Sponsorenflaute in der Süper Lig

Besonders in den letzten Jahren kommt es immer häufiger vor, dass türkische Vereine ohne Hauptsponsor in die Saison starten. Selbst Galatasaray, das mit dem vierten Stern in die neue Saison ging, hat etliche Monate gebraucht um einen Werbeträger zu finden.

Die Türkei hat ein Sponsorenproblem. Nimmt man die 18 Süper Lig-Vereine in Betracht, so wird ersichtlich, dass einzig Besiktas mit dem britischen Kommunikationsriesen Vodafone ein ausländisches Unternehmen als Hauptsponsor hat. Die restlichen Teams haben entweder gar keinen Sponsor auf der Brust oder es sind „lediglich“ einheimische Unternehmen, die ihren Verein unterstützen (Torku, ein Unternehmen mit Sitz in Konya, unterstützt Konyaspor oder Teehersteller Caykur mit Sitz in Rize unterstützt Caykur Rizespor). In Grunde genommen eine übliche Vorgehensweise, denn auch hier gibt es speziell in Deutschland genug Beispiele. Pharmakonzern Bayer hat Leverkusen über Jahre hinweg unterstützt. Auch Volkswagen investiert in den letzten Jahren in Bundesligist Wolfsburg.

Topteams mit mäßigen Sponsorenzahlungen

Galatasaray hat in der vergangenen Saison den prestigeträchtigen vierten Stern dazugewonnen. Also hatte man sehr viel Vermarktungspotenzial vorzuweisen. Jedoch hatte der Rekordmeister viel Mühe einen Sponsor zu finden. So hat man mit dem Bauriesen Dumankaya Insaat einen äußerst dürftigen Sponsorenvertrag abschließen müssen.

Auch Fenerbahce hatte Probleme. Der größte Sportverein der Türkei hat ebenfalls wie sein Erzrivale Galatasaray vergeblich auf ein ausländisches Unternehmen gewartet. Am Ende unterschrieb man mit dem Internetsuchmaschinen-Unternehmen Yandex. Fenerbahce hat mit Yandex einen besonderen Deal ausgehandelt. Der Verein verdient Geld, sobald die User mit der Suchmaschine FBYANDEX das World Wide Web nach Informationen durchsuchen. Ein auf den ersten Blick guter Deal. Jedoch wird der Verein erst dann Geld durch diesen Deal verdienen, wenn ein Fenerbahce-Fan 25 Mal am Tag die Dienste von FBYANDEX in Anspruch nimmt. Dadurch würde Yandex Fenerbahce für jeden Fan, der 25 Mal am Tag eine Suche startet, eine Vergütung von 36 Dollar zahlen. Eine Statistik besagt, das 1,17 Milliarden Google-Nutzer bis heute 114,7 Milliarden Suchanfragen über Google gestartet hat. Das wären 3,3 pro Tag. Umso schwerer ist es, dass über 20 Millionen Fenerbahce-Fans weltweit jeweils über 25 Suchanfragen am Tag starten. Ähnlich wie Galatasaray, hat Fenerbahce mit diesem Deal kein gutes Geschäft gemacht.

Erfolgreicher gestaltete sich die Sponsorensuche bei Besiktas. Besiktas hatte Vodafone bereits die Namensrechte für sein neues Stadion für die nächsten 15 Jahre verkauft. Im Anschluss einigte man sich auch auf ein Trikotsponsoring mit dem Telekommunikationsriesen. Für die nächsten fünf Jahre erhält man nun 29 Millionen Euro.

Wieso tun sich die Vereine so schwer einen oder mehrere Sponsoren zu finden?

Die politische Situation in der Türkei verhindert es vielen ausländischen Konzernen, in der Türkei als Trikotsponsor zu investieren. Die andauernden Gefechte mit Terrororganisationen schrecken viele Unternehmen ab. Auch spielen dabei die Misserfolge der türkischen Teams auf europäischer Bühne eine Rolle. Die 18 Vereine der Bundesliga haben im Vergleich alle zusammen 164,5 Millionen Euro an Einnahmen durch Trikotsponsoring vorzuweisen. Die Spor Toto Süper Lig gerade mal 28,3 Millionen Euro. Vereine wie Trabzonspor, Akhisar Belediyespor und Kasimpasa haben seit Beginn der Saison gar überhaupt keinen Hauptsponsor mehr.

Ausblick: Wie könnte es weitergehen?

Die Spor Toto Süper Lig wird nächste Saison die Vermarktungsrechte der Liga neu aushandeln. Tat dies bis zuletzt der türkische Fußballverband TFF, so wird das beim nächsten Mal die neugegründete Ligagemeinschaft aushandeln. Gerüchten zu Folge will der Pay TV-Sender Tivibu nach der UEFA Champions League und der UEFA Europa League nun auch die Rechte an der Süper Lig kaufen. Tivibu ist dem aufstrebenden Milliardenunternehmen Türk Telekom zuzuordnen. Es ist davon auszugehen, dass die Ligagemeinschaft das äußerste Maximum herausholen wird. Dies könnte auch die Chance für neue Sponsoren sein. Das oberste Gebot ist jedoch, auf höchstem Niveau erfolgreich zu sein. Erfolge in der Champions League spielen hier eine wichtige Rolle. Als Galatasaray in den Jahren 2012/2013 und 2013/2014 in der Champions League gute Ergebnisse erzielte, fielen für den damals auslaufenden Sponsorenvertrag mit Türk Telekom große Namen wie Samsung, Gazprom oder FlyEmirates. Allein der Erfolg auf europäischer Bühne bringt viel Vermarktungspotenzial mit sich.

Ranking der Hauptsponsoreneinnahmen in der Süper Lig für die Saison 2015/2016

1.       Besiktas – Vodafone – 5 Millionen Euro

2.       Caykur Rizespor – Caykur – 4 Millionen Euro

3.       Fenerbahce – Yandex – 3,8 Millionen Euro

4.       Galatasaray – Dumankaya – 3,3 Millionen Euro

5.       Torku Konyaspor – Torku – 2,2 Millionen Euro

6.       Bursaspor -Marmarabirlik-  1,8 Millionen Euro

7.       Torku Konyaspor – Torku – 1,5 Millionen Euro

8.       Antalyaspor – Aero Bilet – 1,5 Millionen Eur

9.       Basaksehir – Makro Insaat – 1,35 Millionen Euro

10.     Genclerbirligi – ICK YAPI – 1 Millionen

11.     Eskisehirspor – ETI – 0,9 Millionen Euro

12.     Gaziantepspor – Turkish Oil – 0,7 Millionen Euro

13.     Mersin Idman Yurdu – Arbella Makarna – 0,5 Millionen Euro

14.     Sivasspor – Marka – 0,5 Millionen Euro

15.     Kayserispor – Istikbal – 0,25 Millionen Euro

16.     Akhisar Belediyespor – X – X

17.     Osmanlispor – X – X

18.     Trabzonspor – X – X

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.