Süperlig: Das System Passolig wird reformiert

Das Passolig-System bleibt ein Ärgernis für viele türkische Fußballfans. Nun hat der Vorstandschef des Betreibers Aktifbank in einem Interview Reformen angekündigt. Ganz nebenbei will das Bankhaus die Geschäfte mit türkischen Vereinen kräftig ausbauen. Selbst Transfers traut man sich zu.

Richtig zufrieden sind die Fußballfans mit dem System Passolig nicht. Sie stören sich nicht nur an der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports und der Einbindung einer Kreditkartenfunktion, sondern auch an der Nähe des Betreibers Aktifbank zur Regierung. Das 1999 gegründete Bankhaus ist eine Tochter der Calik Holding und hatte sich bei der Ausschreibung des Systems gegen namhafte Kreditinstitute durchgesetzt, obwohl man zu diesem Zeitpunkt in der ganzen Türkei lediglich acht Filialen betrieb und in finanziellen Problemen steckte, wie Bloomberg damals berichtete.

1,2 Mrd. TL an Darlehen für 13 Vereine

Inzwischen ist aus dem Finanzzwerg ein ernstzunehmender Player im Sportbusiness geworden. Wie Vorstandschef Serdar Sümer im Interview mit der Zeitung Aksam sagte, habe man in den vergangenen 18 Monaten den Vereinen über Passolig und Sponsoring-Deals insgesamt 1,8 Mrd. TL zukommen lassen. Der Großteil davon, rund 1,2 Mrd. TL, seien Kredite an 13 verschiedene Klubs. Das entspreche etwa einem Fünftel der gesamten Schulden aller türkischer Vereine. In diesem Jahr wolle man das Kreditvolumen um etwa 20 Prozent steigern. Sümer verriet auch, dass man Besiktas für den Bau der Vodafone-Arena mit einem langlaufenden Kredit unterstützt habe. Das Darlehen soll laut Vereinbarung in achteinhalb bis neun Jahren abgezahlt werden. Noch dieses Jahr will die Bank übrigens einen „Fußball Report“ über Wirtschaftsfakten zum türkischen Fußball herausgeben.

Übertragung von Tickets soll möglich werden

Zudem wird es einige Veränderungen bei der Passolig-Karte geben. Bisher waren die Tickets nicht übertragbar. Wer seine Karte einem Freund weitergab, damit der ins Stadion gehen konnte, machte sich strafbar. Nun plant man die Optimierung per Smartphone-App. Zur neuen Saison soll man die eigene Zugangsberechtigung an einen anderen Passolig-Besitzer übertragen können. Zudem soll der Kaufprozess vereinfacht werden. Nicht zuletzt sollen Dauerkartenbesitzer ihre Tickets wieder in den freien Verkauf geben können, wenn sie verhindert sind. Dadurch waren bisher auch bei ausverkauften Spielen oft Plätze frei geblieben, bei der Eröffnung der Vodafone-Arena waren beispielsweise rund 2.500 Plätze unbesetzt. Von diesem Weiterverkauf soll sowohl der Verein auch als der Fan finanziell profitieren. Wie das im Detail aussehen werde, verriet Sümer nicht.

Aktifbank will im Fußball kräftig mitmischen

Daneben scheint das Bankhaus das Fußballgeschäft über Passolig hinaus als neue Spielwiese für sich entdeckt zu haben. Laut Sümer habe man bereits daran gedacht, einen belgischen Verein zu kaufen, um Nachwuchsspieler aufzubauen. Die Verhandlungen seien jedoch gescheitert. Allerdings habe man nun genug Fußball-Kompetenz im Haus. Deshalb wolle man die Vereine bei der Kaderplanung beraten und für diese Transferverhandlungen führen. Ob man sich auch an Spielern beteiligen wolle, wurde nicht thematisiert. Fakt ist, dass die FIFA jüngst den Verkauf von Spielerrechten an Drittparteien verboten hat, um Vereine nicht von Geldgebern abhängig zu machen. Allerdings gibt es in diesem Bereich jede Menge Schlupflöcher. Sümer ist jedenfalls von seinem Team an Fußballmanagern ganz angetan: „Wir haben sehr kompetente Manager im Haus. Fikret Orman wollte einen sogar zu Besiktas transferieren“, frohlockte der Bankmanager.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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