«Zaman»-Redaktion in Deutschland will unabhängig weiterarbeiten

Nachdem die türkische Zeitung «Zaman» auf Regierungslinie gebracht wurde, versucht sich die deutsche Ausgabe des Blattes nun unabhängig zu machen. Inhalte, die in der Türkei produziert wurden, seien mangels Unabhängigkeit nicht mehr verwertbar.

Die Deutschland-Ausgabe der türkischen Oppositionszeitung «Zaman» kämpft nach der Übernahme des Istanbuler Blatts durch regierungsnahe Treuhänder um ihren Fortbestand. «Wir wollen so lange wie möglich eine staatlich unabhängige Produktion fortsetzen», sagte der Kolumnist und frühere Berlin-Korrespondent Süleyman Bag (47) am Montag. Chefredakteur Dursun Celik sei nach Istanbul gereist, um das weitere Vorgehen mit den Journalisten vor Ort zu besprechen.

Die Zeitung war am Freitag nach Angaben des regierungskritischen Anwalts Ayhan Erdogan auf Anordnung von Richtern mit Sondervollmachten hin unter Aufsicht einer staatlichen Treuhandverwaltung gestellt worden. Eine offizielle Begründung für den auch international als Einschränkung der Pressefreiheit kritisierten Schritt gab es nicht.

Die Deutschland-Ausgabe könne die in der Türkei produzierten Inhalte nicht mehr verwenden, weil sie nicht mehr unabhängig seien, sagte Bag. Darüber hinaus sei die in Berlin ansässige Redaktion von der Nachrichtenversorgung aus der Türkei abgeschnitten worden. Der Zugang zu Texten und Bildern sei gekappt worden. Deswegen sei am Montag auch nur eine im Umfang reduzierte Ausgabe erschienen. Die Deutschland-Ausgabe der «Zaman» hat demnach rund 19 000 Digital-Abonnenten und 14 000 für Print-Abonnenten.

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