Aleviten-Massaker: Deutschland verweigert Auslieferung von Drahtziehern

Vor 23 Jahren wurden in der Stadt Sivas bei einem Pogrom 37 mehrheitlich Aleviten von radikalen Islamisten bei lebendigem Leibe verbrannt. Drei Drahtzieher flohen nach Deutschland. Die Türkei verlangt ihre Auslieferung. Doch Deutschland weigert sich.

Am 2. Juli 1993 starben insgesamt 37 Menschen im Madımak Hotel in Sivas, wo 33 von ihnen an einer Konferenz über den muslimisch-alevitischen Dichter Pir Sultan Abdal teilgenommen hatten. Das Gebäude wurde damals von einem radikalen Mob von Islamisten in Brand gesetzt, der gegen die Anwesenheit des Schriftstellers Aziz Nesin protestierte, der bekennender Atheist gewesen ist.

Unter den 51 Menschen, die dem Feuer damals entkommen konnten, war auch Autor Aziz Nesin. Unter den Getöteten waren jedoch der Schriftsteller Asim Bezirci, der Dichter und Sänger Nesimi Çimen, der Dichter Metin Altiok und der Folk-Sänger Hasret Gültekin. Seit den Ereignissen von damals wurden dutzende vor Gericht gestellt. Doch auf Grund von Verjährung wurden die Anklagen wieder fallen gelassen. Eine Entscheidung, die landesweit für Empörung sorgte.

Mehrere Islamisten, die zu den Drahtziehern des Anschlags gehören flohen nach Deutschland. Ihre Namen sind Murat Sonkur, Eren Ceylan ile Murat Karataş. Bis heute weigert sich Deutschland, die radikalen Islamisten an die Türkei auszuliefern. Ein Gericht in der Türkei hat kürzlich erneut ihre Auslieferung beantragt, berichtet die Zeitung Birgün. Der alevitische Kulturverein Pir Sultan Abdal in Ankara fordert seit Jahren die Auslieferung.

Die Haltung der deutschen Bundesregierung führt zu zahlreichen Spekulationen, die nicht nachgewiesen werden können. So behaupten diverse Stimmen aus Politik und Medien, dass das Pogrom in Sivas vom deutschen Geheimdienst angezettelt wurde, um die Türkei zu destabilisieren. Im Jahr 1993 galt Deutschland noch als Finanz- und Rekrutierungszentrum von Islamisten, die die säkulare Republik in der Türkei aushebeln wollten.

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