Grün, friedlich, weltoffen: Die Türkei und ihre erste Expo

Eine Weltausstellung im eigenen Land bedeutet auch, sich positiv zu präsentieren. Für die Türkei ist das in Zeiten des Terrors angesichts sinkender Touristenzahlen wichtiger denn je.

Beeindruckende Bergpanoramen, tiefblaues Wasser – mehr als 12 Millionen Touristen kommen jährlich in den südtürkischen Küstenort Antalya. Er ist auch unter Deutschen ein beliebtes Ferienziel – aber ebenso berühmt und bei vielen verpönt für seine Bettenburgen und Massentourismus. Ausgerechnet dort richtet die Türkei nun eine Weltausstellung aus, die sich dem Thema Nachhaltigkeit und der «Hoffnung auf eine grünere Welt» widmet. Zu sehen sind riesige bewachsene Tierskulpturen, neben bunten Blumenfeldern stehen Palmen, mittendrin: ein See.

«Eine Expo bietet eine Plattform, sich darzustellen», sagt der deutsche Konsul in Antalya, Martin Vetter. Das Motto «Blumen und Kinder» sowie Beiträge aus aller Welt sagen: Hier ist es grün, hier ist es friedlich, hier ist man weltoffen. Doch das Bild, das die Türkei auf ihrer ersten Expo von sich entwirft, dürfte im Kontrast zur Wahrnehmung vieler von dem Land stehen.

Das rasante Wirtschaftswachstum des Landes ging oft auf Kosten der Natur. Für den neuen Istanbuler Mega-Airport an der Küste des Schwarzen Meeres etwa musste ein Waldgebiet weichen. In Istanbul sollte auf dem Gelände eines Stadtparks eine Shoppingmall errichtet werden, was 2013 die Gezi-Proteste nach sich zog. Auf der Expo präsentiert sich die Millionenmetropole hingegen als klimafreundliche Stadt, in der Wasser, Tulpen und Grün dominieren: «Istanbul atmet» steht auf einer Foto-Wand.

Derzeit gehört die Flüchtlingspolitik zu den wenigen Feldern, für die die Regierung internationale Anerkennung erfährt. Die EU sorgt sich um den Umgang Ankaras mit der Meinungsfreiheit. Im Südosten gehen türkische Sicherheitskräfte seit Dezember mit einer Offensive gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK vor. Dazu kommt, dass aus Angst vor Terror viele Touristen das eigentlich so beliebte Land meiden. Bei mehreren Anschlägen unter anderem in Istanbul und Ankara kamen zahlreiche Menschen ums Leben, auch Urlauber.

Mit dem Großereignis Expo setzt die Türkei auch ein Zeichen, dass sie der angespannten Sicherheitslage trotzt. Mit einer Parade von Düsenjets am Eröffnungswochenende demonstriert sie Stärke und Nationalstolz: Die Flugshow hinterlässt die türkischen Farben Rot und Weiß als Kondensstreifen im Himmel, die Menschen jubeln. «Das ist für die Kinder!», ruft der Ansager. Dann jagen die Jets wieder empor, drehen seitlich ab – und malen ein Herz in die Luft.

«Das ist nichts für mich», sagt Ellen Witte. Sie besucht die Expo mit ihrem Mann Joachim, das Paar kommt aus der Nähe von Hamburg. Antalya ist die letzte Station ihrer Rundreise durch die Türkei, ihr Hotel bot die Fahrt zur Weltausstellung an. Beeindruckt habe die beiden vor allem der chinesische Beitrag zur Expo. Im pakistanischen Pavillon habe man ihnen gesagt, dass sie am nächsten Tag wiederkommen sollten. «Vieles ist einfach noch nicht fertig», sagt Ellen Witte. «Und Europa haben wir noch gar nicht entdeckt.»

Auch der deutsche Beitrag lässt noch auf sich warten: Nach derzeitigem Stand soll er Mitte Juni, fast zwei Monate nach der Eröffnung, fertig sein. Neben dem Herzstück der Expo, einem mehr als 100 Meter hohen Turm in Form eines Blütenkelchs, ragen Kräne in die Höhe, am Wegesrand stehen Bagger oder liegen Rasenplatten gestapelt. Bis die Straßenbahn, die das außerhalb gelegene Gelände mit Antalyas Zentrum verbinden soll, fertig ist, dürfte es auch noch dauern. Besucher müssen privat oder mit dem Taxi anreisen – oder sich einen Bus-Shuttle vom Hotel organisieren.

Auch wenn die Türkei bei der Vergabe der groß angelegten Weltausstellungen für 2015 leer ausging und stattdessen den Zuschlag für eine internationale Gartenbauausstellung bekam – für Konsul Vetter ist dies eine Chance: «Es ist die erste Großveranstaltung dieser Art, die hier stattfindet», sagt er. Sie bedeute vor allem, dass aus der Region etwas gemacht und sie in der Welt bekannt werde. Vielleicht ja auch mit einem neuen Image.

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