Schlacht um Aleppo: Russland verstärkt Luftangriffe

Die russische Luftwaffe führt seit vier Tagen großangelegte Luftschläge gegen Islamisten-Söldner in Aleppo durch. Doch die Kämpfe sind schwieriger als gedacht. Auch die Amerikaner müssen sich mit Gegenangriffen der Islamisten herumschlagen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag hat die russische Luftwaffe ein großangelegtes Bombardement auf den Westen von Aleppo ausgeführt. Es wurde Ziele von Islamisten-Söldnern zwischen der Anadan-Ebene und Anjarah getroffen. Nach Angaben von Al-Masdar News wird West-Aleppo seit vier Tagen durchgehend von der russischen Luftwaffe bombardiert.

Syria Deeply hatte zuvor Interviews mit verschiedenen hochrangigen Analysten zur strategischen Wichtigkeit Aleppos geführt. Frederic Hof, Analyst beim Atlantic Council, sagte dem Analyse-Portal: „Eine Eroberung Aleppos durch das Assad-Regime würde die Situation verschlechtern. Es gibt keine Hinweise dafür, dass Moskau Syrien verlassen wird. Die Art der russischen Militärkampagne lässt vermuten, dass Präsident Wladimir Putin – in der Hoffnung, dass Washington Assad umarmt und auf einen Regimewechsel verzichtet – alle Alternativen zu Assad und ISIS neutralisieren möchte. Es ist nicht undenkbar, dass Putin Erfolg damit haben könnte.“

Dmitri Trenin vom Carnegie Moscow Center sagt, dass Aleppo ein „Game-Changer“ im Syrien-Konflikt sein könnte. Der Ausgang der Schlacht von Aleppo könnte entweder zu einem nachhaltigen Waffenstillstand oder zu einer Ausweitung des Kriegs unter Einbeziehung der Türkei und Saudi-Arabien führen. Entscheidend sei, ob die USA und Russland kooperieren können, um sowohl die syrische Seite als auch die regionalen Mächte von einer politischen Lösung des Konflikts zu überzeugen.

Für Hassan Hassan vom Tahrir Institute for Middle East Policy war bereits die russische Intervention ein „Game-Changer“ im Syrien-Krieg. Die Intervention habe zu einer eindeutigen Mächteverschiebung geführt. Die Kalkulationen und strategischen Ziele der „Opposition“ wurden sehr stark beeinflusst. Ihr Ziel, Assad zu entfernen, ist nicht mehr so realistisch wie zuvor.

Syrien habe mit Hilfe der Russen Erfolge erzielen können. „Doch das Regime wird Aleppo nicht erobern können. Das gilt als sicher. Wenn sie einen Blick auf Aleppo werfen, werden sie erkennen, dass Luftangriffe auf den Osten Aleppos, der von der Opposition kontrolliert wird, sehr schwierig geworden sind“, meint Hassan.

Das „Regime“ habe schlichtweg zu wenige Soldaten, um große Teile Syriens zurückzuerobern. Das sei der Unterschied zum Jahr 2012. Die Möglichkeiten der syrischen Bodentruppen, aber auch der Russen seien begrenzt.

Auch die mit den Russen kooperierenden Amerikaner tun sich offenbar schwer, die Islamisten zurückzudrängen.

Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben mehreren Berichten zufolge in Syrien Angriffe auf die von ihnen kontrollierten Städte Manbidsch und Tabka zurückgeschlagen. Reuters berichtet unter Berufung auf die Beobachtungsstelle für Menschenrechte, bei Manbidsch hätten die IS-Kämpfer einen Gegenangriff gestartet und der von den USA unterstützten Miliz Syrische Demokratische Streitkräfte (SDF) Verluste zugefügt. Der IS habe drei Dörfer südliche der belagerten Stadt zurückerobert. Die SDF wurde im vergangenen Jahr aus arabischen Kämpfern und einer kurdischen Miliz gebildet. Die USA unterstützen sie mit Luftangriffen und Militärberatern. Ein SDF-Sprecher sagte, der Gegenangriff des IS sei inzwischen abgewehrt worden. Die SDF halte ihre Positionen am Stadtrand.

Weiter im Süden hat der IS die Truppen der syrischen Regierungsarmee zurückgedrängt, die bis auf zehn Kilometer an die strategische wichtige Stadt Tabka herangerückt waren. Die Soldaten werden von der russischen Luftwaffe unterstützt. Tabka liegt am Euphrat in der Provinz Rakka auf dem Weg in die gleichnamige Stadt, die faktisch die Hauptstadt des IS in Syrien ist. Tabka und der dortige Luftwaffenstützpunkt sind seit 2014 in der Hand der IS-Extremisten. Ein syrischer Journalist bei den Regierungstruppen bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Extremisten einige kürzliche verlorene Gebiete zurückerobert haben.

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