Medikamentendiebstahl: Behörde warnt vor Schmuggelware

Gestohlene und womöglich manipulierten Medikamente aus Italien könnten in den deutschen Handel gelangen.

Einmal im Handel lässt sich immer noch schwer nachvollziehen, woher Medikamente genau stammen. (Foto: flickr/ Net Doktor/ cc by 2.0)

Einmal im Handel lässt sich immer noch schwer nachvollziehen, woher Medikamente genau stammen. (Foto: flickr/ Net Doktor/ cc by 2.0)

Wegen Arzneimittelfälschungen ist in deutschen Apotheken in den kommenden Wochen erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Wie der Branchendienst Apotheke adhoc berichtet, wurden in Italien hochpreisige Arzneimittel aus einer Krankenhausapotheke gestohlen, die über Zwischenhändler und Reimporteure auch deutschen Apotheken angeboten werden könnten. Die Aufsichtsbehörden verstärken ihre Kontrollen.

Ende Februar wurden laut Bericht aus einer italienischen Krankenhausapotheke Medikamentendiebstähle in größerem Umfang gemeldet. Die Arzneimittelaufsicht in Rom informierte die Behörden in den anderen EU-Staaten im Rahmen des gemeinsamen Frühwarnsystems über die Probleme.

Mehr als 80 verschiedene Arzneimittel wurden demnach gestohlen, darunter Krebs- und Rheumamedikamente genauso wie Psychopharmaka sowie Mittel gegen Multiple Sklerose, HIV und Diabetes. Insgesamt hat die Liste 86 Einträge. Von einigen Präparaten wurden offenbar nur einzelne Packungen entwendet, von anderen mehr als 50.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Aufsichtsbehörden der Länder informiert, auch Zoll- und Bundeskriminalamt wurden eingeschaltet. Bei den in Frage kommenden Zwischenhändlern, den sogenannten Reimporteuren, werden die Bestände überprüft. Die Unternehmen sind zuversichtlich, betroffene Produkte vor der Auslieferung an die Apotheken aus dem Verkehr ziehen zu können.

Bereits vor zwei Jahren sorgten in Italien gestohlene Arzneimittel für Schlagzeilen. Die Medikamente waren über Zwischenhändler in ganz Europa in die deutschen Apotheken gelangt; mehr als 40 Hersteller und Reimporteure waren damals betroffen. Beinahe im Wochentakt mussten die Apotheken ihr Lager auf gefälschte Arzneimittel durchsuchen.

Medikamente, die die legale Lieferkette verlassen haben, sind damit aus Sicht der Behörden per se nicht verkehrsfähig und gelten als Fälschungen. Es besteht die Gefahr, dass die Medikamente womöglich gestreckt wurden oder minderwertige Ware in die Originalverpackungen gefüllt wurde. Echte Manipulationen beispielsweise beim Wirkstoff seien in Deutschland jedoch den Angaben zufolge bisher sehr selten.

Im Zusammenhang mit Pillenfälschern hat auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) jüngst härtere Strafen für die Arzneimittelfälscher gefordert. Bayern plane, im Bundesratsverfahren zur aktuellen AMG-Novelle einen Entschließungsantrag zur effektiveren Bekämpfung der Arzneimittelkriminalität einzubringen, berichtet Apotheke adhoc. Dazu sollen für Arzneimittel künftig die gleichen Regeln gelten wie für Betäubungsmittel.

Die aktuelle EU-Fälschungsrichtlinie, die etwa in Deutschland mit dem System Securpharm umgesetzt wird, könne demnach nur den legalen Handel sicherer machen, aber das Problem der zunehmenden Arzneimittelfälschungskriminalität nicht lösen. Solange es kein System für eine lückenlose Nachverfolgung gebe, könnten gefälschte Arzneimittel weiter in die Vertriebskette gelangen, so Huml.

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