Sieg gegen Tschechen: Die Türkei lebt noch

Die Türkei hat mit einer überzeugenden kämpferischen Leistung Tschechien mit 2:0 niedergerungen und sich die Chance aufs Achtelfinale bei der EURO 2016 bewahrt. Nun muss man auf die Gruppen am Mittwoch hoffen. Arda Turan konnte sich zudem mit den Fans versöhnen.

Die Ausgangslage vor diesem Spiel war klar. Ein Unentschieden würde das automatische Ausscheiden beider Teams bedeuten. Deshalb mussten beide Mannschaften auf Sieg spielen. Nationaltrainer Fatih Terim nahm nach den ersten beiden schwachen Auftritten der türkischen Mannschaft drei Veränderungen in der Startelf vor. So rückte Ismail Köybasi für Caner Erkin ins Team. Hakan Calhanoglu und Oguzhan Özyakup mussten ihre Plätze für die beiden Flügelflitzer Emre Mor und Volkan Sen räumen. Beim Gegner Tschechien musste Kapitän Tomas Rosicky ersetzt werden. Der Spielmacher und Anführer der Mannschaft hatte sich im Spiel gegen Kroatien ohne gegnerische Einwirkung einen Muskelfaserriss zugezogen. Im Zentrum begann deshalb Darida, zudem gab es drei weitere Veränderungen.

Frühes Tor verschafft keine Ruhe

Die erste Halbzeit begann mit viel Bewegung, aber zunächst ohne große Chancen. Nach zehn Minuten fuhr die Türkei dann den ersten Angriff. Emre Mor setzte sich auf der linken tschechischen Abwehrseite durch. Seine Hereingabe verarbeitete Burak Yilmaz per Direktabnahme zur Führung. Das war das erhoffte frühe Tor. Für Burak war es bereits der 21. Länderspieltreffer. Damit zieht der Angreifer mit Lefter Küçükandonyadis gleich, der Fenerbahce-Legende aus den 1940er und 1950er Jahren. Die türkischen Fans im Stadion waren nun in Hochstimmung. Auf der anderen Seite stand Tschechien nun mächtig unter Druck. Schließlich brauchten sie nun mindestens zwei Tore, um ins Achtelfinale einziehen zu können. Die Tschechen wirkten nach dem Gegentor zunächst verunsichert, zeigte aber dann bei einem Eckball ihre Standardqualitäten. Bursaspors Tomas Sivok köpfte den Ball an den Pfosten. Da hatte Volkan Babacan Glück, die Ecke hatte der türkische Keeper allerdings zugemacht. In der Folge wurde das Spiel härter, Burak wurde unsanft gestoppt; danach nahmen die Tschechen zweimal Emre Mor ins Visier. Danach verschaffte sich dann Selcuk Inan Respekt gegen Plasil. Der schottische Schiedsrichter hatte aber alles im Griff. Die Tschechen versuchten nun das Spiel in den Griff zu bekommen, die Türkei setzte auf schnelle Gegenzüge. In Minute 24 steckte dann Dockal den Ball zu Kaderabek durch, der aber aus spitzem Winkel vergab. Die Tschechen waren nun wieder im Spiel. In der 31. Minute wurde es dann wieder vor Volkans Tor brenzlig. Kaderabek verpasste eine Weiterleitung von Tomas Necid nur knapp. Als es bei den Tschechen nicht so richtig voranging, versuchte es Plasil mal aus 20 Metern mit einem guten Schuss. Doch Babacan war auf dem Posten (37.) und wehrte den Ball zur Ecke ab. In der 44. Minute beging dann Pavelka ein taktisches Foul an Emre Mor, doch der Schiedsrichter zeigte dem bereits verwarnten Verteidiger leider nicht die zweite Gelbe Karte. Das wäre Pflicht gewesen. Mit der Führung ging es dann in die Halbzeit. Die Türkei war zu diesem Zeitpunkt übrigens noch lange nicht guter Dinge. Ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung musste her, um sich realistische Chancen aufs Achtelfinale bewahren zu können!

Ozan lässt die Türkei hoffen

Die Anfangsphase der zweiten Hälfte verlief ruhig, aber ohne Torchancen auf beiden Seiten. Die Tschechen brachten dann nach einer knappen Stunde Milan Skoda für den rot gefährdeten Pawelka ins Spiel. Doch kurz darauf hätte Emre Mor fast einen Konter erfolgreich abgeschlossen. Sein Schuss ging etwa einen Meter übers Tor. Auf der anderen Seite konnte Volkan Babacan einen Abschluss der Tschechen sicher festhalten. Auch Fatih Terim reagierte nun und brachte für den ausgepumpten und wohl leicht angeschlagenen Volkan Sen mit Oguzhan Özyakup einen zentralen Mittelfeldspieler in die Partie (60.). Kapitän Arda Turan rückte dafür in die offensivere Zehner-Position. Der hatte dann gleich eine große Chance, doch das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits. Es war keines, es war die zweite große Fehlentscheidung zu Ungunsten der Türkei. Arda wäre wohl allein auf Petr Cech zugelaufen. Und im Anschluss dann die Befreiung. Nach einer Hereingabe von Selcuk Inan gab es ein kleines Chaos am Fünfmeterraum. Mehmet Topal, der bei der Weiterleitung der Flanke möglicherweise im Abseits stand, spielte ab auf Ozan Tufan, der den Ball aus kurzer Distanz in den Winkel ballerte. Emre Mor war dann völlig k.o. und durfte Platz für Olcay Sahan machen (69.). Die Tschechen schienen nach dem zweiten Treffer zunächst tot. Drei Tore mussten sie nun schießen, um noch ins Achtelfinale einziehen zu können. Bei den Türken lief dagegen der Ball nun gut durch die eigenen Reihen. In der 75. Minute köpfte Arda dann den Ball nach einer Flanke von Gökhan Gönül übers Tor. Hier lag was in der Luft, bei einem 4:0 wäre die Türkei direkt ins Achtelfinale marschiert. Fatih Terim spürte, dass der Gegner völlig demoralisiert war. Doch ein Risiko blieb immer noch: ein 2:1 wäre wahrscheinlich zu wenig. Und kaum ärgerte sich der „Imparator“ über schlampig gespielte Konter, schon musste Babacan einen abgefälschten Schuss von Darida halten (80.). Und dann hat der eingewechselte Olcay die große Chance auf 3:0 zu erhöhen, doch der Ball ging knapp rechts am Tor vorbei – aus fünf Metern!

Alles drin!

Die Türkei hat sich damit die Chance aufs Achtelfinale bewahrt. Zudem konnte sich Kapitän Arda Turan mit den Fans versöhnen. Rechnerisch ist man nun an Albanien vorbeigezogen. Am morgigen Mittwoch wird sich entscheiden, ob es wirklich für die Runde der letzetn 16 gereicht hat.

Aufstellungen:

Tschechien: Petr Čech, Kadeřábek, Hubník, Tomas Sivok, Pudil, David Pavelka (56. Milan Skoda), Plašil, Krejčí, Darida, Dočkal (71. Josef Sural), Tomas Necid

Türkei: Volkan Babacan, Gökhan, Mehmet Topal, Hakan Balta, İsmail, Ozan Tufan, Selçuk İnan, Emre Mor (69. Olcay Sahan), Arda Turan, Volkan Şen 60. Oguzhan Özyakup), Burak Yilmaz (90. Cenk Tosun)

Tore: Burak Yilmaz (10., Emre Mor), Ozan Tufan (65. Mehmet Topal)

Gelbe Karten: 36. Plasil, 39. Pavelka, 87. Sural – 35. Ismail Köybasi, 49. Hakan Balta

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.de.

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