Krebsforschung: Uniklinik Würzburg startet Crowdfunding

Das Würzburger Uniklinikum will die Immuntherapie gegen Krebs mit eigenen neuartigen Antikörpern voranbringen. Die HemiBodies sollen weiterentwickelt werden. Um dies zu finanzieren, versucht sich das Klinikum nun an einer Crowdfunding Kampagne.

Dr. Boris Nowotny an einem vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ finanzierten Chromatographie-Gerät. Die 40.000 Euro teure Maschine bereitet Proteine für die Herstellung von HemiBodies auf. (Foto: Universitätsklinikum Würzburg)

Dr. Boris Nowotny an einem vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ finanzierten Chromatographie-Gerät. Die 40.000 Euro teure Maschine bereitet Proteine für die Herstellung von HemiBodies auf. (Foto: Universitätsklinikum Würzburg)

Der Verein Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V. hat für ein Forschungsprojekt der Uniklinik Würzburg einen neuen Weg eingeschlagen. Ähnlich wie Start-ups wollen sie versuchen, mittels Crowdfunding eine Million Euro für eine vielversprechende Krebstherapie-Forschung einzusammeln: www.helpingisbeautiful.de. „Bei unserem ersten Crowdfunding-Projekt fordern wir die Öffentlichkeit gleichsam auf, in die eigene Gesundheit zu investieren“, sagt Gabriele Nelkenstock, die Gründerin des Vereins. „Wir glauben, dass Crowdfunding nicht nur eine zeitgemäße Art der Spendenakquise ist, sondern für viele Menschen und Unternehmen auch eine moderne Form, sich mit einem Thema zu identifizieren und Teil der Lösung einer großen, gesellschaftlichen Aufgabe zu werden“, sagt Nelkenstock. Die Crowdfunding-Aktion läuft auf Spendenbasis. Eine direkte Gegenleistung, wie man sie von anderen Aktionen kennt, gibt es nicht.

Hintergrund der Aktion ist die sogenannte Immuntherapie. Hierbei geht es um eine Neuausrichtung des Immunsystems, damit es selbst die Tumorzellen ausmerzen kann. Allerdings treffen zwar viele der verfügbaren Wirkstoffe die Krebszellen sehr hart, können aber leider nicht zwischen Tumorzellen und dem umliegenden, gesunden Gewebe unterscheiden“, so Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg. „In der Folge kann es zu teils schweren, unter Umständen auch lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen. In solchen Fällen müssen wir die Therapie stoppen – und die Krebszellen können weiterwachsen.“

Seit 2010 arbeiten deshalb Forscher des Uniklinikums an einer neuen Antikörpertherapie, die in der Lage ist, den Krebs so präzise zu attackieren, dass kein gesundes Gewebe geschädigt wird:

„Diese weltweit einzigartigen Antikörper werden HemiBodies genannt. Sie besitzen, durch das Erkennen von zwei verschiedenen Antigenen/Erkennungsmotiven auf der Oberfläche der Tumorzellen eine extrem erhöhte Spezifität. Somit werden nur doppelt Antigen-positive Tumorzellen durch das körpereigene Immunsystem zerstört, das gesunde Gewebe wird verschont.“

Thomas Bumm, der Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe, verweist darauf, dass die maßgeschneiderten Eiweißmoleküle das Immunsystem des Patienten so aktivieren, dass es den Tumor zielgerichtet zerstört. Zudem könne die HemiBody-Technologie auf jede Tumorerkrankung zugeschnitten werden. „Die HemiBodies produzieren wir in unserem Labor am Uniklinikum Würzburg selbst. Die technischen Anforderungen hierfür sind enorm“, so Bumm. „Keine andere Arbeitsgruppe weltweit hat diese Art von Antikörperfragmenten jemals hergestellt oder getestet“, sagt auch Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg. „Unser Ziel ist es, diese vielversprechende Immuntherapie in Würzburg weiterzuentwickeln und in vier bis fünf Jahren in die klinische Anwendung zu bringen.“ Dafür starten die Wissenschaftler im Rahmen des Vereins nun die Crowdfunding-Aktion.

Den Beteiligten zufolge gibt es auch Anfragen amerikanischer Biotech-Firmen, die diese entwickelte Technologie einkaufen wollen. Man wolle jedoch die Weiterentwicklung bis hin zum klinischen Einsatz in Würzburg durchführen. „So soll unter anderem sichergestellt werden, dass das Medikament beim Patienten ankommt und die große Potenz dieser Therapiemöglichkeiten auch klinisch geprüft werden kann.“ Dafür benötige man jedoch finanzielle Unterstützung.

„Im Gegensatz zu der mit öffentlichen Mitteln gut geförderten Grundlagenforschung gibt es für die translationale Forschungsförderung noch großen Nachholbedarf“, sagt Matthias Frosch, der Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg. Die Grundausstattung der Universitäten und Medizinischen Fakultäten werde immer knapper, sodass auch für extern geförderte Projekte zunehmende Engpässe in der Co-Finanzierung aus Haushaltsmittel bestünden.

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