Studie: Deutsche Kinder gehen ungern zur Schule, türkische kennen ihre Rechte

Mit fünf Jahren freuen sich die meisten Kinder noch darauf, bald zur Schule gehen zu dürfen. Die Begeisterung daran sinkt dann von Jahr zu Jahr. Doch unterscheidet sie sich stark von Land zu Land.

Es gibt jetzt jetzt erstmals die Gelegenheit, Kinderleben so umfassend aus der Sicht von Kindern selbst zu vergleichen. (Foto: Flickr/second grade writing class by woodleywonderworks CC BY 2.0)

Es gibt jetzt jetzt erstmals die Gelegenheit, Kinderleben so umfassend aus der Sicht von Kindern selbst zu vergleichen. (Foto: Flickr/second grade writing class by woodleywonderworks CC BY 2.0)

Deutsche Kinder sind im weltweiten Vergleich eher schlecht auf die Schule zu sprechen. Das ergab die Studie «The Children’s Worlds» der britischen York Universität und der Schweizer Jacobs Stiftung, für die insgesamt 56 000 Kinder in 16 Ländern verschiedener Kontinente befragt wurden. Kinder aus Deutschland, Südkorea und England gaben demnach am häufigsten an, dass sie nicht gern in die Schule gehen. Am liebsten tun dies Kinder in Algerien und Äthiopien. «Children’s World» ist eine weltweite Studie über das Leben von Kindern und ihr subjektives Wohlbefinden.

Kinder in der Türkei, so das Fazit, machten insgesamt relativ positive Erfahrungen. Drei Aspekte bedürften jedoch der besonderen Betrachtung. Zum einen gäbe es einen starken negativen Einfluss auf ihre Wahrnehmung in unterschiedlichsten Kontexten durch Armut. Relevant sei dies vor allem in der Schule. Kinder aus armen Verhältnissen scheinen demnach mehr negative Erfahrungen mit Lehrern und Mitschülern zu sammeln. Zum anderen würden 12-Jährige insgesamt weniger zufrieden sein als zehnjährige Kinder. Ursächlich dafür könnte jedoch die Art sein, wie in den unterschiedlichen Altersgruppen untereinander agiert werde. Der dritte Aspekt betreffe die geschlechtsspezifischen Unterschiede, wenn auch nicht im gleichen Maße wie Armut oder Alter. Demnach würden  Mädchen zwar insgesamt zufriedener sein. Mit zunehmendem Alter seien sie jedoch unzufriedener mit ihrem Äußeren, fühlten sich auf der anderen Seite aber weniger allein als gleichaltrige Jungs.

Weltweit gilt: Je älter Kinder werden, desto mehr hadern sie mit der Schule. Die meisten Achtjährigen (62 Prozent) gaben an, gerne in die Schule zu gehen. Das sind erheblich mehr als unter den befragten 10-Jährigen (52 Prozent) oder 12-Jährigen (42 Prozent). «Die Beliebtheit der Schule sinkt mit jedem Alter», fassen die Autoren zusammen.

Mobbing und Gewalterfahrungen machen Achtjährige häufiger als ältere Kinder. Sie fühlen sich von Klassenkameraden ausgeschlossen (41 Prozent) oder berichten von Gewalt durch andere Schüler (48 Prozent). Die Rate an Kindern mit Gewalterfahrung ist der Studie zufolge nach Estland und Großbritannien in Deutschland mit am höchsten.

Fast die Hälfte der Kinder (46%) gab übrigens an über die besonderen Rechte von Kindern informiert zu sein. Es waren weniger Kinder als in der befragten Gruppe der 10 bis 12 jährigen (58%). Kinder in Kolumbien waren am ehesten über die Kinderrechte informiert (73%). In der Türkei, Äthiopien, Rumänien und Norwegen gaben immerhin mehr als die Hälfte der achtjährigen Kinder an über ihre Rechte informiert zu sein. Professor Asher Ben-Arieh, Studienleiter und Co-Vorsitzender des ISCI (International Society of Child Indicators), kommentierte „ Es ist das erste Mal, dass wir von fast 20.000 achtjährigen Kindern aus 16 unterschiedlichen Ländern hören was sie tun, fühlen und wollen. Diese bemerkenswerte Leistung lehrt uns vor allem, dass Kinder selbst besser über ihr Leben Bescheid wissen als jeder andere und dass jeder Versuch der Verbesserung immer ihre Stimme miteinbeziehen und berücksichtigen sollte.“

Der Datenbestand der Studie wird ständig erweitert. Für den zweiten Teilreport, der am Dienstag veröffentlicht wurde, kamen 17 000 Achtjährige dazu. Aktuell sind damit 56 000 Kinder in drei Altersgruppen (acht, zehn und zwölf Jahre) erfasst. Diese wurden unter anderem zu Themen wie Freundschaft, Familie und Kinderrechten befragt. Sie leben in den Ländern Algerien, Kolumbien, Estland, Äthiopien, Deutschland, Israel, Malta, Nepal, Norwegen, Polen, Rumänien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Türkei und Großbritannien.

«Wir haben jetzt erstmals die Gelegenheit, Kinderleben so umfassend aus der Sicht von Kindern selbst zu vergleichen», zitiert die Frankfurter Goethe-Universität eine der Studienleiterinnen, die Frankfurter Professorin Sabine Andresen: «Kinder nehmen die Welt um sich herum genau wahr und wir können sehen, wer sich in welchen Bereichen beeinträchtigt fühlt.»

Hier geht es zum Türkei-Report.

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