Top-Ökonom: Glaubt den Eliten nicht, Weltwirtschaft ist auf Crash-Kurs

Der ehemalige Asien-Chefökonom von Morgan Stanley warnt vor schweren Krisen in der Weltwirtschaft. Die politischen Eliten würden alle Warnungen ignorieren. Sie reden sich die Lage schön und behaupten, die Lage sei nicht so schlimm. Als Beispiel der Unfähigkeit der politischen Führer nennt der Ökonom den völlig überflüssigen G7-Gipfel in Japan.

Der ehemalige Chefökonom für die Region Asien bei Morgan Stanley, Andy Xie, hat in einem zuerst in der South China Morning Post veröffentlichten Gastbeitrag scharfe Kritik am Zustand der Weltwirtschaft und an den führenden Eliten geäußert.

Sie seien nicht fähig oder gewillt, die gefährliche Entwicklung zu stoppen. „Vor der gegenwärtigen Zeitverschwendung namens G7-Treffen konnte die Arbeitsgruppe der G20 in Schanghai keine vernünftigen Vorschläge zur Ankurbelung der Weltwirtschaft machen und beschwerte sich stattdessen, dass die gegenwärtigen Gefahren nicht die ‚tiefer liegenden Fundamentaldaten der Weltwirtschaft‘ reflektierten. Der Ölpreis war seit Juni 2014 um 70 Prozent eingebrochen, der brasilianische Real hatte sich halbiert und der russische Rubel hatte 60 Prozent an Wert eingebüßt. Die Weltwirtschaft befindet sich am Rand einer weiteren Rezession und diese wichtigen Leute haben das alles auf eine Art psychologisches Problem der Wahrnehmung der Menschen geschoben.“

Tatsächlich „deuteten alle Anzeichen auf eine längere Periode der globalen Stagnation und Instabilität“ hin, schreibt Xie. Dafür macht Xie teilweise die expansive Geldpolitik verschiedener Notenbanken nach der Krise von 2008 verantwortlich. Diese massiven Finanzmittel hätten meist keine nachhaltige Wirkung auf die Realwirtschaft gehabt, sondern zu Preisblasen in verschiedenen Anlageformen wie Aktien und Immobilien geführt. Dadurch seien vor allem die wenigen Wohlhabenden immer reicher geworden, während der große Rest bestenfalls einige „Krümel“ des Geldsegens abbekommen hätte. „Der durch die expansive Geldpolitik erhoffte Wohlstandeffekt ist im kleinen Kreis der Wohlhabenden geblieben“, schreibt Xie.

Dort, wo massiv in die Wirtschaft investiert wurde, sei es häufig zum Aufbau von unproduktiven Überkapazitäten gekommen. Diese machen sich derzeit etwa in der europäischen Stahlindustrie bemerkbar, die unter dem hohen chinesischen Überangebot leidet. „China hat nach 2008 Gelder im Umfang von etwa 20 Billionen Dollar bereitgestellt, um den Bau von Fabriken und Wohnungen zu finanzieren. Doch eine Investition garantiert noch keine Nachfrage. China baute also noch mehr Fabriken, um Nachfrage für die eben erwähnte Fabrik zu generieren. Dieses Schneeballsystem konnte nicht lange funktionieren.“

Xie kritisiert, dass die chinesische Überproduktion überdies die Rohstoffpreise aufgebläht hat, was ebenfalls zu einem Schneeballsystem geführt habe. „Als die großen Zentralbanken die Zinsen auf Null gesetzt haben, sind Billionen von Dollar als Kredite in den Rohstoffbereich geflossen. Unternehmen in den Schwellenländern, die von den steigenden Rohstoffpreisen beeindruckt waren, liehen sich insgesamt 9 Billionen Dollar. Dieser Schuldenberg gründet auf einem Rohstoff-Schneeballsystem, welches seinerseits auf einem chinesischen Investitions-Schneeballsystem ruht. Sein Zusammenbruch ist erst der Beginn.“

Dass die Weltwirtschaft kurz vor einer Rezession stehe, sei außerdem das Resultat eines Systems falscher Anreize: „Nach der Finanzkrise von 2008 hat die amerikanische Regierung und die Federal Reserve Billionen von Dollar dafür ausgegeben, jene Leute zu retten, die die Krise erschaffen haben. Anstatt mit der Insolvenz und Gefängnis rechnen zu müssen, sind diese Leute so reich geworden wie nie zuvor. Wie vorauszusagen war, haben sie ihre Ressourcen dazu verwendet, das System noch mehr zu manipulieren.“

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