Bischof: «Dramatischer Exodus» der Christen im Nahen Osten

In vielen Ländern im Nahen Osten können Christen ihren Glauben nicht frei leben. Das macht auch den deutschen Bischöfen Sorgen. Sie fordern entschlossenes Handeln vor allem beim Thema Waffenexporte.

Angesichts der andauernden Krisen und Konflikte im Nahen Osten befürchtet der deutsche Erzbischof Ludwig Schick einen weiteren «dramatischen Exodus» der Christen in der Region. Ihre Zahl gehe stark zurück «weil sie in den interreligiösen Kämpfen und Konflikten (…) wie die kleinen Körner zwischen den Mühlsteinen» zermahlen würden, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Deutschen Presse-Agentur. In Rom berieten bis Freitag Experten, Wissenschaftler und Kirchenvertreter bei einer von der DBK organisierten Konferenz über die Situation.

Im Irak habe sich die Zahl der Christen in den vergangenen Jahren auf etwa 200 000 halbiert, auch in Syrien lebten nur noch etwa 300 000 von ursprünglich knapp 700 000 Christen, erklärte Schick. «Das ist wirklich ein fast dramatischer Exodus in den letzten Jahren.» Es sei daher von entscheidender Bedeutung, dass der kriegerische Konflikt in Syrien als Auslöser beendet werden könne.

«Ein großer Förderer des Krieges, und, wenn man es nicht täte, eben auch ein Verhinderer, das ist der Waffenhandel», kritisierte Schick. Zudem sei es nötig, dass westliche Länder in den Staaten der Region nicht mehr länger nur ihre eigenen Vorteile sähen. «Wir haben im Westen zu lange diese Länder für eigene Interessen benutzt und haben verhindert, dort eine wirkliche Zivilgesellschaft aufzubauen. Und das wirkt sich jetzt ganz negativ aus», sagte der Bamberger Erzbischof.

«Das große Leid und die Besorgnis» in der Region seien während der Konferenz deutlich zum Ausdruck gekommen. Er habe die Hoffnung, dass viele der vertriebenen Christen nach dem Ende der Gewalt zurückkehren könnten, sagte Schick. «Das hat sich immer wieder im Laufe der Geschichte gezeigt, dass die Christen an den Orten, die auch mit Christsein und christlicher Geschichte verbunden waren, leben und immer wieder zurückgekommen sind, auch nach Vertreibungen.»

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