Zahl der Opfer in kurdischer Stadt Cizre offenbar höher als bisher bekannt

Bei den Gefechten zwischen türkischen Sicherheitskräften und kurdischen Rebellen in der südostanatolischen Stadt Cizre sind nach Einschätzung der zuständigen Anwaltskammer offenbar mehr Menschen ums Leben gekommen als bisher bekannt. Die von mehreren Verbänden in der Region genannte Zahl von 145 Todesopfern sei wahrscheinlich zutreffend.

Zusammenstöße zwischen PKK-Sympathisanten und der türkischen Polizei in der Stadt Cizre. (Screenshot)

Zusammenstöße zwischen PKK-Sympathisanten und der türkischen Polizei in der Stadt Cizre. (Screenshot)

Zu den Todesopfern in Cizre äußerte sich der Chef der Anwaltskammer der Provinz Sirnak, Nusirevan Elci, am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Mindestens 16 Leichen sollen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sein.

In Cizre hatten sich Armee und Polizei wochenlange verbissene Häuserkämpfe mit Mitgliedern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geliefert. Dabei wurden auch schwere Waffen eingesetzt und ganze Straßenzüge zerstört. Die Regierung hatte die Kämpfe vergangene Woche für beendet erklärt. Die legale Kurdenpartei HDP hatte der Regierung vorgeworfen, in Cizre ein Massaker an rund 60 Menschen verübt zu haben, die in einem Keller Schutz vor den Kämpfen gesucht hatten. Ankara wies dies zurück.

In Medienberichten ist inzwischen von drei Kellern die Rede, in denen Leichen gefunden wurden. Die der HDP nahestehende Partei BDP, ein lokaler Juristenverband und eine Vereinigung von kurdischen Opferfamilien hatten am Montag erklärt, es habe insgeamt 145 Todesopfer gegeben. Die Leichen wurden inzwischen zur Obduktion in die gerichtsmedizinischen Institute verschiedener Städte gebracht, was eine genaue Bestimmung der Gesamtzahl schwierig mache, sagte Anwaltskammer-Chef Elci.

Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ meldete, die PKK habe in Cizre die Leichen getöteter Kämpfer verbrannt, um den Behörden eine Identifizierung zu erschweren. Unter den Getöteten seien ranghohe PKK-Mitglieder und auch ausländische Kämpfer der Kurdenrebellen.

In anderen Teilen des türkischen Kurdengebietes halten die Gefechte an. In der ebenfalls zur Provinz Sirnak gehörenden 30.000-Einwohnerstadt Idil wurde am Dienstag eine Ausgangssperre verhängt; dies war laut Medienberichten ein Vorzeichen für den bevorstehenden Beginn einer Militäroperation dort.

Die Gefechte im Kurdengebiet waren eskaliert, nachdem die PKK in einigen Städten einseitig Autonomiegebiete ausgerufen und diese mit Straßengräben und Barrikaden gegen die Sicherheitskräfte verteidigt hatte. Laut Regierungsangaben sind mehrere Dutzend Mitglieder der Sicherheitskräfte und einige hundert PKK-Kämpfer bei den Auseinandersetzungen getötet worden.

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