Hat ultrAslan auf ganzer Linie versagt?

Die Galatasaray-Fangruppierung ulrAslan ist berüchtigt für ihre Stimmung und Choreographien. Mittlerweile fällt ultrAslan eher durch Passivität auf. Wieso ist die Gruppierung so passiv gegenüber dem schlechtesten Galatasaray-Vorstand der letzten zwanzig Jahre? GazeteFutbol-Analyst Ümit Yücel sucht nach Antworten.

Galatasaray steckt diese Saison in einer tiefen Krise, in der es sehr schwer sein wird, wieder herauszukommen. Ein schleichender Prozess, der ausgerechnet in der Meistersaison 2014/2015 seinen Lauf nahm. Das Problem von Galatasaray ist für viele klar: Die Lise-Fraktion hat den Verein über Jahrzehnte hinweg ausgebeutet und für seine Zwecke missbraucht. Viele Fangruppen haben sich bereits organisiert und gehen dagegen aktiv vor. Wieso jedoch hält sich ausgerechnet die größte Ultra-Gruppierung ultrAslan bedeckt? Besonders in dieser Saison ist bemerkbar, wie die Galatasaray-Ultras sich aus vielem heraus halten. Immer mehr wird der Eindruck vermittelt, dass dies bewusst ist oder sogar auf Anordnung von mächtigen Personen der Lise-Fraktion geschieht.

Wieso sind Oguz Altay und Veysel Giley plötzlich zurückgetreten?

Oguz Altay war einer der Gründer von ultrAslan. Im Jahr 2013 ist Altay überraschend von seinem Amt als Vorsitzender der Ultras zurückgetreten. Bis heute hält er sich bedeckt. Jedoch wurden schon damals Stimmen laut, in denen behauptet wurde, dass Altay von der Lise-Fraktion zum Rücktritt überredet oder gezwungen wurde. Das Gleiche galt auch für Veysel Giley. Auch Giley hat plötzlich sein Amt als Vorsitzender niedergelegt. Ein anderer Grund für die plötzlichen Rücktritte beider Personen könnte auch Amtsmissbrauch gewesen sein. Sowohl Oguz Altay als auch Veysel Giley haben ihre beruflichen Geschäfte ankurbeln können. Beweise für einen Missbrauch gibt es nicht, man kann nur mutmaßen, denn beide sind in einer Zeit von ihren Posten zurückgetreten, in der ultrAslan die beste Fangruppierung der Türkei war. Auch in Europa hatte man durch seine Choreographien viel von sich reden gemacht.

Was ist die Rolle von Sebahattin Sirin?

Eines ist klar: ultrAslan hat die Tribünen nicht mehr unter Kontrolle. Konnte man noch in den vergangenen Jahren alle Tribünen mitziehen, so ist man heute nicht mehr in der Lage, den Verein die nötige Unterstützung in vollem Umfang zu geben. Natürlich spielen dabei die schlechten Leistungen der Spieler eine Rolle. Aber Fakt ist auch, dass viele andere Fangruppierungen (u.a. TekYürek und Pesindeyiz) die Ursachen für die Probleme von Galatasaray kennen und auch dagegen vorgehen. Es ist überraschend, wieso sich ultrAslan in dieser Angelegenheit so passiv verhält. Immer mehr wird die Rolle von Sebahattin Sirin, der im Moment die Leitung übernommen hat, hinterfragt. Mittlerweile behaupten auch viele Randgruppen, dass ultrAslan von der Lise-Fraktion gelenkt wird. Haben etwa die Lise-Fraktion und Sebahattin Sirin einen Pakt geschlossen? In den letzen Wochen wurde von mehreren Fangruppen eine Petition gestartet, indem man den Verein darin auffordert, Galatasaray für das Volk zu öffnen (GazeteFutbol berichtete bereits). ultrAslan hatte dies nur halbherzig unterstützt. Auch heute noch wird beispielsweise von TekYürek mehrere Aktionen gestartet, um die Petiton bekannter zu machen. Ein weiteres gutes Beispiel für die Passivität von ultrAslan war die geplante Protestaktion der Fans vor dem Galatasaray-Gymnasium. Man wollte gegen die Lise-Fraktion einen Protestmarsch organisieren, bei dem auch viele Fangruppen ihre Zusage gaben. Wegen diverser Sicherheitsbedenken wurde der Marsch abgesagt. Merkwürdig war, dass ultrAslan erneut seine Unterstützung verweigert hat. Auch beim Thema „Ausbuhen der eigenen Spieler“ hat ultrAslan seine Finger im Spiel. Berichten zu Folge habe man Spieler wie Selcuk Inan und Burak Yilmaz in Zusammenarbeit mit dem Vorstand systematisch auspfeifen wollen. Was bei Yilmaz sehr erfolgreich über die Bühne ging (der Stürmer wechselte im Winter nach China), wird bei Inan noch heute fortgeführt.

Viele hinterfragen bereits ultrAslan

ultrAslan hat nicht mehr das Ansehen wie noch vor Jahren, denn die Gruppe verliert immer mehr seinen eigentlich Ruf. ultrAslan hatte den Slogan „unabhängige und loyale Fangruppierung“, welches sich im Moment nicht wiederspiegelt. Eine Neu-Strukturierung der Gruppierung ist nötig. Denn in dieser Saison ist eines besonders aufgefallen: Die Unterstützung galt nicht dem Team, sondern (hinter verschlossenen Türen) dem Verein und seiner Führung. Die Unterstützung von ultrAslan sollten Fernando Muslera und der übrigen Mannschaft gelten, nicht für Inan Kirac (Führer der Lise-Fraktion), der den Verein für eigene Zwecke missbraucht.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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