Handelsstart in Istanbul: Lira erholt sich, Aktien und Bonds geben nach

Am ersten Handelstag nach dem Putschversuch in der Türkei hat sich die Landeswährung Lira wieder erholt. Aktien und Anleihen hingegen mussten Abschläge verkraften. Mit Blick auf die Zukunft sind Beobachter gespalten – einige erkennen eine schnelle Erholung, während andere mit einer langfristigen Lähmung der Märkte rechnen.

Am ersten Handelstag nach dem gescheiterten Staatsstreich in der Türkei hat die Landeswährung ihre starken Verluste vom Freitag teilweise wieder wettgemacht. Der Kurs der Lira stieg am Morgen um 2,8 Prozent auf 2,93 Dollar, nachdem er am Freitag im späten Handel um etwa 4,6 Prozent eingebrochen war, berichtet Bloomberg. Eine befragte Analystin der Commerzbank geht davon aus, dass sich die Lira bis auf einen Kurs von etwa 2,90 Dollar erholen dürfte. Goldman Sachs hingegen rechnet damit, dass die Landeswährung in den nächsten drei Monaten auf einen Wert von 3,10 Dollar fallen wird.

Aktien und Anleihen standen dagegen unter Druck. Der Leitindex Borsa Istanbul 100 fiel um rund 2,9 Prozent und damit so stark wie seit drei Wochen nicht mehr. Besonders hart traf es Luftfahrtwerte wie Turkish Airlines oder den Billig-Flieger Pegasus, deren Aktien bis zu 6,5 Prozent verloren. In ihrem Sog gaben die in London notierten Touristik-Konzerne TUI und Thomas Cook bis zu 6,1 Prozent nach. Aktien der beiden türkischen Flughafen-Dienstleister Celebi und TAV büßten jeweils 6,6 Prozent ein.

Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg um 43 Basispunkte auf 9,52 Prozent – so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Rendite der bis 2036 laufenden türkischen Dollar-Bonds stiegen auf bis zu 5,052 von 4,882 Prozent. Gleichzeitig verteuerte sich die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets türkischer Anleihen gegen Zahlungsausfall um 16.000 auf 241.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Einige Investoren suchten Schutz in „sicheren Häfen“. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, gewann bis zu 31 Ticks auf 166,37 Punkte.

Wie sich der Markt weiter entwickeln wird, ist unter Beobachtern umstritten. „Die Preise werden für einige Zeit volatil sein, aber letztendlich werden die Investoren dies als Kaufgelegenheiten nutzen. Die wichtigste Frage bleibt, ob die Geschehnisse einen bleibenden Eindruck auf die türkischen Risikoprämien haben wird“, sagte die Commerzbank-Analystin. Goldman Sachs sieht es anders. „Obwohl die unmittelbare Unsicherheit nach dem Scheitern des Putsches stark reduziert wurde wird das Niveau der politischen Unsicherheit dauerhaft erhöht bleiben und die Wirtschaft belasten.“

Die türkische Zentralbank hatte am Wochenende mehrere Maßnahmen angekündigt, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Soll stellte sie auch eine unbegrenzte Finanzierung der heimischen Banken in Aussicht.

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