Syrer gesteht Brandstiftung und Hakenkreuze in Flüchtlingsheim

Ein Syrer hat gestanden, in einem Flüchtlingsheim in Bingen Hakenkreuze geschmiert und ein Feuer gelegt zu haben. Als Grund gab er schlechte Wohnungsverhältnisse und eine mangelnde Zukunftsperspektive an.

Nach der Brandstiftung in einem auch als Flüchtlingsunterkunft genutzten Haus in Bingen hat ein festgenommener Mann aus Syrien die Tat gestanden. Als Motiv habe der 26-Jährige die beengten Wohnverhältnisse in der Unterkunft sowie eine fehlende Zukunftsperspektive angegeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag in Mainz mit. Das Amtsgericht erließ Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung. Der Mann wurde ins Gefängnis gebracht.

Bei dem Brand des Gebäudes waren in der Nacht zum Donnerstag vier Bewohner und zwei Feuerwehrleute verletzt worden. In dem Mehrfamilienhaus wohnten neben Deutschen und Saisonarbeitern auch Flüchtlinge.

Die Mainzer Kriminalpolizei hatte den Syrer am Samstagabend festgenommen. Von Bewohnern waren Hinweise gekommen, dass der Mann für die Brandstiftung und die Hakenkreuz-Schmierereien an dem Haus verantwortlich sei. Der Syrer stritt die Tat zunächst ab, gestand sie dann aber. Er hatte seinen Angaben zufolge den Brand allein im Keller gelegt. Auch die Hakenkreuze seien von ihm angebracht worden, um von der Tat abzulenken. Nach Polizeiangaben wohnte der Syrer etwa seit einem halben Jahr in der Unterkunft.

Die dpa hatte den Vorfall am 7. April wie folgt beschrieben:

Nach einem nächtlichen Feuer in einem Haus im rheinland-pfälzischen Bingen mit sechs Verletzten geht die Polizei von Brandstiftung aus. An und in dem Gebäude, in dem neben Saisonarbeitern aus Deutschland und Portugal auch 13 Flüchtlinge übernachten, wurden drei Hakenkreuze entdeckt. Die Polizei prüft deshalb mit einer 44-köpfigen Sonderkommission einen fremdenfeindlichen Hintergrund, ermittelt aber in alle Richtungen. Zur genauen Brandursache machte sie am Donnerstag zunächst keine näheren Angaben. Nach ersten Ermittlungen sei das Feuer im Keller aber vorsätzlich gelegt worden. «Gebrannt haben im Kellerbereich gelagerte Holzteile.» Vier Bewohner und zwei Feuerwehrleute erlitten eine Rauchvergiftung.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die zusammen mit Integrationsministerin Irene Alt (Grüne) zum Tatort kam, zeigte sich schockiert. «Natürlich können wir heute nicht absolut sagen, es ist tatsächlich eine rechtsmotivierte Straftat, aber es gibt viele Hinweise, die das befürchten lassen», sagte Dreyer. «Das ist nicht nur schockierend, das ist wirklich auch beschämend.» Sie sprach von einer neuen Dimension und sagte: «Das wollen wir nicht in diesem Land.»

Die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner schrieb in einer Mitteilung: «Der Brandanschlag in Bingen hinterlässt mich traurig und bestürzt. Es müsse klar sein, dass jeder Mensch in Deutschland Schutz und Sicherheit beanspruchen könne. Das gelte auch «für diejenigen Zuwanderer, die Deutschland wieder verlassen müssen».

Das Feuer in Bingen-Sponsheim brach in der Nacht zum Donnerstag aus. In dem Gebäude befanden sich zur Tatzeit nach Angaben der Stadt Bingen 25 Menschen, neben Saisonarbeitern aus Portugal und Deutschen auch 13 Flüchtlinge – zehn Syrer und drei Afghanen.

Das Haus sei vorerst unbewohnbar, sagte eine Polizeisprecherin. Die Stadt Bingen richtete ein Zelt zur ersten Versorgung der Betroffenen ein, sie stellte außerdem eine Halle mit Schlafplätzen zur Verfügung. Die Asylbewerber sollen in zwei anderen Unterkünften in Bingen unterkommen.

Ein rechtsextremistischer Hintergrund ist nach Angaben der Ermittler offen. «Wir müssen in alle Richtungen checken», sagte der Mainzer Polizeipräsident Reiner Hamm der Deutschen Presse-Agentur. Am Haus, an einer Tür und im Gebäude seien Hakenkreuze entdeckt worden, ein Zusammenhang mit dem Brand sei bisher unklar. Die Polizei fand eine Spraydose. Auch Brandmittelspürhunde und ein Polizeihubschrauber waren im Einsatz.

Sponsheim ist ein kleiner Stadtteil im Süden von Bingen und eher ländlich geprägt, auch wenn es in der Nähe einen Gewerbepark gibt. Bislang gab es nach Angaben des Stadtsprechers in Bingen weder Probleme mit Hakenkreuzschmierereien noch ausländerfeindliche Proteste oder Aufmärsche. Der Brand habe alle überrascht und entsetzt, sagte der Sprecher. «Bingen ist nicht für rechte Gewalt bekannt.»

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