Medien sprechen von Pereira-Abschied

Die türkischen Medien gehen fest von einem Trainerwechsel aus, doch die Fenerbahce-Verantwortlichen lassen sich bis jetzt noch nicht in die Karten schauen. In der Kritik steht auch Präsident Aziz Yildirim, der inzwischen viel Rückhalt beim eigenen Anhang verloren hat.

Und täglich grüßt das Murmeltier! Kaum hat eines der Istanbuler Großklubs die Meisterschaft verpasst, beginnt in der türkischen Medienlandschaft die große Trainerdebatte. Wie bereits im vergangenen Jahr, trifft es diese Saison erneut Fenerbahce. Bei Ex-Trainer Ismail Kartal war die Trennung zum Saisonende bereits vor der Entscheidung im Titelkampf beschlossene Sache, bei Vitor Pereira könnte hingegen die 1:2-Niederlage am Montag das Fass bei den Fenerbahce-Verantwortlichen zum Überlaufen gebracht haben.

Lig TV bestätigt sogar die Trennung – und verweist auf Lucescu!

Das meinen derzeit zumindest die türkischen Presseanstalten, angeführt vom Pay TV-Sportkanal „Lig TV“. Demnach habe sich der Fenerbahce-Vorstand nach dem wohl verlorenen Meisterschaftsrennen geeinigt, mit einem neuen Trainer in die neue Saison zu gehen. Damit nicht genug, hat „Lig TV“-Moderator Sansal Büyüka bereits behauptet, dass man sich mit Mircea Lucescu auf eine Zusammenarbeit ab der kommenden Spielzeit geeinigt habe. Steht bei den Gelb-Marineblauen nun also der nächste Trainerwechsel bevor?

Pokalfinale richtungsweisend für Pereiras Zukunft bei „Fener“

Wer Vereinspräsident Aziz Yildirim in den letzten Wochen aufmerksam zugehört hat, wird festgestellt haben, dass der Klubboss (noch?) am Portugiesen festhält und nicht zwingend dieses Jahr die Meisterschaft einfordert. Wie es im Innenleben des umstrittenen Yildirim aussieht, lässt sich allerdings nur erahnen. Fakt ist, dass Fenerbahce die Saison nach dem vorzeitigen Aus in der UEFA Europa League, dem vermeintlich verlorenen Titelrennen und einer möglichen Endspielniederlage im Pokal gegen Galatasaray erneut ohne Titel beenden könnte. In diesem Fall wäre Pereira mit Sicherheit nicht mehr zu halten. Aber davon auszugehen, dass man mit dem Portugiesen bereits abgeschlossen hat, hat sich nach GazeteFutbol-Informationen nicht bestätigt und ist derzeit nur eine folgerichtige Spekulationswelle der Medien nach dem 1:2 bei Basaksehir.

Fehleinschätzung! Die Transferbilanz sah schon schlechter aus

Doch nicht nur Pereira steht bei den Fenerbahce-Fans zum Teil heftig in der Kritik. Auch der gesamte Vorstand um Aziz Yildirim erfährt seit Beginn der Rückrunde heftigen Gegenwind und muss sich mehr denn je unangenehme Fragen stellen lassen. Die Differenz bei den Transferausgaben in Höhe von minus 21 Millionen Euro darf hier jedoch als kleinstes Argument geltend gemacht werden. Zum einen hat man das Transferjahr vergangene Saison mit etwas mehr als fünf Millionen Euro Gewinn abgeschlossen, zum anderen wurden in den beiden Jahren (vor der Saison 2014/15) noch mehr Transferverluste eingefahren als dieses Jahr.

Der Alleinherrscher: Yildirim duldet keinen Widerspruch

Gegen Yildirim sprechen vor allem die Strukturen im Verein, die der langjährige Präsident „akribisch“ aufgebaut hat. So hat Yildirim bei sämtlichen Entscheidungen das letzte Wort, auch bei der Personalie Robin van Persie hat Yildirim wohl eingegriffen und den Niederländer dauerhaft in die Startformation befördern lassen. Bei den Entlassungen von Ex-Sportdirektor Terraneo, den Ex-Trainern Kartal, Aykut Kocaman und Ersun Yanal, sowie Kapitän Alex de Souza hat Yildirim ebenfalls tatkräftig mitgewirkt und die Entscheidungen quasi im Alleingang getroffen.

Ära Yildirim: Erfolge quer durch sämtliche Sportzweige

Die Argumente der Befürworter Yildirims dürfen jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Der Klubboss befindet sich bereits im 18. Amtsjahr und hat den Verein in dieser Zeit zu einem international angesehenen Sportverein geformt. Neben den Erfolgen der ersten Mannschaft in der Süper Lig, die zweifelsohne vorhanden sind, haben die weiteren Sportbranchen im Basketball, Volleyball, Tischtennis, etc. zahlreiche nationale und internationale Titel eingefahren und Fenerbahce in bestimmten Sportzweigen zur Weltmarke aufsteigen lassen. Dazu kommt der finanzielle Erfolg mit den FENERIUM-Fanstores, die von der Produktvielfalt her sogar denen des FC Barcelona überlegen sind und türkeiweit ihresgleichen suchen.

Spricht die sportliche Bilanz für oder gegen den Klubboss?

Für den klassischen „Großklub-Fan“ zählen jedoch nur Titel – und das vorrangig in der Spor Toto Süper Lig. Doch auch hier hat Yildirim einiges vorzuweisen: In bislang 18 Jahren gab es sechs Meisterschaften, acht Mal wurde man Vizemeister und hat seit 2009 nie schlechter als Platz 2 abgeschnitten. Für den Machtmenschen Aziz Yildirim eine ausreichende Bilanz, um immer noch im Amt zu bleiben. Für viele Fenerbahce-Anhänger inzwischen nicht mehr.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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