Türkische Mannschaft lässt sich von Terror-Hysterie nicht beeindrucken

Die türkische Mannschaft hat ihr EM-Quartier in Marseille bezogen. Von den jüngsten Meldungen über mögliche Angriffe während des Fußballturniers zeigten sie sich unbenommen. Ihre Türen für Besucher sollen weitestgehend geöffnet bleiben.

Mit dem 1:0-Testspielsieg über Slowenien im Gepäck, ist die türkische Nationalmannschaft am späten Montagnachmittag auf dem Provence-Flughafen in Marseille gelandet. Für die Zeit der EM wird die Mannschaft von Fatih Terim das südlichste Quartier aller Teams bewohnen: Im Golf Resort in Saint-Cyr-Sur-Mer Nähe Nizza werden sich die Rot-Weißen den allerletzten Schliff vor dem Auftakt gegen Kroatien am Sonntag (ab 15.00 Uhr) holen.

Der Aufenthalt der Türken in Saint-Cyr-Sur-Mer ist für den gesamten Turnierverlauf eingeplant, berichtet GazeteFutbol. Dort wird man sämtliche Trainingseinheiten absolvieren und einen Tag vor den anstehenden Gruppenspielen gegen Kroatien (Paris), Spanien (Nizza) und Tschechien (Lens) in die jeweiligen Städte reisen und die Vorbereitungen mit einem Abschlusstraining vor Ort abschließen. Die Übungseinheiten der Türkei werden entgegen den Erwartungen aber nicht immer als geschlossene Gesellschaft abgehalten. Das Training am Dienstag ist der Presse zugänglich, am Donnerstag dann auch den Fußballbegeisterten.

Dieser Umstand ist umso erfreulicher, als dass den französischen Sicherheitsbehörden derzeit eine pikante Entdeckung Sorgen bereitet: Bei einer Überprüfung wurden 82 Personen unter den Sicherheitsleuten ausgemacht, die entweder auf einer französischen Terror-Liste stehen oder bereits durch einschlägige Kriminalität in den links- und rechtsextremen Milieus auffällig geworden waren. Die Generaldirektion für Innere Sicherheit (ISB) habe insgesamt 3.500 Personen geprüft, berichtet Le Point. Die aufgetauchten Personen gehören entweder zu einer Terrorgruppe, wie der Islamische Staat (IS) oder haben eine Historie fragwürdiges Verhaltens oder extreme Überzeugungen, heißt es weiter.

Besondere Sorge bereitet den Behörden in diesem Zusammenhang die rechtsextreme Gruppe der Identitären, die sich dem Bericht zufolge auf Angriffe gegen türkische Fans vorbereiten. So sollen bereits T-Shirts mit der Aufschrift „Türkei nicht willkommen“ gedruckt.

Das Bundeskriminalamt sieht kurz vor Turnierbeginn keine konkrete Gefahr für Terror-Anschläge bei der Fußball-EM in Frankreich, so die dpa. Es gebe derzeit „keine Hinweise, die auf konkrete Anschlagsplanungen hindeuten“ , sagte BKA-Präsident Holger Münch der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Jüngsten Medienberichten, die unter Bezug auf interne BKA-Berichte vor Terror-Attacken bei der am 10. Juni beginnenden Europameisterschaft gewarnt hatten, widersprach Münch. Das BKA habe keine Terrorwarnung für die EM ausgesprochen, sondern lediglich eine Gefährdungsbewertung erstellt, betonte der BKA-Chef.

Allerdings habe man auf die Notwendigkeit hingewiesen, „einen sehr hohen Sicherheitsstandard zu gewährleisten und mit den französischen Behörden eng zusammenzuarbeiten“, fügte Münch hinzu. Dieser Vorgabe folge das BKA auch. Dennoch räumte Münch ein: „Es gibt immer Restrisiken.“

Die französische Regierung warnt seit Monaten vor hoher Terrorgefahr im Land. Seit den Anschlägen vom vergangenen November in Paris herrscht auch deswegen der Ausnahmezustand. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums hatte jüngst bestätigt, dass westliche Staaten wie Frankreich grundsätzlich im Fokus islamistischer Täter stünden.

Insgesamt sind bei der Euro 2016 rund 90.000 Mitarbeiter im Einsatz, davon 77.000 Polizeibeamte. Die Euro 2016-Spiele finden an zehn Stätten im Juni und Juli statt. Es ist das dritte Mal, dass Frankreich eine UEFA-Meisterschaft austrägt.

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