Erdogan nimmt überraschend nicht an Trauerfeier für Boxlegende Ali teil

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich kurzfristig gegen eine Teilnahme an der abschließenden Trauerfeier für Boxlegende Muhammad Ali in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky entschieden. Erdogan wollte bei der Trauerfeier eigentlich ein besonderes Geschenk auf Alis Sarg legen.

Louisville nimmt Abschied von Muhammad Ali. (Foto: Screenshot: Youtube, CNN)

Louisville nimmt Abschied von Muhammad Ali. (Foto: Screenshot: Youtube, CNN)

Erdogan sei bereits am Donnerstagabend (Ortszeit) nach einer muslimischen Gebetszeremonie wieder Richtung Türkei abgereist, teilte das Präsidialamt in Ankara mit. Hintergrund waren offenbar schwere Differenzen mit den US-Organisatoren der Feierlichkeiten.

Erdogan wollte nach Informationen der Nachrichtenagentur Dogan bei der Trauerfeier ein Stück des mit Koran-Versen verzierten Stoffes aus der großen Moschee in Mekka auf Alis Sarg legen. Der türkische Präsident sei sehr gekränkt, weil ihm dies nicht gestattet worden sei, berichtete die Hürriyet am Freitag unter Berufung auf Mitarbeiter Erdogans. Darüber hinaus wollten Erdogan und der sunnitische Geistliche Mehmet Gomez bei der Zeremonie Koran-Verse vortragen, was ihnen laut Dogan ebenfalls nicht erlaubt worden sei.

Die Tageszeitung Hürriyet und die Agentur Dogan berichteten, es habe während Erdogans Aufenthalt in Louisville auch Auseinandersetzungen zwischen Leibwächtern Erdogans und Vertretern des US-Geheimdienstes gegeben.

Muhammad Ali wird in der islamischen Welt verehrt, weil er 1964 zum Islam konvertierte und sich Zeit seines Lebens für einen toleranten und friedfertigen Islam einsetzte. Erdogan sagte während seines Aufenthalts in Louisville, der Boxer sei „von Sieg zu Sieg“ geeilt und sei „eine Stimme der Unterdrückten und Opfer“ geworden.

Mit der großen Trauerveranstaltung des verstorbenen Box-Champions Muhammad Ali nimmt seine Heimatstadt Louisville am Freitag Abschied von ihrem weltweit bekannten Helden. 22 000 Menschen werden allein zur vom kalifornischen Imam und Gelehrten Zaid Shakir geleiteten Gedenkzeremonie im KFC YUM! Center erwartet. Neben Angehörigen und langjährigen Freunden haben sich auch prominente Sportler und Politiker angekündigt, die Ali persönlich kannten.

Schon vor etwa zehn Jahren habe der dreifache Schwergewichts-Weltmeister, der für seinen leichtfüßigen, schwerelos wirkenden Boxstil berühmt war, über seine Beerdigung gesprochen, sagte Familiensprecher Bob Gunnell. „Das ist das Programm, das ich gern sehen würde, das alle einschließt, wo wir so vielen Menschen wie möglich die Gelegenheit geben, von mir Abschied zu nehmen“, habe Ali seinerzeit gesagt. Ali war vor einer Woche im Alter von 74 Jahren in Phoenix (Arizona) nach einem langen Kampf gegen Parkinson gestorben.

Schon am Mittwoch hatte die rund 615 000 Einwohner zählende Stadt Louisville erstmals ein Musik- und Kunstfestival mit dem Namen „I Am Ali“ (Ich bin Ali) veranstaltet. Am Donnerstag leitete Imam Shakir zudem eine Trauerfeier in muslimischer Tradition vor dem Begräbnis, auch das sei Ali laut Familiensprecher Gunnell wichtig gewesen. Ali war 1964 zum Islam übergetreten und lehnte seinen Geburtsnamen Cassius Clay, den er als Sklavennamen bezeichnete, damit ab.

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