Diplomatische Spannungen wegen Karnevalswagen in Düsseldorf

In Düsseldorf wurde der Karnevalsumzug zwar wegen einer Sturmwarnung abgesagt, ein Mottowagen, der vor dem Rathaus steht, sorgt dennoch für diplomatische Spannungen.

Der 52-jährige Düsseldorfer Illustrator Jaques Tilly, der dafür bekannt ist, politische Karnevalswagen zu kreieren, zeigt den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan, wie er gemeinsam mit dem vermeintlichen Terrorchef der ISIS auf den Kampf gegen das kurdische Volk anstößt. Es ist nicht klar verständlich, ob beide das Blut des kurdischen Volkes trinken oder ein anderes rotes Getränk, womit ihre Mundpartien bereits befleckt sind. Die Düsseldorfer Generalkonsulin der Republik Türkei, Şule Gürel, verlangte bereits nach Berichten der „Rheinischen Post“, dass der Karnevalswagen entfernt wird.

Ethnische Konflikte könnten befeuert werden

Natürlich gehört Humor und Satire zum Karneval dazu. Etwas problematisch ist es jedoch dann, wenn „künstlerische Darstellungen“ dazu dienen könnten, ethnische Konflikte zu befeuern oder gar zu provozieren. In der heutigen Zeit, wo deutsche Innenpolitik zugleich auch türkische Außenpolitik oder türkische Innenpolitik deutsche Außenpolitik sein kann, wo die innere Sicherheit eines Staates zum Teil auch mit der Sicherheit des anderen Landes verbunden ist, sollten „Kunstwerke“ auch immer mit Bedacht ausgesucht werden.

Kurden gehören zur Türkei

Der Karnevalswagen von Jaques Tilly ist, um es mild auszudrücken, an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Es ist für viele Türken nicht zu akzeptieren, dass seit Jahren mit Nachdruck ein falsches Bild erweckt wird und die Türkei angeblich einen Krieg gegen das kurdische Volk führe. Die Mehrheit der Türken blickt mit Zuversicht und Harmonie auf die Kurden. Es gibt seit Jahrhunderten verwandtschaftliche Beziehungen, die sich weder durch Ideologien noch durch Waffen unterbinden lassen werden. Kurden können in der Türkei wie alle anderen ethnischen Minderheiten, jedes Staatsamt bekleiden. Kurdische Fußballspieler, Musiker und Geschäftsleute tragen mit erheblichem Maß zum Erfolg der Türkei bei. Kurden, Turkmenen, Lazen, Tscherkesen, Roma, Armenier, Pontos-Griechen usw. gehören alle unweigerlich zur Türkei. Nur mit ihnen zusammen kann es Frieden in der Region geben.

Innere Sicherheit und Freiheit der Bürger/innen geht vor

Hier wird eher der Eindruck erweckt, dass es vielmehr darum geht, die Eintracht unter Kurden und Türken zu stören. Die türkischen Sicherheitsbehörden befinden sich seit über 30 Jahren mit einer bewaffneten Terrororganisation, der so genannten PKK, im Krieg. Bei der PKK handelt es sich mitnichten um „Kurden“ oder eine „Arbeiterpartei“. Die PKK ist eine multiethnische Terrorgruppe, die vorgibt, für die Rechte einer bestimmten ethnischen Volksgruppe zu kämpfen. Die Mehrheit der Kurden in der Türkei betrachtet die PKK, ebenso wie die Europäische Union, USA und Deutschland, als eine Terrororganisation und verwehrt sich auch dagegen, sich von ihr vertreten zu lassen. Es ist ferner das Recht jedes Staates die eigene Bevölkerung gegen jedwede terroristische Handlung zu schützten und die öffentliche Sicherheit widerherzustellen. Maßnahmen zur inneren Sicherheit und Freiheit der Bevölkerung, die in Paris oder Brüssel keine Diskussionen auslösen, sollten, wenn man aufrichtig ist, auch in Ankara, Istanbul, Diyarbakir, Sur und Cizre keine Schwierigkeit darstellen.

Es gibt keinen „guten“ oder „bösen“ Terror

Die Bewertung von Terrororganisationen nach „gut“ und „böse“, nach „nützlich“ und „wertlos“ ist eine niederträchtige Eigenschaft von bestimmten „Künstlern“, „Journalisten“ und „Experten“, die sich nach einer perfiden Denkweise leiten und instrumentalisieren lassen und möglicherweise gar nicht merken, dass sie dadurch einen Keil zwischen zwei Gruppen treiben.

Narrenfreiheit in der fünften Jahreszeit sollte sich an Tatsachen orientieren

Die Türkei gehört zu den ersten Staaten, die die so genannte ISIS als Terrororganisation eingestuft hat. Den Chef dieser abscheulichen Terrorgruppe, die bereits mehrere Anschläge in der Türkei verübt und zahlreiche türkische Bürger auf dem Gewissen hat, in Freundschaft mit dem Staatspräsidenten der Türkei darzustellen, ist, um es mit den eigenen Worten von Jaques Tilly zu sagen: ein „böses politisches Spiel“. Es entspricht nicht der Wahrheit. Auch wenn Karneval ist: Narrenfreiheit sollte sich schon an Tatsachen orientieren.

Zum Autor: Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

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