Blamage für Fremdenfeinde: Dumpfbacken wollen „Moschee am Karlsplatz“ abreißen

Ein Satirebeitrag um eine vermeintliche Moschee am Karlsplatz sorgt für Wirbel im Netz. Der Gag zum Wiener Landtagswahlkampf wurde bereits im Sommer veröffentlicht. Fremdenfeindliche Gruppen entdecken ihn jedoch erst jetzt auf Facebook und die Hasstirade beginnt. Manchmal lohnt es sich eben, genau hinzusehen.

Die Satiremeldung vom 14. Juli 2015. (Screenshot Tagesspresse)

Die Satiremeldung vom 14. Juli 2015. (Screenshot Tagesspresse)

Eine Satiremeldung der „Tagespresse“ wurde von Usern im Netz offenbar für bare Münze genommen. Bereits im Juni titelte das Blatt augenzwinkernd „Strache will Moschee am Wiener Karlsplatz abreißen“. Fünf Monate später erscheint die Meldung in einschlägigen Gruppen auf Facebook wieder. Die User nehmen die Meldung unkritisch auf und hetzen, was das Zeug hält.

Am 14. Juli griff die Tagespresse für ihre Leser einen Running Gag auf und schreibt:

„Jahrelang beanstandete niemand die Moschee am Karlsplatz. Vermutlich fiel das muslimische Gotteshaus nur wenigen Passanten auf. Doch nun fordert FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache dessen Abriss, wie er auf einer Pressekonferenz vor dem Gebäude am Karlsplatz bekannt gab. (…) Mit einer Burka getarnt postierte sich der FP-Chef einen Tag lang vor der Moschee, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er berichtet Erschütterndes (…).“

Der satirische Beitrag sei in „zahlreichen Facebook-Gruppen zu finden, die meistens rassistische oder fremdenfeindliche Beiträge verteilen. Zu nennen sind etwa ‚Unsere Werte, unsere Heimat‘ oder ‚Asylmissbrauch STOP St. Pölten’“, berichtet der Standard über die aktuelle Blamage der Fremdenfeinde. Diese äußern sich unverholen: „’Dieser Bau gehört einfach weg der passt nicht in unsere Gesellschaft und wer baut überhaupt so einen Scheiß in Österreich‘, schreibt ein Nutzer. Ein anderer stellt kritisch die Frage nach ‚Geldern, mit denen diese Moschee gebaut worden ist‘ “, so das Blatt weiter. Andere würden gar die Niederbrennung oder Sprennung des Bauwerks fordern.

Die Standard-Redaktion sieht sich daraufhin veranlasst, ein bisschen Aufklärungsarbeit über das Bauwerk zu betreiben und schreibt:

„Wer nur einen flüchtigen Blick auf den Karlsplatz wirft und nicht ortskundig ist, könnte die Karlskirche wohl tatsächlich mit einer Moschee verwechseln. Das ist kein Zufall: Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach soll sich beim Bau der ab 1716 errichteten Kirche an der Hagia Sophia – einst christliche Kirche, ab 1453 eine Moschee – und der Süleymaniye-Moschee in Istanbul orientiert haben. Doch auch ‚heidnische‘ Einflüsse gab es, etwa die Trajanssäule in Rom. Kurzum: Die Karlskirche zeigt, wie sich auch Architektur für religiöse Bauten von fremden Kulturen beeinflussen ließ.“

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.