Vergessene Flüchtlingsschicksale beim deutsch-türkischen Filmfest

Das 21. Nürnberger Filmfestival Türkei Deutschland widmet sich von kommendem Freitag an (4. März) der Flüchtlingskrise in den beiden Ländern.

Der Eröffnungsfilm «Haymatloz» der deutschen Regisseurin Eren Önsöz beleuchtet dazu ein nahezu unbekanntes Kapitel deutsch-türkischer Flüchtlingsgeschichte: Ab 1933 wurden jüdische Universitätsprofessoren durch die Nazis von ihren Lehrstühlen entfernt. Über tausend von ihnen flohen in die Türkei, wo sie unter dem Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk das Universitätssystem mit aufbauten. Önsöz hat in ihrem Dokumentarfilm fünf Nachfahren dieser Flüchtlinge begleitet.

In einer kulturpolitische Diskussion mit dem Titel «Quo vadis Europa?» soll der Frage nach der europäischen Identität im Zeichen der Flüchtlingskrise nachgegangen werden. An dem Podiumsgespräch am 7. März nehmen unter anderem der Freiburger Islamwissenschaftler Ludwig Ammann und der türkische Regisseur Ezel Akay teil.

Den diesjährigen Ehrenpreisträger Kadir Inanir bezeichnete Festivaldirektor Adil Kaya als einen der populärsten Darsteller des türkischen Kinos. «Er setzt sich außerdem mutig für Frieden zwischen den Kurden und dem türkischen Staat ein», betonte Kaya.

Unter den diesmal insgesamt 42 Filmen sind zahlreiche nationale Premieren. Mehr als 70 Künstler werden während des zehntägigen Festivals vor Ort in den verschiedenen Nürnberger Filmhäusern und Kinos anwesend sein.

Das Filmfest wurde 1992 von einem Freundeskreis aus Cineasten gegründet und zeigte anfangs türkische Filme vor einem hauptsächlich türkischsprachigen Publikum. Heute kommen die untertitelten Beiträge aus beiden Ländern, die Hälfte der knapp 10 000 Zuschauer sind gebürtige Deutsche.

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