Kopenhagen: Europas erste Frauenmoschee eröffnet

Seit Anfang Februar gibt es mitten in Kopenhagen die erste Frauenmoschee Europas. Eröffnet wurde sie von muslimische Frauenrechtlerinnen. Ihr Grundgedanke: Männer und Frauen sind laut Koran gleichberechtigt.

Gegründet wurde die erste Frauenmoschee von der 41-jährigen Sherin Khankan. Die Imamin leitet die Organisation Kritische Muslime. Ihre Wurzeln hat Khankan im Christentum und im Islam. Der Vater ist gläubiger Moslem aus Syrien, die Mutter eine Christin aus Finnland.

Gegenüber der Zeitung Die Presse erläutert Khankan, was sie zur Gründung dieser besonderen Moschee bewogen hat. Sie sagt:

„Ich hab‘ mich nie in den existierenden Moscheen zu Hause gefühlt. Ich bin dort jemand, der nicht richtig willkommen ist, jemand Fremder. Die großen Moscheen sind zwar sehr schön, aber wir Frauen stehen auf einem Balkon und schauen dem Geschehen unten nur zu. Viele Frauen und junge Gläubige gehen oft gar nicht erst in die Moschee, weil man dort einen von Männern dominierten patriarchalischen Raum betritt. Deshalb die Frauenmoschee.“

Khankan und ihre Mitstreiterinnen vertreten vehement die These, dass Männer und Frauen sind laut Koran gleichberechtigt seien. Von einer Unterordnung der Frauen, wie sie etwa in Saudi Arabien praktiziert wird, wollen sie nichts wissen. „Die untergeordnete Frau ist eine spätere Konstruktion, die nichts mit dem Koran zu tun hat. Gleichberechtigung ist ein essenzieller Teil des Islam. Es ist deshalb auch nichts, was wir vom Westen in unsere Religion importieren“, so die Religionswissenschaftlerin und Feministin. Laut Koran habe bereits Aisha, eine der Frauen des Propheten Mohammed, Gebete angeleitet. Auch weibliche Imame seien in der islamischen Tradition nicht kontrovers.

Khankan plädiert für eine Veränderung des Islam von innen heraus zu verändern. Gerade auch in westlichen Ländern gebe es unzählige gläubige junge Leute, die alte Auslegungen dieser Religion befremdlich fänden. „Sie leben zwischen zwei Kulturen, zwei Religionen. Dann kommt etwa ein Imam aus dem Nahen Osten, aus einer anderen Generation, einer anderen Kultur, und was er ihnen in der Moschee sagt, kommt nicht bei den jungen Muslimen in Dänemark an, weil sie hier anders leben. Wir brauchen also eine Modernisierung. Aber eigentlich ist es gar keine Modernisierung: Es ist eher eine Rückkehr zu den ursprünglichen Lehren im Koran.“

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