Holpriger Start in die Sommersaison: Urlauber wollen nicht in die Türkei oder nach Ägypten

Die Konjunktur läuft rund, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Eigentlich also beste Voraussetzungen für ein Top-Jahr in der Reisebranche. Doch bisher ist davon nicht allzu viel zu spüren. Urlauber zögern mit den Buchungen für die schönsten Wochen des Jahres - vor allem bei Zielen in der Türkei oder Ägypten.

Für viele Deutsche ist ein Türkei-Urlaub offenbar keine Option mehr. (Foto: Flickr/ S J Pinkney)

Für viele Deutsche ist ein Türkei-Urlaub offenbar keine Option mehr. (Foto: Flickr/ S J Pinkney)

Die erfolgsverwöhnte deutsche Tourismusbranche bekommt die Verunsicherung der Kunden nach den Terroranschlägen in beliebten Reisegebieten zu spüren. Urlauber zögern mit den Buchungen für die schönsten Wochen des Jahres – vor allem bei Zielen in der Türkei oder Ägypten. Das trübt die bisherige Bilanz für die wichtigen Sommerreisesaison. Kurz vor dem großen Branchentreff, der Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin, ist die Stimmung verhalten, auch wenn es zuletzt positive Signale gab.

«In den letzten zwei Wochen sehen wir eine deutliche Erholung und eine insgesamt positive Buchungsentwicklung», sagt der Präsident des Branchenverbandes DRV, Norbert Fiebig. Insgesamt liegen die Buchungen derzeit aber noch unter denen des Vorjahreszeitraums. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts GfK haben bisher fast eine Million weniger Bundesbürger ihren Sommerurlaub gebucht als 2015.

Vor allem Familien warteten derzeit noch ab, heißt es in der Branche. Ein Teil der Kunden habe die Urlaubsplanung wegen der Unsicherheit vertagt, sagte der Chef des Reisekonzerns Thomas Cook, Peter Fankhauser bei der Vorstellung der Unternehmensbilanz.

«Entscheidend wird vor allem die Entwicklung in der Türkei und in Ägypten sein», erläutert Fiebig. Insbesondere das deutliche Buchungsminus von bisher 40 Prozent für die Türkei – Rang drei der beliebtesten Urlaubsziele der Bundesbürger im vergangenen Jahr – macht der Reisebranche zu schaffen. Ein Selbstmordattentäter hatte im Januar in Istanbul elf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen.

Ein Buchungsminus in ähnlicher Größenordnung verzeichnen aktuell auch Ägypten und Tunesien. Gefragt sind vor allem Urlaubsziele im westlichen Europa wie Spanien, Portugal oder Italien und Deutschland. «Ich bin aber zuversichtlich und sicher, dass wir auch bei weiteren traditionellen Ferienzielen wie der Türkei und Ägypten wieder mehr Buchungen sehen werden», sagt Fiebig.

Sollte die Nachfrage nach Zielen im östlichen Mittelmeer nicht in Schwung kommen, dürfte es für die Branche aber schwierig werden, an das Topjahr 2014/2015 anzuknüpfen. Die deutschen Reiseveranstalter hatten einen Umsatzanstieg von fast vier Prozent auf 27,3 Milliarden Euro verbucht. Die stationären Reisebüros kamen mit einem Plus von drei Prozent auf den Rekordwert von 23,7 Milliarden Euro.

Nach GfK-Berechnungen liegen die bisher gebuchten Reiseumsätze für die Sommersaison 8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, übertreffen aber die des Sommers 2014. «Die Verbraucher zögern derzeit wegen der politischen Lage vor allem bei Reisen ins östliche Mittelmeer, deswegen werden sie aber nicht auf Urlaub verzichten», sagt GfK-Experte Roland Gaßner.

Sie würden auf andere Ziele ausweichen, sich kurzfristig entscheiden, oder häufiger kürzere Reisen unternehmen, vermutet Gaßner. Ägypten, Tunesien und die Türkei machen nach seinen Angaben etwa 10 Prozent der Reisen am deutschen Urlaubsreisemarkt aus und rund 30 Prozent des Flugurlaubsreisemarktes. Es dürfte nicht ganz einfach werden, diese unsicheren Kapazitäten schnell auf andere Reiseziele umzulagern, sagt Gaßner: «2016 wird demzufolge kein leichtes Jahr für die Veranstalter».

Wird 2016 also ein Jahr für Schnäppchenjäger, die sich auf viele günstige Last-Minute-Angebote freuen können? Diese Rechnung dürfte nicht immer aufgehen. Beliebte Urlaubsorte zum Beispiel in Spanien könnten wegen der großen Nachfrage schnell ausgebucht sein, heißt es in der Branche.

Tourismusexperte Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung rechnet trotz des holprigen Starts damit, dass die Bundesbürger erneut mehr Geld für Reisen ausgeben. Das zögerliche Buchungsverhalten bedeute nicht, dass die Bundesbürger nicht in Urlaub fahren wollten.

Auch der Generalsekretär der UN-Tourismusorganisation (UNTWO), Taleb Rifai, ist grundsätzlich zuversichtlich. «Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Terroranschläge für den Tourismus mittel- und langfristig keine größeren Folgen.»

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