Beim Amoklauf von München war das Internet Fluch und Segen zugleich

Als Fluch und Segen zugleich hat sich das Internet bei dem tödlichen Angriff von München erwiesen: Denn die Polizei hatte gegen wilde Spekulationen zum Tatgeschehen und das Hochladen von Videos kämpfen. Zugleich schaffte das Netz auch Solidarität und Hilfe in einer unübersichtlichen Lage. Doch leider wusste wohl auch der 18-jährige Todesschütze das Netz für sich zu nutzen.

Soziale Kanäle informierten können sowohl Opfer als auch Täter informieren. (Foto: Flickr/mkhmarketing/CC BY 2.0)

Soziale Kanäle informierten können sowohl Opfer als auch Täter informieren. (Foto: Flickr/mkhmarketing/CC BY 2.0)

Die Polizei setzte am Freitag alles daran, um mit dem Kurznachrichtendienst Twitter wenigstens ein bisschen Klarheit in die chaotische Situation zu bekommen. „Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern“, twitterten die Ordnungshüter und appellierten an die Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt: „Meidet die Öffentlichkeit“. Schließlich ging die Polizei zu der Zeit noch davon aus, dass mehrere Täter auf der Flucht sind – was sich später als falsch herausstellte.

Und auch immer, wenn es etwas Konkretes zum Tatgeschehen gab, war die Polizei bei Twitter schnell dabei. In drei Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch – twitterte die Polizei etwa, als sich die Zahl der Todesopfer auf zunächst acht erhöhte. Doch zugleich der fast schon verzweifelte Appell, abgefasst im lockeren Duz-Stil: „Haltet Euch mit Spekulationen und Diskussionen zurück!“

Denn im Netz hatten schnell Gerüchte die Runde gemacht, dass es auch an anderer Stelle in München – etwa am Stachus – einen Zwischenfall gegeben habe. Das erzeugte viel Unsicherheit, erwies sich aber ebenfalls als falsch.

Doch die größte Sorge der Polizei waren all die Fotos und Videos, die Augenzeugen des Geschehens ins Netz stellten. Denn die Beamten wollten vermeiden, dass der oder die Täter im Internet beobachten, wo etwa Polizeikräfte präsent sind. „Helft nicht den Tätern!“, lautete der flehentliche Appell des polizeilichen Twitter-Teams.

Allerdings wollte die Polizei keineswegs auf die Fotos und Videoaufnahmen der Augenzeugen verzichten – schließlich können sie für die Aufklärung der Tat sehr wertvoll sein. Deshalb schaffte die Polizei die Möglichkeit, entsprechendes Material hochzuladen.

Als besonders nützlich erwies sich das Internet bei den Bemühungen, verunsicherten Menschen in München Hilfe anzubieten: „Offene Türen“ wurden bei Twitter und Facebook für jene angeboten, die in München unterwegs waren, und nicht mehr nach Hause konnten oder wollten. Selbst die Polizei ließ im Rahmen dieser Aktion rund 100 Menschen vorübergehend in ihre Räume.

Und natürlich kam per Internet auch die Anteilnahme aus aller Welt nach München: Unter den Hashtags „prayforgermany“ und „prayformunich“ posteten Menschen aus aller Welt Sprüche und Symbole – darunter eine schwarz-rot-goldenes Emoticon mit traurigem Blick und einer dicken Träne im Gesicht.

Doch auf besonders verheerende Weise nutzte möglicherweise auch der 18-jährige Todesschütze das Netz: Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass er einen Facebook-Account hackte, um besonders junge Leute in die McDonalds-Filiale am Olympia-Einkaufszentrum zu locken. „Er würde da spendieren was sie wollen, aber nicht so teuer“, beschrieb der bayerische LKA-Präsident Robert Heimberger die mutmaßliche Ankündigung des Amokläufers im Internet.

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