Neuer britischer Außenminister Johnson hat türkische Vorfahren

Die neue britische Premierministerin Theresa May ernennt den Brexit-Star Boris Johnson überraschend zum neuen Außenminister. Johnson kennt Brüssel aus seiner Zeit als Korrespondent und dürfte für die EU ein harter Verhandler werden. Interessant ist jedoch sein privater Hintergrund. Denn Johnson hat türkische Vorfahren.

Die Zeitung verkündet Johnsons Sieg. (Screenshot)

Die Zeitung verkündet Johnsons Sieg. (Screenshot)

Der Brexit-Anchorman Boris Johnson wird neuer britischer Außenminister. Das teilte das Büro von Premierministerin Theresa May am Mittwoch mit. Johnsons Einsatz galt als entscheidend für den Erfolg der Brexit-Kampagne. Der ehemalige Londoner Bürgermeister selbst hatte sich überraschend nicht für den Posten des Regierungschefs beworben. Die ehemalige Innenministerin May steht seit Mittwoch an der Spitze der britischen Regierung.

Johnson, der mit vollem Namen Alexander Boris de Pfeffel Johnson heißt und von seiner Familie immer noch „Al“ genannt wird, wurde 1964 in New York geboren und war bis vor kurzem amerikanischer Staatsbürger. Er hat, wie die BBC berichtete, türkische Vorfahren: Sein Urgroßvater Ali Kemal war Journalist und kurzzeitig Innenminister im Kabinett von Ahmed Tevfik Pasha, dem Großwesir des Ottomanischen Reichs. Ali Kemal wetterte gegen die türkische Befreiungsbewegung, die von Mustafa Kemal Atatürk gegen die Briten und Europäer geführt wurde, berichtet die Hürriyet. Er galt als Verräter und soll als Spion und Einflussagent für die Briten tätig gewesen sein.

Johnsons Großvater Osman Ali verließ die Türkei in den 1920er Jahren Richtung Großbritannien und änderte seinen Namen in Wilfred Johnson.

Johnson konnte seine Kenntnisse der Türkei nutzen: Im Zug der Böhmermann-Affäre gewann er den ersten Preis für das aggressivste Gedicht gegen Erdogan.

Die konservative britische Zeitschrift „The Spectator“ hatte den Aufruf aus Solidarität mit dem ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann gestartet. Der Sieger bekam tausend Pfund (1300 Euro).

Johnson legte sich laut dpa mit einem reimenden Fünfzeiler, einem sogenannten Limerick, ins Zeug. So sprach er unter anderem von einem „jungen Typen aus Ankara“, der sich mit einer Ziege „die Hörner abstieß“. Dem Magazin sagte Johnson, wenn jemand einen Witz über die Liebe zwischen dem türkischen Präsidenten und einer Ziege machen wolle, solle er dies in jedem europäischen Land tun dürfen, „auch in der Türkei“.

Böhmermann hatte in seiner Sendung ein ausdrücklich als „Schmähkritik“ angekündigtes Gedicht über Erdogan vorgetragen und es in den Kontext einer Diskussion über die Grenzen von Satire und Meinungsfreiheit gestellt. Erdogan geht seitdem juristisch gegen Böhmermann vor. Das Hamburger Landgericht hat Teile des Gedichts verboten.

Johnson bezeichnete die Ermittlungen gegen Böhmermann als „Skandal“. Die Zeitschrift „The Spectator“ bezeichnete es nun als „wunderbar“, dass ein britischer politischer Anführer gezeigt habe, dass Großbritannien nicht vor dem „vermeintlichen Kalifen in Ankara“ einknicken werde.

Ob die Entscheidung für den Gewinner unvoreingenommen gefällt wurde, darf allerdings angezweifelt werden – Johnson war früher Chefredakteur beim „Spectator“.

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