Klassik für Syrien: Russischer Dirigent Gergiev tritt in Palmyra auf

Russland hat im syrischen Palmyra ein Symphonie-Konzert organisiert. Damit sollte ein kultureller Akzent gegen den Krieg und die Zerstörung gesetzt werden. Als Dirigent wirkte der Chef der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev.

Valery Gergiev dirigiert in Palmyra. (Screenshot: Youtube)

Valery Gergiev dirigiert in Palmyra. (Screenshot: Youtube)

Mit einem Symphoniekonzert in der antiken Oasenstadt Palmyra hat Syriens enger Partner Russland ein kulturelles Zeichen zu setzen versucht. Für den Auftritt im römischen Amphitheater des Unesco-Weltkulturerbes war das Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters nach Syrien geflogen. Präsident Wladimir Putin nannte das Konzert unter Leitung von Dirigent Valery Gergiev in einer Videobotschaft eine «wunderbare humanitäre Aktion».

Syrische Einheiten hatten Palmyra mit russischer Militärhilfe Ende März aus der Hand der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. In der historischen Stätte hatte der IS wertvolle antike Zeugnisse zerstört.

Als Zuhörer saßen russische und syrische Soldaten sowie Einwohner und Journalisten auf den steinernen Rängen im Halbrund. Während des stimmungsvoll inszenierten Auftritts war kurz der Lärm eines Kampfhubschraubers im Hintergrund zu hören. «Das Konzert hat mir sehr gut gefallen», sagte der syrische Oberst Muhammad Suleiman der Deutschen Presse-Agentur. Er hat Ingenieurswissenschaften in Moskau studiert und war mit einer Gruppe Offiziersanwärter gekommen, die von russischen Experten im Minenräumen unterrichtet werden.

Das russische Staatsfernsehen zeigte die Aktion mit dem Titel «Ein Gebet für Palmyra» zeitversetzt. Putin sagte in seiner Botschaft aus Sotschi, er empfinde das Konzert als Zeichen der Hoffnung und als Erinnerung an alle Opfer des Terrors. Die moderne Zivilisation müsse den internationalen Terror, «diese schreckliche Plage», loswerden.

Unter der Leitung von Gergiev, der als enger Vertrauer Putins gilt, spielten die Musiker auch Werke von Johann Sebastian Bach und Sergej Prokofjew. «Ich hätte nie gedacht, einmal hier aufzutreten. Es ist schwierig, die Gefühle in Zaum zu halten», sagte der Dirigent, der seit 2015 als Chef der Münchner Philharmoniker arbeitet. Das Konzert sei auch ein Protest gegen Barbarei. «Es ist Musik der Hoffnung», meinte der 63 Jahre alte Gergiev am Donnerstag.

Unter den Musikern war auch der Cellist Sergej Roldugin. Sein Name war auf den Panama Papers aufgetaucht. Bisher ist Roldugin kein Fehlverhalten nachgewiesen worden.

Der Kreml entsandte schon mehrere Künstler zu Auftritten nach Syrien. So trat unter anderem der Sänger Iosif Kobson vor russischen Soldaten auf der Luftwaffenbasis Hamaimim auf.

Gergiev hatte nach dem Krieg zwischen Russland und Georgien im August 2008 bereits mit einem Auftritt für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Damals gab er in der stark zerstörten südossetischen Hauptstadt Zchinwali ein Freiluft-Benefizkonzert mit Werken von Dmitri Schostakowitsch und Peter Tschaikowski für die Opfer des Konflikts. Gergiev stammt aus einer ossetischen Familie.

Die russische Luftwaffe hatte die Befreiung Palmyras durch die syrische Armee mit Bombenangriffen unterstützt. Ende März schickte Moskau dann Spezialkräfte mit Spürhunden und modernem Suchgerät nach Syrien, um beim Räumen von Minen in der Stadt zu helfen.

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