Erdoğan zu russischen Sanktionen: „Wen kümmert es, ob ihr das kauft oder nicht?

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan hat sich angesichts der von Moskau auferlegten Sanktionen nach Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs gelassen gezeigt. Die Türkei werde wegen der Beschränkungen auf die von Russland importierten Waren im Wert von rund einer Milliarde Dollar nicht kollabieren, sagte er am Samstag auf einer direkt im Fernsehen übertragenen Rede vor Wirtschaftsvertretern.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. (Foto: Flickr/ señor Recep Tayyip Erdogan by Presidencia de la República Mexicana CC BY 2.0)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. (Foto: Flickr/ señor Recep Tayyip Erdogan by Presidencia de la República Mexicana CC BY 2.0)

„Wen kümmert es, ob ihr das kauft oder nicht?“, sagte Erdoğan an die Adresse Russlands gerichtet. Die Türkei werde andere Abnehmer finden. Bisher habe es keine negativen Auswirkungen gegeben.

Auch gemeinsame Energieprojekte mit Russland seien bislang nicht beeinträchtigt, sagte Erdoğan. Damit wies er die Darstellung des russischen Energieministers Alexander Nowak zurück, wonach Russland kein Interesse mehr an der geplanten TurkStream-Gaspipeline habe. Das Gegenteil sei der Fall, sagte Erdoğan. Weil die Türkei ihre Forderungen nicht erfüllt gesehen habe, habe sie das Projekt abgeblasen.

Russland ist der wichtigste Energieversorger der Türkei und liefert Gas, Kohle und Öl. Zudem soll Russland für 20 Milliarden Dollar das erste türkische Atomkraftwerk bauen. Bisher gibt es laut Erdoğan keine Anzeichen dafür, dass der Streit mit Russland das Projekt gefährden könnte. Die Türkei halte aber schon nach zusätzlichen Gaslieferungen aus Katar und Aserbaidschan Ausschau, falls die russische Versorgung zurückgehen sollte. Zudem wolle die Türkei erneuerbare Energiequellen im Inland erschließen, so Reuters.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im Streit mit der Türkei den Ton zuletzt abermals verschärft und dem Nato-Land mit härteren Sanktionen gedroht. Russland hatte als Reaktion auf den Abschuss bereits die Einfuhr von Gemüse und Obst aus der Türkei gestoppt. Der Zwischenfall im Grenzgebiet zu Syrien hat die Beziehungen beider Länder erheblich belastet. Nach Angaben aus Ankara war der Kampfjet in den türkischen Luftraum eingedrungen und vor dem Abschuss mehrfach gewarnt worden. Russland erklärte dagegen, das Flugzeug sei in Syrien geblieben. Die Regierung in Moskau wirft der Türkei deshalb eine „geplante Provokation“ vor.

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