EM 2016: Erinnerungen an das Drama von 2008

Vor acht Jahren haben sich Kroatien und die Türkei eines der dramatischsten Duelle der EM-Geschichte geliefert. An diesem Sonntag spielen sie bei der EM in Frankreich wieder gegeneinander. Die Erinnerung an 2008 ist auf beiden Seiten noch sehr präsent.

Für die türkischen Fußballfans wird es eine spannende EM. (Foto: Flickr/tetedelacourse/CC BY-SA 2.0)

Für die türkischen Fußballfans wird es eine spannende EM. (Foto: Flickr/tetedelacourse/CC BY-SA 2.0)

Das Fußballer-Leben des Ivan Rakitic verläuft schon seit Jahren wie in einem schönen Traum. Der frühere Schalker hat gerade mit dem FC Barcelona mal wieder die spanische Meisterschaft gewonnen. Champions League und Weltpokal waren davor an der Reihe. Jetzt will dieser strategisch ungemein kluge Mittelfeldspieler auch den EM-Titel mit Kroatien holen.

Doch gerade vor dem Auftaktspiel seines Teams am Sonntag gegen die Türkei (15.00 Uhr/ARD) kommen bei Rakitic wieder Erinnerungen hoch, die ihn seit mittlerweile acht Jahren peinigen. Denn bei der Europameisterschaft 2008 schieden die Kroaten gegen eben jene Türken auf eine irrsinnige, dramatische, davor und danach in der EM-Geschichte nie wieder gesehene Art und Weise aus. „Das war der schwierigste Moment meiner Karriere“, sagte Rakitic in einem „Kicker“-Interview. „Sowas möchte ich nicht noch einmal erleben.“

118 Minuten lang passierte damals nicht viel in jenem Viertelfinal- Drama von Wien. Dann köpfte Ivan Klasnic von Werder Bremen kurz vor dem Ende der Verlängerung das 1:0. Die Kroaten feierten ihren vermeintlichen Siegtreffer so ausgiebig, dass sie die Konzentration für die letzten Sekunden des Spiels völlig verloren. Die Türken schossen noch den Ausgleich, von diesem Schock erholten sich die Kroaten nicht mehr. Beim folgenden Elfmeterschießen scheiterten drei ihrer vier Schützen, auch Rakitic zählte dazu. „Dieses schlechte Gefühl werden wir nie wieder verlieren. Selbst wenn wir diesmal Europameister werden sollten“, sagte Verteidiger Vedran Corluka.

Bei der Revanche an diesem Sonntag in Paris sind auf beiden Seiten noch jeweils vier Spieler von damals mit dabei. Rakitic, Corluka, Luka Modric und Darijo Srna bei den Kroaten. Arda Turan, Mehmet Topal, Hakan Balta und Gökhan Gönül beim Gegner.

Dazu kommt noch Trainer Fatih Terim, der das beste Beispiel dafür ist, welches Selbstvertrauen die Türken noch acht Jahre später aus diesem Sieg ziehen. Wenn der impulsive und herrische Coach trotz einer nur äußerst glücklich zustande gekommenen Qualifikation schon beinahe großspurig in diese EM geht, dann hat das immer noch etwas mit dem denkwürdigen 20. Juni 2008 im Wiener Ernst-Happel-Stadion zu tun. „Die Türkei gibt niemals auf, das ist in unserer DNA“, sagte Terim. „Wir haben in der Vergangenheit schon das Halbfinale erreicht. Warum sollten wir es in Frankreich nicht bis ins Endspiel schaffen? Wenn wir gegen Kroatien gut starten, können wir weit kommen.“

Rakitic und Co. haben dagegen lange gebraucht, um den K.o. von 2008 zu verdauen. Mittlerweile setzen sie darauf, dass diese schmerzhafte Niederlage auch eine wertvolle Erfahrung war, die ihnen im weiteren Verlauf ihrer Karriere noch einmal helfen könnte.

Rakitic und sein kongenialer Partner Modric von Real Madrid waren damals noch die blutjungen Lehrlinge an der Seite von Haudegen wie Niko und Robert Kovac. Mittlerweile führen sie selbst eine sehr veranlagte Generation um Profis wie Mario Mandzukic (Juventus Turin), Marcelo Brozovic oder Ivan Perisic (beide Inter Mailand) an. Dieser Generation trauen Experten durchaus zu, endlich aus dem Schatten der früheren WM-Helden um Davor Suker zu treten.

„Es ist Zeit für Kroatien, endlich wieder etwas Großes zu erreichen. Wir wollen unser Volk stolz machen“, sagte Rakitic am Freitag. „Wir glauben an uns und wir haben eine gute Kombination aus erfahrenen und jungen Spielern, die fast alle bei großen Clubs in Europa spielen.“ Und was ist mit der Revanche für 2008? „Ich möchte diese Erinnerung an die Türkei beenden und durch etwas Positives ersetzen“, meinte er.

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