Explosion in Istanbul: Attentäter soll IS-Anhänger gewesen sein

Bei einer Explosion auf dem Sultan-Ahmet-Platz in Istanbul sind nach offiziellen Angaben am Dienstag mindestens zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden. Der türkischen Regierung zufolge seien mindestens neun der zehn Opfer deutsche Staatsangehörige. Außerdem sei bereits ein Selbstmordattentäter identifiziert worden. Dieser habe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört.

Am späten Dienstagvormittag kurz nach der Explosion in Istanbul. (Foto: Screenshot)

Am späten Dienstagvormittag kurz nach der Explosion in Istanbul. (Foto: Screenshot)

Bei einer Explosion um 10.20 Uhr (Ortszeit/09.20 MEZ) im beliebten Altstadtviertel Sultanahmet sind nach offiziellen Angaben am Dienstag mindestens zehn Menschen getötet, 15 weitere Personen verletzt worden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Internetseite des Gouverneurs.

Mindestens neun der zehn Todesopfer des Anschlags in Istanbul sind nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen deutsche Staatsangehörige. Auch unter den 15 Verletzten seien viele Deutsche, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Dieser habe diesbezüglich bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert, hieß es im Büro des Regierungschefs. Davutoglu habe Merkel auch zugesichert, dass alle Ergebnisse der laufenden Untersuchungen an die deutschen Behörden weitergeleitet würden. Das berichtet Reuters.

Das Auswärtige Amt habe eine Krisenstab eingerichtet und versuche, so schnell wie möglich, weitere Informationen zu bekommen, teilte die Kanzlerin zuvor mit. Die Behörde empfiehlt deutschen Urlaubern «dringend», alle Menschenansammlungen in der Millionenstadt zu meiden. Die Reisehinweise auf der Homepage des Ministeriums wurden entsprechend aktualisiert.

Der mutmaßliche Attentäter ist nach Angaben von Davutoglu ein Ausländer, der der Extremistenmilz IS angehört. Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus sagt, der Attentäter sei vermutlich erst kürzlich aus Syrien in die Türkei eingereist. Er gehöre nicht zu den Personen, die die Türkei zur Beobachtung ausgeschrieben habe. Nach Angaben der Regierung sei der Selbstmordattentäter anhand von Leichenteilen als ein 1988 geborener Syrer identifiziert worden, so die AFP.

Vorher hatte sich bereits der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan entsprechend geäußert und einen syrischen Selbstmordattentäter als Urheber der Explosion vermutet. Die Türkei sei Ziel Nummer eins aller Terrorgruppen in der Region. Erdogan machte keine spezifische Terrorgruppe für die Tat verantwortlich.

Nach dem Selbstmordanschlag bieten Reiseveranstalter nun kostenfreie Umbuchungen oder Stornierungen an. Pauschalreisende, die bei den Veranstaltern L’Tour oder Tui bis einschließlich 18. Januar einen Flug nach Istanbul gebucht haben, können kostenlos umbuchen, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. L’Tour-Reisende können ihre Reise zudem stornieren.

Ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV) sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, derzeit habe es „oberste Priorität, den Betroffenen vor Ort in Istanbul zu helfen“. Die Reiseveranstalter stünden in ständigem Austausch mit den Behörden in Deutschland und der Türkei. Touristen in Istanbul oder mit dem Ziel Istanbul empfiehlt der DRV, sich an ihren Reiseveranstalter oder das Reisebüro zu wenden und die Hinweise des Auswärtigen Amtes zu befolgen.

Im Januar 2015 waren im Viertel Sultanahmet zwei Polizisten bei einem Anschlag verletzt worden, welcher der linksextremen Gruppe DHKP-C zugeschrieben wurde. Im Oktober wurden bei einem doppelten Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen getötet. Der bislang blutigste Anschlag auf türkischem Boden wurde der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zugeschrieben. Am 23. Dezember wurde auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen bei einem Attentat ein Mensch getötet, zu der Tat bekannte sich die Kurdengruppe TAK

Seit dem Ende eines Waffenstillstands im Juli gehen Regierungstruppen verstärkt gegen Kämpfer der Terrororganisation PKK vor. Die PKK, die auch in der EU und den USA als terroristische Organisation gilt, kämpft seit Jahrzehnten für mehr Autonomie. Zehntausende Menschen kamen dabei ums Leben.

 

 

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