England vs. Türkei – eine lange Geschichte

Schon in den Anfängen des türkischen Fußballs waren Engländer im Spiel. Morgen trifft die türkische Nationalmannschaft nach 13 Jahren wieder einmal auf die "Three Lions". Es wäre Zeit für einen Sieg. Gazetefutbol blickt zurück auf die gemeinsame Fußball-Vergangenheit.

Der türkische Fußball und England – das hat eine lange Tradition. Fred Pagnam hat darin eine besondere Rolle. Der einstige Angreifer übernahm 1931 die Mannschaft von Galatasaray als Cheftrainer. Es war nach einer langen aktiven Karriere beim FC Watford erst sein zweiter Trainerjob. Pagnam hatte aber kein Glück. Der aus Lancashire stammende Coach durfte aufgrund von Streitigkeiten zwischen den „Löwen“ und dem Verband nicht an den Istanbuler Stadtmeisterschaften teilnehmen. Das war damals der höchste Wettbewerb für die Klubs vom Bosporus, eine landesweite Liga gab es noch nicht. Der Streit hinderte den türkischen Verband aber nicht daran, Pagnam 1932 zum Nationaltrainer zu machen. Der Brite blieb vom Pech verfolgt. Gegen damals sehr starke Ungarn, aber schlagbare Bulgaren gab es zwei Niederlagen. Pagnam hatte genug, der TFF hatte genug. Nach einigen Stationen in den Niederlanden kehrte der Trainer mit seiner holländischen Frau in die Heimat zurück und betrieb dort bis zu seinem Tod ein Pub. Mit Peter Molloy (1948/49) und Jimmy McCormick (1950) sollten noch zwei weitere englische Trainer das Zepter auf der türkischen Bank schwingen. Große Erfolge durften sie aber auch nicht feiern. McCormick sollte gegen Israel gewinnen und gegen die Schweiz verlieren. Molley holte immerhin drei Siege aus sieben Partien, teilweise aber mit der U21, für die er ebenfalls zuständig war.

England brachte den Fußball in die Türkei

Fred Pagnam war nicht der erste Engländer im türkischen Fußball. Vielmehr waren die Insulaner von Anfang an dabei. Im Osmanischen Reich verbreiteten britische Einwanderer (wie fast überall auf der Welt) den Fußball und machten ihn unter Türken populär. In Izmir waren das in den 1890er Jahren die Familien Whittal und Charnaud. Aus ihrem Freizeitspaß entstanden die ersten Vereine der Ausländer in der Ägäismetropole. In Istanbul wiederum gilt der F.C. Wien als einer der ersten Klubs, der trotz des österreichischen Namens maßgeblich von zwei Engländern mitgegründet wurde. Sie dominierten die frühen Jahre des Fußballs in der Türkei. Im Osmanischen Reich war Fußball zunächst nur westlichen Ausländern und nichttürkischen Muslimen erlaubt. Der Sultan vermutete überall da Oppositionelle, wo mehr als drei Türken die Köpfe zusammenstecken. Die Angst vor einer Revolution war allgegenwärtig. Das ist auch der Grund, warum Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce heimlich gegründet wurden. Die ersten drei rein türkischen Fußballvereine waren zunächst allesamt illegal. Im Jahr 1904 spielten aber bereits vier ausländische Vereine in Istanbul. Während in Izmir erste Ligaspiele ausgetragen wurden, folgte die damalige Hauptstadt mit der „Sonntags-Liga“. An jedem Sonntag trafen sich die Ausländer zum Kicken. Präsident dieser ersten Istanbul Futbol Liga wurde James Lafontaine. Aus der Heimat England schaffte der eigens einen Silber-Pokal heran, der nach zehn Jahren dem Meisterschaftsbesten übergeben werden sollte. Gespielt wurde auf der sogenannten Priester-Wiese („Papazin Cayiri). Dort befindet sich heute das Ülker-Stadion von Fenerbahçe.

Erstes Länderspiel 1984

Im Laufe der Jahre gab es zwar bei türkischen Klubs immer wieder englische Trainer, dennoch dauerte es bis 1984, ehe es zum ersten Länderspiel kam. Die Türkei ging bei diesem WM-Qualifikationsspiel unter. Cheftrainer Candan Tarhan kassierte im Inönü-Stadion ein 0:8. Es ist bis heute die höchste Niederlage einer türkischen A-Nationalelf. Im türkischen Team standen damals Spieler wie Yusuf „Rambo“ Altintas, der Vater von HSV-Juwel Batuhan, der später beim BVB auftrumpfende Erdal Keser oder auch Ridvan Dilmen, damals bei Sariyer aktiv. Sie hatten keine Chance gegen John Barnes, Terry Butcher, Peter Shilton und Co. Das Rückspiel auf der Insel verlief etwas besser, die Türkei musste „nur“ ein 0:5 hinnehmen.

Noch kein einziges Tor

Die Gesamtbilanz ist desaströs. In acht Partien, alles Pflichtspiele übrigens, gab es kein einziges türkisches Tor. Lediglich zwei der Duelle endeten mit einem torlosen Remis: 1987 unter Cheftrainer Mustafa Denizli, der die Türkei 1996 zur ersten EM-Endrunde führte. Und 2003 unter Senol Günes, da war die Milli Takim aber Weltranglistendritter. Morgen steigt dann das erste Freundschaftsspiel in der gemeinsamen Fußball-Historie. Hoffen wir, dass Fatih Terim und seine Mannen im City of Manchester Stadium mehr Glück und vor allem Erfolg haben. Ein türkischer Treffer hätte schließlich fußballhistorischen Wert. Ausgerechnet diesmal wird übrigens mit DFB-Mann Deniz Aytekin ein türkischstämmiger Schiedsrichter die Partie leiten.

Alle Spiele auf einen Blick

11.10.2003 Türkei 0-0 England (EM-Qualifikation)

02.04.2003 England 2-0 Türkei (EM-Qualifikation)

31.03.1993 Türkei 0-2 England (WM-Qualifikation)

18.11.1992 England 4-0 Türkei (WM-Qualifikation)

16.10.1991 England 1-0 Türkei   (EM-Qualifikation)

01.05.1991 Türkei 0-1 England (EM-Qualifikation)

14.10.1987 England 8-0 Türkei   (WM-Qualifikation)

29.04.1987 Türkei 0-0 England (WM-Qualifikation)

16.10.1985 England 5-0 Türkei   (WM-Qualifikation)

14.11.1984 Türkei 0-8 England (WM-Qualifikation)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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