Unbekannte Songs: Der Kampf um den Nachlass von Prince ist eröffnet

Ein Nachlass des kürzlich verstorbenen Popmusikers Prince könnte viele Millionen wert sein und einen Streit zwischen Plattenfirmen und Hinterbliebenen um Nutzungsrechte auslösen. Prince selbst hatte sich zeitlebens vor der Instrumentalisierung durch die Musikindustrie zu schützen versucht.

Nach dem Tod des Pop-Künstlers Prince wird über die Existenz eines großen musikalischen Nachlasses und über den Umfang seines Erbes spekuliert. „Es gibt Lieder in einem Tresor, die noch nie jemand gehört hat“ wird der Künstler in einem unveröffentlichten Interview mit dem Rolling Stone-Magazin von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Wenn dies stimmt, könnte es sich dabei um Musik mit hohem Marktwert handeln, an der mit Sicherheit auch Plattenfirmen interessiert wären. Prince‘s finanzielle Erbe wird von der Homepage Celebrity Net Worth auf etwa 300 Millionen Dollar taxiert. Andere Quellen sprechen von rund 800 Millionen Dollar.

Über die Existenz eines Nachlasses herrscht bislang keine Klarheit. Ebenso wenig ist bekannt, ob der Künstler ein Testament hinterlassen hat. Falls nicht, gehe das Erbe nach den Gesetzen des US-Bundesstaats Minnesota an die nächsten Familienangehörigen, so Reuters. Ein Nachlassgericht wird in diesem Fall über das Erbe entscheiden – woran auch der Staat über eine Grund- und Erbschaftssteuer verdienen wird.

Experten halten es jedoch für sehr wahrscheinlich, dass der Musiker sein Erbe bereits frühzeitig geregelt hat. Der Extravaganz von Prince ist es geschuldet, dass dabei vieles denkbar erscheint. „Geht er damit kafkaesk um? Hat er bestimmt, dass alles vernichtet werden muss, wenn er nicht mehr da ist? Oder gibt es einen Masterplan, wonach jährlich ein neues Album mit absolut ungehörtem Material erscheinen wird?“, fragt sich der Schweizer Rundfunk in diesem Zusammenhang.

Prince‘s gesamte Karriere stand im Zeichen des Kampfes um seine künstlerische Selbstbestimmung, welche er durch die Musikindustrie bedroht sah. „Seine Kämpfe mit und gegen Plattenfirmen, Internetdienste (u.a. YouTube, Ebay, Pirate Bay), ja selbst gegen seine Fans sind so legendär wie widersprüchlich – und sie brachten dem einst bewunderten Pop-Genie den Ruf ein, verschroben zu sein, ein Kontrollfreak, der das Internet vor sechs Jahren spektakulär für „completely over“ erklärte, nachdem er sämtliche Musik, Video-Aufnahmen und Fotografien, die seinem Copyright unterlagen, aus dem Verkehr gezogen hatte“, schreibt Spiegel Online.

Eine 2014 getroffene Einigung mit seinem früheren Musiklabel Warner Music Group sah vor, dass Prince die Rechte und Masterbänder seiner Alben aus den 80er-Jahren zurückbekam – der wohl erfolgreichsten Phase seiner Karriere. Die Chancen für die Musikindustrie, am Erbe des Popstars mitzuverdienen, stehen demnach schlecht – was als letzter Sieg des kreativen Einzelgängers über die Industrie interpretiert werden könnte.

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