Millionen persönlicher Daten veröffentlicht: Jetzt ermittelt die türkische Justiz

Der jüngste Protest gegen die Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat ein Nachspiel. Die türkische Justiz ermittelt jetzt wegen der Verbreitung persönlicher Daten von fast 50 Millionen Bürgern im Internet. Auch persönliche Angaben zu Erdogan und anderen Spitzenpolitikern waren im Netz verbreitet worden.

Zu dem Datendiebstahl, der offenbar schon im Jahr 2008 stattfand, hat sich bislang niemand bekannt. (Foto: Flickr/ Masificación de Internet by Ministerio TIC Colombia CC BY 2.0)

Zu dem Datendiebstahl, der offenbar schon im Jahr 2008 stattfand, hat sich bislang niemand bekannt. (Foto: Flickr/ Masificación de Internet by Ministerio TIC Colombia CC BY 2.0)

Die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Ankara habe ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, berichtet die AFP unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch.

Laut Medienberichten wollten unbekannte Hacker mit der Aktion gegen die Politik Erdogans protestieren. Justizminister Bekir Bozdag sagte, die Zahl von fast 50 Millionen Betroffenen entspreche in etwa der Zahl der Wähler in der Türkei. Möglicherweise könnten deshalb Daten der Wahlkommission widerrechtlich ins Internet gestellt worden sein.

Bei den persönlichen Angaben handelt es sich um Namen, Geburtsort, Namen der Eltern, Wohnsitz und andere Angaben. Neben Namen, Geburtsdatum und der Adresse der Betroffenen enthalte die rund 7 Gigabyte große Datei laut dpa unter anderem auch die nationale Identifikationsnummer (Kimlik-Nummer). Experten gingen davon aus, dass insbesondere mit den Kimlik-Nummern Betrügereien zu Lasten der Einwohner ermöglicht werden, da sie für einen Identitätsdiebstahl missbraucht werden können, heißt es hier weiter.

Zu dem Datendiebstahl, der offenbar schon im Jahr 2008 stattfand, hat sich bislang niemand bekannt. Die Website, auf der das Melderegister als Torrent-Datei zum Herunterladen angeboten wird, ist in Island registriert. Auf der Seite wird die türkische Regierung für eine unzureichende Verschlüsselung der Daten kritisiert.

Die türkische Regierung hatte zunächst versucht, den Fall auf sich beruhen zu lassen, so die AFP weiter. Kommunikationsminister Binali Yildirim hatte gesagt, es handele sich um alte Vorwürfe, die lediglich neu aufgewärmt würden. Es habe keinen Datenklau gegeben.

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