Internet-Verwaltung will sich von US-Kontrolle lösen

Die US-Regierung soll die Aufsicht über die Internetverwaltung ICANN verlieren. Die Behörde zur Vergabe von Domains stand seit der Gründung unter der Kontrolle des amerikanischen Handelsministeriums. Künftig sollen internationale Akteure aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam das System überwachen.

Die Internet-Adressverwaltung Icann stimmte für die Unabhängigkeit von den USA. (Foto: Gilderic Photography/flickr)

Die Internet-Adressverwaltung Icann stimmte für die Unabhängigkeit von den USA. (Foto: Gilderic Photography/flickr)

Der Plan, die Aufsicht der US-Regierung über die Internet-Verwaltung ICANN zu beenden, nimmt konkrete Formen an. Die ICANN stellte nach langer Entwicklung schließlich bei einem treffen in Marokko den Vorschlag für neue Regelung vor. Dabei sollen in einer komplexen Struktur die Interessenvertretungen von Nutzern, Unternehmen und Regierungen austariert werden. Der Vorschlag wurde am Donnerstag der US-Regierung übergeben.

Er sehe gute Chancen, dass das neue System stehen könne, bis Ende September der aktuelle Vertrag mit dem US-Handelsministerium ausläuft, sagte Thomas Rickert vom deutschen Internet-Verband eco der Deutschen Presse-Agentur.

Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) verwaltet unter anderem das System der Domain-Endungen wie .com und steht seit Gründung 1998 unter Aufsicht des US-Handelsministeriums. Die US-Regierung kündigte im März 2014 an, die Aufsichtsfunktion zum Ablauf des damaligen Vertrags im September 2015 aufzugeben. Der ICANN gelang es jedoch nicht, rechtzeitig eine Nachfolgelösung auf die Beine zu stellen und die US-Aufsicht wurde im ein Jahr verlängert.

Zwischenzeitlich hatte es Sorgen gegeben, dass Regierungen etwa von China oder Russland sich stärkeren Einfluss auf das Internet sichern könnten. Trotz der Forderungen einiger Länder bleibe es dabei, dass Staaten in ihrer Aufsichtsgruppe für ihre Vorschläge Einstimmigkeit bräuchten, sagte Rickert. Für die neue Struktur seien mehr als 30 verschiedene Belastungsszenarien durchgespielt worden, und sie habe diese sogenannten Stress-Tests bestanden, betonte er.

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