Abdullah Öcalan: Neapel erklärt PKK-Chef zum Ehrenbürger

Der inhaftierte Chef der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, wurde von der süditalienischen Millionenstadt Neapel zum Ehrenbürger ernannt. Offenbar betrachtet die Stadt Öcalan als Widerstandskämpfer und sieht Parallelen zur eigenen Geschichte.

Der Stadtrat von Neapel sprach dem PKK-Chef Abdullah Öcalan die Ehrenbürgerschaft bereits Ende Januar dieses Jahres zu. In der Begründung heißt es, man teile „das Verlangen nach Demokratie mit dem kurdischen Volk“. Öcalan befindet sich seit über 17 Jahren in Einzelhaft in einem türkischen Gefängnis.

Der Rat der Stadt habe die Ehrenbürgerschaft auf Vorschlag von Bürgermeister Luigi de Magistris von der liberalen Mitte-Links-Partei Italia dei Valori (Italien der Werte) verliehen, berichtet die italienische Zeitung Repubblica. Demnach teile die Stadt die Grundsätze der Demokratie, der Gleichheit und Freiheit mit dem kurdischen Volk. Die Stadt Neapel sie diesem „durch Zuneigung, Respekt und Freundschaft verbunden.“

Nach Ansicht von de Magistris und seinem Rat sei „Öcalan der politische und geistige Führer des kurdischen Volkes, der immer gegen die Unterdrückung seines Volkes und für die Bekräftigung der Menschenrechte und demokratischen Rechte (…) gekämpft hat„.

Bei einem Festakt am 17. Februar nahm nun seine Nichte Dilek Öcalan die Urkunde der Stadtverwaltung entgegen. Wie das Deutsch Türkische Journal berichtet, habe Bürgermeister Magistris sein „Grußwort an den Widerstand in Kurdistan“ gerichtet und betonte dabei, dass „auch Neapel, eine Stadt des Friedens, gegen den Faschismus gekämpft“ habe. Die Teilnehmer hätten überdies ein Ende der Isolationshaft Öcalans, ohne den kein Frieden in der Türkei zu machen sei gefordert.

Die Entscheidung des Bürgermeisters gilt als umstritten. Dem Blatt zufolge habe es sowohl vom Vorsitzenden der Mitte-Rechts-Partei im neapolitanischen Stadtrat Gianni Lettieri als auch vom ehemaligen italienischen Botschafter in der Türkei Kritik an der Entscheidung gegeben. „Dass der Stadtrat von Neapel Abdullah Öcalan die Ehrenbürgerwürde verliehen hat, ist ein Zeichen für absolute Unwissenheit in Sachen internationaler Angelegenheiten. Die PKK mit den Kurden gleichzusetzen, ist genauso, als würde man die italienischen Linken mit den Roten Brigaden gleichsetzen“, zitiert das DTJ den ehemaligen Botschafter Carlo Masili, der selbst mit einer Türkin verheiratet und seit langem Befürworter einer türkischen EU-Mitgliedschaft ist.

Neapel sei bereits die zweite italienische Stadt, die Abdullah Öcalan die Ehrenbürgerwürde zukommen lasse. Am 17. Dezember 2015 habe der Bürgermeister der sizilianischen Metropole Palermo Leoluca Orlando Öcalan in einer Zeremonie zum Ehrenbürger ernannt.

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