66. Berlinale: Die Dänen verzaubern mit „Kollektivet“

Der Mittwoch entführt das Berlinale-Publikum gen Dänemark. Regisseur Thomas Vinterberg nimmt mit seinem Sozialdrama "Kollektivet / The Commune" am diesjährigen Wettbewerb teil. Er zeichnet ein privates Experiment in den 1970er Jahren bei dem Gemeinschaft und Individualität, Freiheit und Tradition kollidieren.

Thomas Vinterberg, die Hauptdarstellerin Trine Dyrholm und Ulrich Thomsen. (Foto: Kamuran Egri)

Thomas Vinterberg, die Hauptdarstellerin Trine Dyrholm und Ulrich Thomsen. (Foto: Kamuran Egri)

Filminhalt:
Der Architekturdozent Erik (Ulrich Thomden) erbt das alte, große Haus seines Vaters in Hellerup, nördlich von Kopenhagen. Seine Frau Anna (Trine Dyrholm), eine bekannte TV-Nachrichtensprecherin, schlägt vor, Freunde einzuladen, hier mit ihnen zu wohnen. Auf diese Weise hofft sie der Langeweile zu entgehen, die sich in die Ehe einzuschleichen beginnt. Bald zieht ein Dutzend Frauen, Männer und Kinder in die Villa ein, trifft gemeinsame Entscheidungen, diskutiert, badet zusammen im nahe gelegenen Öresund. Und reibt sich an den kleinen und größeren Eigenheiten des jeweils anderen. Als Erik sich in seine Studentin Emma (Helene Reingaard Neumann) verliebt und die junge Frau ins Haus einzieht, gerät das fragile Gleichgewicht in Gefahr. Die 14-jährige Freja (Martha Sofie Wallstrom Hansen), die Tochter von Erik und Anna, beobachtet das Geschehen distanziert und sucht ihren eigenen Weg. Die Spannung in der WG wächst.

2010 im Wettbewerb war Submarino an der Berlinale zu sehen, nun kehrt Thomas Vinterberg mit Kollektivet nach Berlin zurück. Frei nach eigenen Kindheitserlebnissen beschreibt der Regisseur ein privates Experiment in den Siebzigerjahren, bei dem Gemeinschaft und Individualität, Freiheit und Tradition kollidieren, und dessen Glücksversprechen auch Gefahren birgt.

Gruppenfoto von das Filmteam von "The Commune". (Foto: Kamuran Egri)

Gruppenfoto von das Filmteam von „The Commune“. (Foto: Kamuran Egri)

Filmkritik:
Die 70erJahre lassen grüßen und das schöne gemeinsame Leben in der Wohngemeinschaft. Der Film hat mich so fassziniert, weil ich selber in den 80er Jahren in einer WG gewohnt habe. Diese Mischung der Vielfalt und miteinander Leben und auch mal Verrücktes anstellen. Es war herrlich und komisch zugleich und wurde aber auch bitter ernst, wenn es darum ging um auszudiskutieren. Ein gelungener Film mit tollen dänischen Schauspielern.

Regisseur Thomas Vinterberg kam am Nachmittag zur Pressekonferenz und brachte die Schauspielerin Trine Dyrholm, den Hauptdarsteller Ulrich Thomsen, und weitere Darsteller/in Helene Reingaard Neumann, Fares Fares, Martha Sofie Wallstrom Hansen, Magnus Millan, Anne Gry Henningsen und die Produzentin Sisse Graum Jorgensen mit.

Faris Faris schaut uns an. (Foto: Kamuran Egri)

Faris Faris schaut uns an. (Foto: Kamuran Egri)

Der Regisseur erzählte uns: „Ich wollte keine kaputte Familiengeschichte schreiben, sondern es ging mir um eine Liebeserklärung mit Blick auf meine Kindheit, die ich in einer Kommune zugebracht habe. Es geht auch um Zugehörigkeit, es gab ja eine Zeit in der Menschen geteilt haben, diese Zeit ist vorbei und das vermisse ich. Meiner Meinung nach geht es in diesen Film darin dass die Liebe verschwindet und alles verschwindet und das Leben ist vorbei. Warum ist das so, manchmal verstehe ich das nicht und mache Filme darüber“, so Thomas Vinterberg.

Faris Faris schaut uns an. (Foto: Kamuran Egri)

Faris Faris schaut uns an. (Foto: Kamuran Egri)

Helene Reingaard Neumann schaut uns in die Kamera. (Foto: Kamuran Egri)

Helene Reingaard Neumann schaut uns in die Kamera. (Foto: Kamuran Egri)

Die Schauspielerin Trine Dyrholm über ihre Rolle: „Meine Figur findet das traditionelle Familienleben auch nicht mehr so inspririerend, sie möchte das Leben darüber hinaus und deswegen überzeugt sie ihren Mann einen neuen Familienform zu probieren. Sie hat Ideale. Aber es ist interessant ein Porträt einer Frau zu zeichnen, die stark ist und dennoch auseinander fällt und Opfer ihrer eigene Ideale und Ideen wird. Ich glaube, dass ist ein universiales Thema, es könnte auch jüngeren passieren. Aber das ist natürlich ein Teil des Themas.“

Der Film wurde von der Presse sehr positiv aufgenommen und mit Standing Ovations begrüßt. Auch ein Film mit guten Chancen auf die Bären!

Kamuran Egri

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