTube)

Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mahir Unal. (Screenshot YouTube)

Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mahir Unal, hat am Wochenende eindringlich an die russische Bevölkerung appelliert. Im südtürkischen Kahramanmaras erklärte er am Sonntag, dass die Bürger Politik und Reisen getrennt betrachten müssten. Die Stimmung in der Türkei gegenüber russischen Urlaubern habe sich nicht geändert.

Als türkischer Kultur- und Tourismusminister sage ich den Bürgern der Russischen Föderation, dass die Türkei ihr Zuhause ist. Sie können Ihren Urlaub sicher in der Türkei verbringen, wie es vorher der Fall war“, zitiert ihn die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Nicht nur der russische Außenminister Sergej Lawrow hat seinen Besuch in Istanbul aufgrund des Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei in der vergangenen Woche abgesagt. In Zukunft werden wohl auch größere Touristenströme aus Russland ausbleiben. Grund ist die Entscheidung von Pegas Touristik, Natalie Tours, Biblio Globus und Tez Tour die Türkei aus ihrem Programm zu nehmen.

Der Boykott könnte ein schwerer Schlag für die türkische Tourismusindustrie zu sein. Das Land ist eine der beliebtesten und wichtigsten touristischen Destinationen für die Russen. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres kamen bereits mehr als eine Million russische Urlauber. In den Jahren zuvor sollen es zwischen drei und vier Millionen gewesen sein.

Die Tourismusindustrie ist für die Türkei ein bedeutender Wirtschaftssektor. Sie macht derzeit einen Anteil von elf Prozent des türkischen BIP aus, also rund 170 Milliarden US-Dollar. Die Unterbrechung der Flüge von Russland könnte die Türkei etwa 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten, das berichtet Russia Today.

Auch im Land will man türkische Bürger offenbar nicht mehr so ohne weiteres haben. Russland hat nach dem Abschuss die Grenzen für türkische Staatsbürger dichtgemacht. Ab 1. Januar 2016 gilt für sie wieder die Visumspflicht.

Russland reagierte schließlich mit weitreichenden Wirtschaftssanktionen auf den Abschuss eines Kampfflugzeugs durch die Türkei. Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Samstag in Moskau einen entsprechenden Erlass, wie der Kreml mitteilte. Mit einem umfassenden Importstopp für türkische Waren (mehr hier), Arbeitsverboten für türkische Firmen und Sanktionen gegen die Tourismusbranche dürfte ein Großteil der russisch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen betroffen sein.

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