Vor Tschechien-Spiel: Türkei vor dem Zerfall

Die türkische Nationalmannschaft ist bei der EM in einem desaströsen Zustand. Die sportlichen Leistungen lassen ohnehin zu wünschen übrig, doch auch innere Querelen scheinen an Fatih Terims Denkmal zu kratzen - seine Ära könnte nach dem Tschechien-Spiel beendet sein.

Ablenkungen, Streit, ja sogar von Intrigen ist in der türkischen Presse zu lesen, wenn über die beiden desaströsen Leistungen der Türkei bei der UEFA EURO 2016 gegen Kroatien (0:1) und Spanien (0:3) berichtet wird. Angeblich gibt es Unstimmigkeiten unter den Leistungsträgern innerhalb der Mannschaft, Mittelfeldspieler Selcuk Inan würde gemeinsam mit China-Legionär Burak Yilmaz offen gegen Kapitän Arda Turan wettern und ihm aus dem Weg gehen. Nationaltrainer Fatih Terim selbst sei längst nicht mehr unumstritten, von bewusster Leistungsverweigerung einiger Spieler ist die Rede. Keine guten Vorzeichen für das letzte Gruppenspiel gegen Tschechien am Dienstagabend (21 Uhr).

Fiasko von 1996 droht sich zu wiederholen

Theoretisch können die Türken noch immer als einer der vier besten Gruppendritten das Achtelfinale erreichen – vorausgesetzt, gegen Tschechien gelingt ein hoher Sieg und die Partien in den anderen Gruppen verlaufen zugunsten der Türkei. Das erscheint aber unrealistisch, haben sich die Tschechen bislang gegen Spanien (0:1) und Kroatien (2:2) als homogene Mannschaft mit viel Moral präsentiert. Wahrscheinlicher ist dagegen, dass sich das Fiasko von der EM 1996 wiederholt, als die Türkei punkt- und torlos in England ausgeschieden ist. Trainer damals wie heute: Fatih Terim.

Terims Ära neigt sich dem Ende zu

Der „Imparator“ hat es nicht geschafft, eine Spielidee oder gar Handschrift zu hinterlassen, obwohl er im Vorfeld der EM wochenlang Zeit dazu hatte. Seine unsinnige Kadernominierung, als er die gestandenen und allen voran formstarken Bundesliga-Legionäre Ömer Toprak (Bayer Leverkusen) und Aytac Sulu (SV Darmstadt 98), immerhin hochmotiviert und torgefährlichster Innenverteidiger Europas, komplett außen vor gelassen hat, um dann in der Endrunde Abräumer Mehmet Topal ins Abwehr-Zentrum zu stellen, sorgen für weiteres Kopfschütteln. Die Kritik wächst, nicht wenige fordern einen neuen System-Trainer wie Abdullah Avci (Medipol Basaksehir) oder Ertugrul Saglam (vereinslos), Meistertrainer 2010 mit Bursaspor. Terim selbst liebäugelt ohnehin mit einem erneuten Engagement bei Galatasaray (GazeteFutbol berichtete bereits), bei dem Verein, wo er als höchste Instanz anerkannt wird und seine größten Erfolge feierte.

WM-Quali beginnt schon bald: Tschechien der vorerst letzte Endrunden-Gegner?

Am ersten Trainingstag nach dem Spanien-Debakel ließ Terim verschiedene Spielsituationen üben, den Abschluss bildeten Laufeinheiten und ein lockeres Spiel auf zwei Tore. Mittelfeldspieler Nuri Sahin (Borussia Dortmund) hat nur ein verkürztes Training absolviert, er soll aber gegen Tschechien einsatzbereit sein. Die Begegnung könnte das letzte türkische Endrunden-Spiel für längere Zeit sein, denn schon im September beginnt die knochenharte Qualifikation für die FIFA WM 2018 in Russland. Die Türkei trifft dort erneut auf EM-Gegner Kroatien, dazu auf die anderen EM-Teilnehmer Ukraine und Island sowie auf Finnland und Debütant Kosovo. Da nur der Gruppensieger nach Russland fliegt und der Zweitplatzierte in nervenaufreibende Play-Offs gehen muss, scheint eine WM-Qualifikation der Türkei unter aktuellen Vorzeichen undenkbar.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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